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Sometree15.12.2010 // Berlin – Frannz Club

Wenn sich all die vor und während der Vorstellung kolportierten Vorzeichen bewahrheiten, dann werden diejenigen froh sein, die an jenem Abend an Ort und Stelle sein konnten. Das Konzert von SOMETREE im Berliner Frannz Club war nämlich ein finaler Auftritt des seit 16 Jahren agierenden Formation. Der Zahn der Zeit nagt am Urgestein, die Konstellationen haben sich verschoben. Klar ist: in herkömmlicher Form wird es SOMETREE nicht mehr geben. Das Gitarre spielende Gründungsmitglied Sebastian Lindner hat nämlich die Band verlassen. Eine Trennung mit Schmerz, aber im Guten. Ab jetzt wird einiges anders - vielleicht auch alles. Dass dies nun auch das Ende der Band überhaupt mit sich bringt ist nach Auskunft der Verbliebenen noch nicht beschlossene Sache - in Anbetracht des Mangels an Dementi aber zumindest durchaus wahrscheinlich.

Es könnte also der letzte SOMETREE-Gig jemals gewesen sein. Daher inszenierte die Band vorsichtshalber mal ein Abschiedskonzert mit allem Drum und Dran und begab sich auf eine Zeitreise durch die eigene Geschichte und Diskographie. Mit viel Melancholie und kleinen Anekdoten garniert bot die Band einen sezierenden Schnitt durch diverse Phasen ihres Schaffens - und lieferte einmal mehr einen unmissverständlichen Beweis, dass SOMETREE eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Musiklandschaft ist. Brachial, trotz all der Feingliedrigkeit, schräg, trotz all der Geradlinigkeit: Aus der Begeisterung für SUNNY DAY REAL ESTATE und dem anfänglichen Bemühen etwas Ähnliches zu erschaffen hat die Band über die Jahre ihren ganz eigenen Sound entwickelt. „Wir haben da etwas versucht, was wir nicht können, haben das aber ganz gut gemacht“, sagt Gitarrist und Sänger Bernd Bauerochse, ohne seine Wehmut und Müdigkeit verbergen zu können.

Die Müdigkeit mag ein Mitbringsel von der Japan-Tour sein, von der die Band erst wenige Stunden vor dem Berlin-Konzert zurück kehrte. Vor Allem ist sie aber Ausdruck der Erschöpfung, nach all den Jahren des beständigen Mühens, die Band voran zu treiben. Mit großem Kraftaufwand haben sich SOMETREE stets an einem würdevollen Spagat zwischen musikalischen Anspruch und musikwirtschaftlicher Wirklichkeit, zwischen Bodenständigkeit und Kommerz, zwischen Selbstverwirklichung und Selbstaufgabe versucht. Dass es sich die Band trotz all des Erreichten nie auf dem halbhohen Roß gemütlich gemacht hat, sondern immer weiter wollte, spricht für ihre Arbeitsmoral. Schlussendlich hat aber die Nichterfüllung der an die eigenen Ansprüche geknüpften Sehnsüchte und Hoffnungen einen Zustand der Kollektiverschöpfung hervorgerufen. Deshalb jetzt die Zäsur. Noch ist unklar, was zukünftig mit SOMTREE geschieht. Es ist alles wieder offen.

15.12.2010 // kon
 

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