The Black Atlantic06.02.2011 // Bamberg – Morph Club
Wenn die schwarz-rot-geile Ekstase um sich greift, hat filigran arrangierter Folkpop leider das Nachsehen. Diese Erkenntnis mussten die grundsympathischen Niederländer The Black Atlantic bei ihrem letzten Auftritt in Bamberg im vergangenen Juni am eigenen Leibe erfahren. Dummerweise fiel das Konzert nämlich mit dem WM-Auftaktspiel der Deutschen Nationalmannschaft zusammen und fand praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Diesmal sind die Vorzeichen günstiger: Sportereignisse von nationaler Bedeutung stehen keine an und der zu einem bizarren Werbespektakel aufgeblasene Super Bowl beginnt erst lang nach dem Konzertende. Das Einzige, was den reibungslosen Ablauf des Abends ein wenig stört, ist der rebellierende Magen von Sänger Geert van der Velde, der erst mit einiger Verzögerung und etwas blass um die Nase, aber trotzdem bestens gelaunt auf die Bühne des sehr gut gefüllten Morph Club kommt. Dass er und seine drei Mitstreiter Kim Janssen, Matthijs Herder und Simon van der Heide seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums “Reverence For Fallen Trees” im Herbst 2009 praktisch ununterbrochen auf Tour waren, merkt man dem rund einstündigen Konzert von der ersten Minute ab an. Raffinierter und ausgefeilter als auf der Platte klingen die Songs mittlerweile, dank der Ruhe im Publikum “atmen” sie sogar, wie Geert van der Velde selbst ganz richtig anmerkt. Tatsächlich liefern The Black Atlantic mehr als nur eine Aneinanderreihung von einzelnen Stücken, sondern vielmehr eine in sich stimmige Einheit, bei der ein Rädchen ins andere greift.
Da ist es nur konsequent, dass es nach der hübschen Geistergeschichte “Ella”, dem letzten Song des regulären Sets, keine schnöde Zugabe im eigentlichen Sinne gibt, sondern dafür das ganz hervorragende “Dandelion” abseits der Bühne, inmitten der Zuschauer. Zumindest die wissen jetzt, dass es wohl ein Fehler war, im Juni den Kick der deutschen Elf gegen vierschrötige Australier dem Konzert dieser ebenso liebenswerten wie talentierten Band vorzuziehen. Wie gut, dass sich manche Fehlentscheidungen nachträglich ausbügeln lassen…





















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