Tim Kasher15.02.2011 // Berlin – Privatclub
heute ist die vorband der hauptact - und das ist wörtlich zu nehmen, denn die münchener mexican elvis spielen nicht nur ihr eigenes set im vorprogramm, sondern sind zugleich tim kashers backingband. verstecken muss sich das junge quartett (das debütalbum john frum alaska erschien erst letzten sommer) mit ihrem songmaterial aber auf keinen fall. zwischen folk und indie pendeln ihre stücke, der oft zweistimmige gesang ist einschmeichelnd und verwandelt den ohnehin heimeligen privatclub vollends in eine art gut ausgeleuchtetes wohnzimmer.
die perfekte grundstimmung also für die sehr persönliche musik von tim kasher, die ohnehin immer den eindruck vermittelt, man säße mit ihm im schummrigen licht irgendeiner kaschemme am tresen. allerdings wirkt der songwriter anfangs etwas reserviert, was vielleicht damit zusammenhängt, dass die gesamtlautstärke nicht sonderlich hoch ist - das schont zwar das publikum, kasher allerdings murrt, dass er nicht einmal höre, ob die gitarre überhaupt verstärkt sei. der unmut ist verständlich, lebt seine performance doch vom aus-sich-herausgehen, vom aus-der-haut-fahren. mit zunehmender dauer jedoch kommt der mittdreißiger immer mehr in fahrt, treibt seine band an, schreit und johlt ins mikro und zeitweise einfach direkt in den raum und ist insgesamt vor allem eins: entertaining im besten amerikanischen sinne des wortes.
die intensität, die man beispielsweise von den auftritten seiner band the good life kennt, kann er jedoch nicht entfalten. andererseits: so wenig, wie sich ehrliche platten in der werbeauslage von media markt finden lassen, so wenig kann ein ehrlicher singer-songwriter mit jeder performance die gleiche eruptive kraft abrufen - das wäre schließlich nur eine weitere form der konfektionierung.
so bleibt der grundton an diesem abend stattdessen ein distanzierter, süffisant sarkastischer. auch das lässt man sich gerne gefallen, passt es doch zum zynischen ansatz seines aktuellen albums. schön auch, das mexican elvis in diesem zusammenhang mehr sind als eine farblose backingband und eigene, sympathische präsenz auf die bühne bringen. vor allem bassistin maximiliane reichert erweitert mit ihren backups den auftritt um schöne zwischentöne.
natürlich vermisst man etwas die opulenz und den ideenreichtum der arrangements, die the game of monogamy auszeichnen und die sich in klassischer bandbesetzung nur mit einschränkung umsetzen lassen. andererseits spürt man, dass sich kasher in diesem rahmen pudelwohl fühlt, und so bleibt unterm strich ein runder abend. wem das zu wenig war, hatte vielleicht das glück, kasher ein paar tage später noch einmal im vorprogramm von bright eyes zu erleben - da mit mehr schlagseite und entschieden kantiger.





















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