Tu FawningBerlin, Comet Club
Sehr pünktlich beginnt der Australier Ned Collette vor anfänglich noch sehr wenigen Leuten sein Solo-Set im weißen, Seventies reminiszierenden Anzug. Der sympathische junge Mann, der sowohl mit Streichquartetten bereits zusammengearbeitet hat, als auch auf elektronisch-tanzbarem Terrain schon einige Werke vorzuweisen hat, steht im Comet Club an diesem Abend in der klassischen Songwriter-Besetzung nur mit seiner Akustikgitarre auf der Bühne, die er gelegentlich mit einigen Loops anreichert. Ab und an mitleidserweckend übertönt von irgendeinem benachbarten Konzertraum, in dem eine Hardcoreband so richtig zeigt, was sie kann – „It's like getting a second free gig...“ – schafft er sich, von der Störung abgesehen, in relativ langen Stücken mit seiner elaborierten, angenehmen Stimme eine schöne Stimmung für das Genre-konstitutive Story Telling, ohne dabei im Geringsten zu langweilen. Ein zahlenmäßig stark gewachsenes Publikum dankt es ihm entsprechend zum Abschluss, bevor es sich noch weiter vermehrt und der kleine Club am Schlesischen Tor sogar einen starken Eindruck von Ausverkauftheit macht.
Ein – wiewohl im Zuschauerraum noch völlig erträgliches – Gefühl der Beengung vermitteln dann auch Tu Fawning aus Portland. Das durchweg aus Multi-Instrumentalisten bestehende Quartett um Corrinna Repp und Joe Haege hat seine größten Probleme noch mit den jedes Liedende begleitenden Positionswechseln auf der schmalen wie vor allem voll gestellten Bühne. Ihr davon unbeeindruckt bleibender Tanzstil pendelt zwischen Introversion, die in kreiselnden Chanson-Anleihen („I Know You Now“) ihren Ausdruck findet, und extremer körperlicher Spannung, als einer direkten Reaktion auf die von ihren Zusammenspiel erzeugte Energie („Just Too Much“). Zwischen genau diesen Polen liegt dann auch der Raum ihres musikalischen Ausdrucks. Vor allem ältere Stücke weisen auf eine noch recht verschlossene Dream-Pop-Vergangenheit, aus der die größten Songs ihres im Januar veröffentlichten Debüts, „The Felt Sense“ und „Sad Story“, hervorgewachsen sind. Das auf City Slang erschienene „Hearts On Hold“ scheint in den Lichtern des Live-Konzerts ein gesichertes Terrain neu-entdeckter künstlerischer Freiheit für sie zu sein, auf dem sich die Künstler noch für einige Zeit ohne Redundanz souverän bewegen können: In der Geschwindigkeit ihrer Instrumentenwechsel, den elegant kontrastiven Duo-Gesängen genauso wie den stürmenden Choralen, und den ausufernden Kosinuswellen tremulierter Gitarren in Abwechslung mit Melodien auf der Grundlage von treibendem Fingerpicking. Nicht über-, sondern überaus ambitioniert sind Tu Fawning an diesem Abend und geben auf diese Weise auch ein Versprechen für noch einiges Zukünftiges, das von ihnen zu erwarten ist.


















