The Ghost Of A Saber Tooth Tiger13.12.2010 // Berlin – Frannz Club
Ein wenig scheinen es Sean Lennon und Charlotte Kemp Muhl zu genießen ihr Publikum an der Nase herumzuführen. Zunächst versteckt sich das Duo, vielleicht aus Trotz, hinter einem wortreichen Bandnamen, obwohl beide Mitglieder längst durch ihre Karrieren in Musik und Mode bekannt sind. Dann machen sie einem weis sie würden mit ihrem Debütalbum "Acoustic Sessions" allein den sanften Klängen frönen, nur um den Zuschauer auf Tour eines Besseren zu belehren und mit kompletter Band und gar nicht so zurückhaltenden Tönen zu überraschen. Hatte man im Vorfeld ihrer Bühnenpremiere in Deutschland Vermutungen bezüglich des Konzerts angestellt, so konnte man die getrost im Eiltempo über Bord werfen, denn The Ghost Of A Saber Tooth Tiger spielten eindeutig ganz nach ihrer eigenen Laune und machten deutlich, dass sie Lust hatten ihre Studioaufnahmen auf der Bühne in ein zum Teil völlig neues Licht zu rücken.
Von den akustischen Momenten, die auf Platte einen so charmanten Eindruck hinterlassen, blieb in dieser Form nicht mehr allzu viel übrig. Sean Lennon packte lieber seine Gitarre fest beim Schopfe und tobte sich nach Herzenslust auf ihren Saiten aus. Zusammen mit Unterstützung von Bass, Schlagzeug und Keyboard wirkten die Songs dann auch um Längen kraftvoller als vermutet. Das hatte im Gegenzug aber auch zur Folge, dass Charlottes zarter Gesang nicht so deutlich wahrzunehmen war und Sean stimmlich oftmals präsenter erschien. Nur wenn die Lautstärke etwas gedrosselt wurde und ausnahmsweise die Akustikgitarre zum Einsatz kam, erreichte der zweistimmige Gesang seinen vollen Glanz und beide harmonierten auf so wunderbare Weise zusammen wie auf dem Album.
Um Wortwitz waren beide nicht im Geringsten verlegen und so wurde zwischenzeitlich immer wieder für allgemeine Erheiterung abseits der Musik gesorgt, wobei sich die beiden auch gerne einmal vor lauter Eifer ins Wort fielen, um die nächste Pointe vorzulegen. So lauschte das Publikum neben einer Vielzahl der Songs der "Acoustic Sessions" auch einer handvoll von Geschichten aus dem Tourleben der beiden Frohnaturen und erfuhr aus sicherer Quelle, dass Berlin "the hippest place on earth" war, der Keyboarder am Abend zuvor Charlotte beim Feiern an einen Fremden verhökern wollte oder seine etwas eigenwillige hoch gesteckte Frisur eine Kreation eben jener Dame war. Doch auch musikalisch wusste das Duo einiges zu berichten. "Dark Matter" hatten sie laut eigener Aussage bisher nur auf einem Banjo gespielt, was Sean scherzhaft im breiten, texanischen Akzent um "...on a pig...and a cooow" ergänzte.
Bei so viel Heiterkeit war die Stimmung im Berliner Frannz Club auch beim Publikum ausgesprochen gut und mit jedem Witz schaukelte sie sich noch ein bisschen höher. Selbst kleine technische Probleme beim Keyboard wusste die Band gekonnt zu überspielen und so führte Sean eine kleine musikalische Kostprobe auf seinem iPad vor, was immer griffbereit zu seinen Füßen lag und hier und da als Unterstützung eingesetzt wurde. Während Sean seiner Gitarre treu blieb und allenfalls von der elektrischen zur akustischen wechselte, packte Charlotte immer wieder die Experimentierfreude und sie probierte sich gekonnt am Bass, dem Keyboard und dem Akkordeon. Am Ende des Sets gab es für die Zuschauer einen herzlichen Luftkuss und für Sean einen echten, der seine Zuneigung ihr gegenüber wiederum des öfteren mit Anreden wie "Darling" zum Ausdruck brachte. Dass die Chemie beim Päarchen nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch musikalisch stimmt, davon konnte sich jeder im Raum eine gute Stunde lang überzeugen. Umso interessanter könnte das Live-Geschehen werden, wenn im Frühjahr das etwas elektronischer geratene Nachfolge-Album erscheint, aber bis dahin darf sich ausgiebig mit dem Debüt begnügt werden.





















Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.