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Golden Kanine & Talking To Turtles13.01.2011 // Köln – Blue Shell

„Ja, ihr seid ja viele.” Mit dieser gar nicht mal so falschen Feststellung leitet Sänger und Gitarrist Florian Sievers den Auftritt seiner Band Talking To Turtles ein. An diesem Donnerstag Abend haben sich tatsächlich viele Fans der charmanten Akustik-Kapelle sowie der schwedischen Formation Golden Kanine im Kölner Blue Shell zusammengefunden.

Der zweite Teil des Duos aus Leipzig und Rostock ist Claudia Göhler, die sich am Keyboard, am Glockenspiel und an der gelben Antonelli, einem Akkordeon, austobt und parallel dazu ihre klare Stimme unter den Gesang von Florian Sievers legt. Live kriegen die Turtles Unterstützung durch die Herren Stefan Streck (Bass, PC, Schlagzeug) und Thilo Streubel (Gitarre, Gesang, Schlagzeug). Es ist ein ganz bezaubernder Auftritt: In die zarten Popmelodien schleichen sich Beatbox-Sequenzen, verzerrte, surreale Gitarren, manchmal auch Streicher.

Die Stücke ihres Debüts „Monologue“ überzeugen wahrscheinlich gerade wegen ihrer liebenswerten LoFi-Produktion. „Dive Into The White“, „Beam Me Up Scotty“ und „Lobster´s Riot“ stechen besonders heraus, aber auch „Stones Through Thin Glass” punktet mit seiner frischen (schlimme Bezeichnung, kann an dieser Stelle aber leider nicht umgangen werden) Komposition. Doch nicht nur die Musik der Triple-Ts erwärmt die Herzen – auch die Blicke, die Sievers der zierlichen Banddame schenkt, lassen den Zuschauer ahnen, mit wie viel Liebe (zur Musik! Zur Musik?) hier zu Werke gegangen wird.

Um fast halb elf wird die überschaubare Bühne des Blue Shell dann von der schwedischen Fraktion belagert. Fünf mehr oder minder bärtige Männer behängen sich mit Posaune, Gitarren, Bass beziehungsweise lassen sich hinter dem Schlagzeug nieder. Golden Kanine sind am Start. Von dem fetten Lächeln, das eigentlich unentwegt auf dem Gesicht von Mit-Frontmann Linus Lindvall steht, kann man sich nur anstecken lassen. Die Songs ihres aktuellen Albums Scissors & Happiness haben teils er, teils Zweitkopf Andreas Olrog geschrieben. Auf der Bühne herrscht also von Song zu Song ein wildes Sänger- und Gitarrengewechsel. Olrog hat die Augen meistens geschlossen und verleiht Stücken wie „Came Down“ und „Bones“ mit seiner belegten Whiskey-und-Nikotin-Stimme eine Schwermut und Behaglichkeit im skandinavischen Stil. Lindvall zieht mindestens ebenso gut nach: diese Dynamik, dieses leichte Knödeln und Leiern, dieser unverschämt spitzbübische Kerl!

Was geboten wird, ist in erster Linie großartig. Ruhiger Post-Rock mit folkigem Bläsersatz, der auch mal einen Blick Richtung Ska wirft. Und viel Wärme verbreitet (wobei die wohlige Atmosphäre wahrscheinlich auch von dem Geruch nach Gasflamme und erwärmtem Buffet herrührt - wer öfter im Blue Shell aufschlägt, weiß, ich meine). „A Call To Arms", „December", „A World To Save“ - Golden Kanine überzeugen mich von der Notwendigkeit, sie dringend im Gedächtnis behalten zu müssen. Und wie sie dann so sind, die Schweden, verabschieden sie sich um Viertel nach elf mit den bescheidenen Worten „You´re ever too kind."

13.01.2011 // leonie
 

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