Interpol10.03.2011 // Leipzig – Haus Auensee
Der Abend des 10. März in Leipzig wirkt wie eine Mitternachtsausstellung im Interpol- Museum. Man kommt fast zum Greifen nah an die fünf Künstler und die charakteristischste E- Gitarre der Indie- Szene heran. Und darf sich die Augen aus dem Kopf staunen darüber, dass dieser unglaubliche Gesang tatsächlich nur aus der Kehle eines ganz normalen Menschen stammt.
Eine Absperrung trennt Publikum und Bühne, damit nichts zu Bruch geht. Aber die bräuchte es an diesem Abend eigentlich gar nicht. Einen Zugang findet das halbeuphorische Publikum zu der Band nämlich nicht. Das mag auch daran liegen, dass Interpol tatsächlich wirken wie eine Sammlung antiker Statuen: Anmutig anzusehen, stehen sie mit einer stoischen Unnahbarkeit auf der Bühne und spielen ein ganzes Set, ohne auch nur eine Miene zu verziehen oder Emotion zu zeigen. Paul Banks' rarer Ungang mit dem Publikum ist freundlich, wenn auch nicht herzlich. Der Foto- Graben vergrößert diese Distanz sicherlich nicht nur visuell.
Der Auftritt läuft marmorglatt, ohne wirkliche Höhen und Tiefen, die man deshalb nicht hören kann, weil der Sound – schlicht gesagt – nur laut ist. Das verhilft den langsameren Liedern zu deutlich mehr Kraft und Präsenz, auch ältere Lieder wie „Obstacle 1“ wirken im Scheinwerferlicht wesentlich stärker. Auf der anderen Seite werden andere Stücke wie „Barricade“ bis ins Abstrakte verwischt. Das Gefühl bleibt dabei oft auf der Strecke- auch wenn die Band wirklich die gesamte Bandbreite ihres künstlerischen Lebenslaufs zur Schau stellt. Man nickt anerkennend mit und denkt: Manche Kunst wirkt in den eigenen vier Wänden eben präsenter. Und dass an diesem Abend viel Athmosphäre verpufft, hat den Vorteil, dass man die Musik umso besser zu Hause hören kann, ohne sich jedes Mal sehnsüchtig zurück vor die Bühne zurückzuwünschen.
Als wirklich schmerzhaft greifbar bleibt dieser Abend dann doch nicht in Erinnerung. Doch wenn einer Band das zu Gesicht steht, dann dürften das Interpol sein. Trägt doch jedes ihrer veröffentlichten Alben eine Anmut und Würde in sich, die für große Hallen einfach nicht gemacht sind.
Ein Kommentar
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Martin am 14.03.2011 um 23:12 UHR
Super Anmerkungen. Exakt ganz genau so habe ich auch den Interpol-Auftritt in Hamburg gesehen.