Glasvegas12.03.2011 // München – Atomic Cafe
am gleichen abend spielen in münchen interpol und, für die deutsche rave-gemeinde, frittenbude. nichtsdestotrotz ist das atomic café einmal mehr ausverkauft – schließlich gastieren hier heute glasvegas, symbolfiguren des amerikanischen, verzeihung, schottischen traums. aus glasgow stammend, verkörpert die band mit ihrer arbeiter-herkunft und texten, die soziale brennpunkte wie mord und den verlust des eigenen vaters problematisieren, das ideal der band, die sich mit fleiß und liebe zur musik aus den problembezirken der heimat in die oberliga des rock spielt.
glasvegas sind ein zweischneidiges schwert: die einen trifft ihre sehr emotionsbetonte musik direkt ins herz, andere fühlen sich von so viel tränendrückerei abgestoßen. tatsächlich steht die gruppe zu ihrem pathos, und das zu hundert prozent: als intro wird beethovens 'mondscheinsonate', die schon auf dem debut das spoken word-stück 'stabbed' untermalt, für die gewollt nachdenkliche stimmung bemüht. unter den erdrückenden klaviertönen betritt die band die bühne. sänger und alleiniger songwriter james allan und sein cousin rab machen es sich an prominenter position bequem, während die kritischen augen auf die schwedin jonna löfgren fallen, die seit dem ausstieg von caroline mckay das schlagzeug beackert. mit paul donoghue am bass wird das quartett vervollständigt und lässt nicht lange auf sich bitten: schwere gitarrenwände aus rückkopplungen muten in ihrer verzerrtheit schon shoegaze-mäßig an, während die rhythmussektion sehr prominent und wuchtig den ton angibt. über diesen wall of sound legt sich james allans gesang, der, das kann man ruhig so stehen lassen, ein extrem hohes niveau an phrasierung und ausdruck erreicht, eines, das wenige frontmänner zu bieten haben. dazu passt natürlich auch sein äußeres, das mit john lennon-sonnenbrille und übergroßem weißen tanktop (an den achseln fast bis zur taille reichend!) zu beeindrucken vermag. dieser rocker-look wird noch durch ein mikrofonkabel vervollständigt, das gleichzeitig eine lichterkette ist. über das ein wenig zu tiefe mikrofon gebückt, die hände am mikrofonständer und die arme weit abgespreizt kann man sich nicht entscheiden, ob sein gehabe authentische bühnenpräsenz oder ironisches rockstartum sein soll – den meisten wird es aber gleich sein.
die band spielt sich durch die hits des debuts, konzentriert sich aber auch auf die neuen kompositionen des demnächst erscheinenden werks 'EUPHORIC /// HEARTBREAK \', das mit seinen den titel bestimmenden slashes das anschwellen einer welle, ihren kamm und ihr abschwellen symbolisieren soll – viel bildlichkeit wieder, viel emotion. ebenso verhält es sich mit den songs: mit zahlreichen effektgeräten ausgestattet spielt rab allan allerhand synthesizerklänge mit seiner gitarre, manchmal bedient er auch wahre tasteninstrumente, auf deren flächen sich elegische phrasen der vocals legen, die manchmal schon als stadiongesänge durchgehen könnten. passend dazu schreit ein fan zwischen den stücken immer wieder 'celtic!', bis sich die flächigen arrangements durch beherzten einsatz der schwedin an den drums zu wahren rocksongs mit treibender percussion entwickeln. auf ganzer länge des etwas über einstündigen konzerts mutet das ganze etwas gestreckt an, und vor allem der wunsch der fans, mitgrölen zu können, kann sich leider oft nicht erfüllen, da das neue material einfach noch nicht bekannt ist. mit dem letzten stück kündigt sich allerdings ein song an, der wohl von allen sehnlichst erwartet wurde: 'daddy's gone', der das aufwachsen ohne vater thematisiert, lädt zum mitsingen und -fühlen ein und liefert der menge den letzten bissen süßigkeit. wer glasvegas schon immer mochte, wird gut bedient, wer sich allerdings an ihrem pathos reibt, wird in seiner meinung bestätigt. wie das ganze auf platte funktioniert, wird sich am 1.4. zeigen.





















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