Bright eyes18.02.2011 // Berlin – Lido
"wiedersehen macht freude", lautet das motto, unter dem dieser abend stehen könnte. denn tim kasher, der heute überraschend für bright eyes eröffnet, hat sich mitsamt seiner begleitband (die musiker von mexican elvis) erst am dienstag im privatclub die ehre gegeben. da glücklicherweise die meisten anwesenden zu wissen scheinen, dass da auf der bühne gerade einer der gründungsväter der omaha-szene steht, findet sich auch genügend aufmerksames publikum. das hätte kasher natürlich auch ohne diesen vermeintlichen bonus verdient, denn er performt die hervorragenden songs seines soloalbums mit umwerfender hingabe und einer doppelten ration sarkasmus - eine feine mischung, die dadurch, dass der maestro voll wie eine haubitze zu sein scheint, noch an würze gewinnt.
allerdings zeigt sich bereits an dieser stelle, was auch im weiteren verlauf des abends ein wesentliches problem, teils sogar ein genusshemmnis bleiben wird: die steifheit des publikums. zwar wird kräftig applaudiert, aber alle bleiben wie festgewurzelt auf ihren 50 quadratzentimetern platz stehen, als gelte es, ihn zu verteidigen.
dabei kann man im knallvollen lido ohnehin kaum einen finger rühren. enger noch wirds, als bright eyes zum eröffnungsmonolog ihrer neuen platte die bühne betreten. los geht es konsequenterweise auch mit firewall, danach folgt eine üppige auswahl von hits und fan-favourites aus dem gesamtwerk der letzten 15 jahre, darunter das krachige padraic my prince und eine umwerfende version von no one would riot for less. "would you mind if we played one more song from our new record?", fragt oberst nach einem weiteren exkurs zu den früheren alben. das ist natürlich bloß koketterie, denn längst schon ist klar, dass die neuen songs bald live-standards sein werden.vor allem shell games, bei dem mike mogis als entfesselter anti-gitarrenheld auftrumpft, weiß zu begeistern.
überhaupt lässt die band spüren, dass sie oberst trotz der vielen tourdates immer noch mit begeisterung in die abgründe seiner seelenlandschaft folgt und bereitwillig jeden impuls nachvollzieht und unterstreicht: mal türmt sich gitarrenkrach zur noise-symphonie, mal wabern psychedelische keyboards oder träumerische trompetenlinien durch den raum. keyboarderin laura burhenn, die immer wieder zauberhafte backup-vocals beisteuert, wirkt bisweilen wie in trance.
der miserable sound macht es jedoch anfangs schwer, sich fallenzulassen. auch oberst wirkt sehr in sich gekehrt, teils fast entrückt wie jener sci-fi-schmanane, den er auf the people's key in textlicher hinsicht so überzeugend verkörpert. nach und nach jedoch wendet er sich dem publikum zu, dirigiert mit (etwas irritierenden) hip-hop-gesten den saal und stellt sich schließlich in die erste reihe, um über dem mikro kauernd kontakt herzustellen, alle teilhaben zu lassen.
so gerät auch das finale mantra "you and me, that is an awful lie - it's i an i" zum gelebten motto. anders als bei manch anderen bright-eyes-konzerten ist man diesmal weniger beobachter als mitleidender. tröstlich ist nach dieser überzeugenden vorstellung so lediglich das wissen, dass es nicht die letzte show war - im sommer wird es zwei weitere konzerte in deutschland geben.





















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