Iron & Wine11.02.2011 // Mücnhen – Freiheizhalle
So abgedroschen der Begriff “bunt gemischtes Publikum” auch immer klingen mag, an diesem Abend trifft er wirklich zu. Flanellhemdträger in allen Phasen der Verwaldschratung, sympathische Öko-Mädchen, in Ehren ergraute Rolling Stone-Abonnenten und sogar einige Elternpaare mit kleinen Kindern haben sich in der proppenvollen Freiheizhalle eingefunden, um Sam Beam zu huldigen.
Bevor es allerdings so weit ist, darf erst einmal der hervorragenden Tift Merritt gelauscht werden. Hierzulande nur den allerwenigsten ein Begriff, hat die US-Songwritern bereits vier Alben veröffentlicht (zuletzt “See You On The Moon”), die in ihrer Heimat in den höchsten Tönen gelobt und im Falle von “Tambourine” sogar für zwei Grammys nominiert wurden. Offensichtlich zu Recht, denn der rund 35-minütige Auftritt der sympathischen und äußerst herzlichen Amerikanerin zeugt von enormem Können. Ohne Begleitmusiker klingen die wahlweise mit akustischer Gitarre oder am Klavier vorgetragenen Songs spröder und intimer als auf Platte. So bleibt viel Raum für Tift Merritts beeindruckende und facettenreiche Country-Stimme, die kraftvoll genug ist, um auch einmal ohne Mikrofonverstärkung eine Halle mit fast 500 Menschen zu beschallen.
Größeres Geschütz fährt da schon Sam Beam alias Iron & Wine auf, der gegen halb zehn Uhr fast unbemerkt inmitten seiner sieben Bandkollegen (manchmal hilft außerdem noch Tift Merritt beim Backgroundgesang aus) auf die Bühne schlurft und in Sakko und beiger Hose eher wie ein freundlicher Religionslehrer wirkt als der Folk-Messias, für den ihn manche gerne halten. Die vornehme Zurückhaltung bei Iron & Wine war jedenfalls gestern - heute ist Opulenz angesagt. Dass die Songs des nicht unumstrittenen neuen Albums “Kiss Each Other Clean” auch live angemessen umgesetzt werden, ist vor allem der mehr als versierten Band zu verdanken. Diese übertreibt es zwar zuweilen mit ihren allzu ausladenden Free Jazz-Experimenten, ist aber allein optisch eine wahre Freude. Neben Sam Beam selbst tun sich da vor allem der Saxophonist, der lächelnd ins Publikum blickt, wenn er nicht gerade unter wilden Zuckungen und Verrenkungen in sein Instrument tutet, und der Perkussionist, der über seinen Trommeln und Xylophonen zu meditieren scheint, hervor.
Bei aller Virtuosität des neuen Materials sind es - abgesehen vielleicht vom großartigen “Tree By The River” - vor allem die älteren Stücke, die nachhaltig beeindrucken. “House By The Sea” und “Boy With A Coin” entwickeln in der großen Besetzung eine ungeahnte Wucht und sind neben dem reduzierten “Naked As We Came” die großen Höhepunkte des eindreiviertel Stunden dauernden Konzerts.
Bevor nach der von Sam Beam allein vorgetragenen Zugabe “Flightless Bird, American Mouth” der finale Applaus einsetzt, ruft ein Zuschauer laut “awesome” in Richtung Bühne. Stimmt.





















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