Aufbau West25.02.2011 // Münster – AMP
Aufbau West erinnern an: „Bitte einfügen“. Denn wenn man tatsächlich in sich hinein horcht während die 4 Jungs aus rund um Münster die ersten Klänge ertönen lassen fällt einem keine Band, kein Künstler ein mit denen man sie vergleichen könnte, weil sie etwas durchweg Neues präsentieren, wenn man die aufrüttelnden Texte in Bezug auf die geladenen Rhythmen betrachtet.
Doch selbst wenn ein Vergleich anstehen würde, würden Aufbau West gut abschneiden. Die Zusammenarbeit mit Dennis Scheider, ehemals Gitarrist bei Muff Potter, lässt sich jedoch an der ein oder anderen Klangfolge nicht verleugnen, diese Live-Session löst ein gebanntes Warten auf die zusammen erarbeitete und (hoffentlich) bald erscheinende EP aus. Ehrlichkeit in den Texten, Spaß auf der Bühne, Kreativität in den Melodien und Talent an den Instrumenten. Das ist Aufbau West.
Ein Sänger mit Gitarre, der gesanglich und sprachlich glänzt, ein Bassist, ein Schlagzeuger und ein zweiter Gitarrist sowie Synthesizerist. Mehr braucht es an diesem Abend nicht zum warm werden. Rockpopdingsbums. Nein, doch. Ach ne. Eine Definition ist, wie man merkt, nicht leicht gefunden und vielleicht ist gerade das der Reiz.
Kein SchnickSchnack, kein Elektro, kein Hip Hop, von allem ein bisschen aber nicht zu viel. Wirft man The Cure, ein wenig Joy Division und Thees Uhlmann in eine Straßenbahn und lässt sie an den Landungsbrücken aussteigen, dann könnte etwas in Richtung Aufbau West herauskommen, aber wahrscheinlich wäre die Haltestelle West aufgrund einzigartiger Eindrücke weiterhin unpassierbar und es würde dennoch nicht ansatzweise in diese Richtung gehen.
Schon der Opener macht Bock auf mehr und eins wird klar: dieser Schlagzeuger; dieser Pascal Möller da mit „Emoscheitel“ der hats drauf, auf den Punkt. Aufwachen und Mitmenschen, das fasst wohl zusammen was die eindrucksvoll zwischen Melancholie und Alltagsenergie schwankenden Texte von Florian Berres dem Publikum an diesem, sehr persönlichen Abend sagen. Mit jedem Song wird die Band sicherer und auch die Begeisterung seitens des Publikums nimmt zu, was nicht zuletzt an der charmanten Unterhaltung zwischen den musikalischen Einlagen liegt, Anekdötchen von hier und da, bandinterne Sticheleien inklusive. Schnell bleiben die Rhythmen im Gedächtnis und die Schlagzeug-Akustik lässt das schon zu Beginn große Publikum die Beine im Takt auf den ramponierten Amp-Boden aufschlagen. Martin Kuntze, eigentlich an der 2. Gitarre vertreten entdeckt aktuell wohl seine Leidenschaft fürs Synthie und gibt dem Ganzen, von den Instrumenten sonst klassisch gehaltenen das gewisse Etwas.
Trotz ein paar Unstimmigkeiten ist die Stimmung wie an einem typischen AMP-Abend, locker und ungezwungen und genau da lassen sich Aufbau West einordnen, sie stehen am Anfang und haben Spaß an dem was sie können, ohne Erwartungen. Erwartungen konnte auch das Publikum an eine Band ohne bisherige Veröffentlichung nicht haben, aber in einem Punkt waren sich alle, an dem mit jeder Nummer zunehmendem Applaus hörbar, einig: Man darf gespannt sein was die vier Jungs in Zukunft so von sich hören und sehen lassen. Ist es sonst für Bands meist schwierig, das auf den CDs perfektionierte auch live umzusetzen haben Aufbau West eindeutig den Vorteil ihr Debüt live geben zu können, von der Platte wird und kann man also im Grunde nicht mehr enttäuscht werden. „Feisten, deutschsprachigen Biedermann-Pop mit erhobenem Zeigefinger“ gaben Aufbau West vorab zu erwarten und nach diesem Abend weiß man sich tatsächlich etwas darunter vor zu stellen. Die Klänge des Basses, gespielt von Jendrik Leismann runden das Ganze ab und sorgen dafür, dass den Texten Nachdruck verliehen wird.
Ein Vorspiel für Enno Bunger auf das andere Bands neidisch sein dürfen. Die Zeit mit Aufbau West vergeht an diesem Abend wie im Flug und nach 6 Songs heißt es: Auf Wiedersehen, bis hoffentlich ganz bald! Also Leute seht zu, dass ihr die Platte kriegt.





















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