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Suede03.12.2010 // Berlin – C-Halle

Ein Abschied im Musikbusiness ist nicht immer für die Ewigkeit. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die guten alten Zeiten doch wieder herauf beschwört werden und der Vorsatz gefasst wird, es noch einmal zu versuchen. Der Drang die Vergangenheit nicht ruhen zu lassen, hat letzten Endes auch Suede gepackt, die 2003 mit der Veröffentlichung ihrer Singles Compilation gleichzeitig ihren eigenen Abgesang von der Bühne einläuteten. Rund sieben Jahre und etliche Spekulationen später haben sie sich nun auf ein Neues zusammen gerauft und so war es nicht verwunderlich, dass ihre treuen Fans den Weg gerne auf sich nahmen und zur einzigen Deutschland Show nach Berlin pilgerten. Auch, wenn es zunächst nur ein Live Comeback werden sollte und ein neues Studio Album noch in den Sternen steht.

Unter einem guten Stern, hingegen, stand der Abend in der aus allen Nähten platzenden C-Halle, in der sich selbst schon zum anstehenden Vorprogramm die Hälse in Richtung Bühnengeschehen reckten. Dort spielte der englische Singer-Songwriter Mark Fernyhough mit viel Hingabe auf seiner Akustikgitarre samt anmutiger Cello-Begleitung ein halbstündiges Set, bei dem das Publikum sich aufmerksam und interessiert zeigte und nicht wie gewohnt im Plauderton gelangweilt die Zeit bist zum Hauptact überbrückte. Stattdessen bedankte es sich wohlwollend mit einem herzlichen Applaus nach jedem Song und ließ der im Grundton stets gefühlsbetonten und feinfühligen Musik die gewünschte Anerkennung zukommen. Im Gegensatz zu Suede, die mit Brett Anderson an vorderster Front gerne atmosphärisch ein Bad in der Menge nehmen, bestach die Darbietung von Mark Fernyhough eher durch Schlichtheit und einen in sich gekehrten Künstler, der es jedoch ebenso vermochte mit kleinen Anekdoten zwischen den Songs zu erheitern.

Wenn eine Band wie Suede mit treuer Anhängerschaft nach so langer Zeit auf Tour geht, dann kocht die Stimmung schon im Vorfeld und die Vorfreude spitzt sich so zu bis jeder in der Halle von ihr angestochen wurde. Dementsprechend fulminant wurden die wieder vereinten Briten dann auch von aufgeregt klatschenden Händen und erhitzt schwingenden Stimmbändern begrüßt. Ein Bild, das sich im Verlaufe des Abends noch mehrmals wiederholen und kaum abebben sollte. Trotz jahrelanger Bühnenabstinenz präsentierte sich die Band wie gewohnt vollkommen in ihrem Element, vielleicht mit Ausnahme von Neil Codling, der mitunter abwesend und teilnahmslos neben seinen musikalischen Mitstreitern agierte und neben einem energiegeladenen Brett Anderson noch mehr in den Hintergrund rückte. Dieser verstand es durchgängig mit Elan einen Song nach dem anderen zu performen, die entzückte Menge mit locker sitzenden Hüftschwüngen, zahlreichem Händeschütteln und einer stimmlich sicheren Vorstellung in seinen Bann zu ziehen. Es gibt Dinge, die ändern sich nie und in diesem Fall muss man sagen - zum Glück, denn was wäre ein Suede Konzert bloß ohne diese Zutaten.

Was die Setlist angeht, blieb es angesichts der Unmengen an Songs im Reptertoire der Band natürlich nicht aus, das einige davon auf der Strecke blieben, jedoch fiel das kaum ins Gewicht. Es standen immerhin noch reichlich akustische Freuden zur Auswahl, die den Fans ein Lächeln auf die Gesichter zauberten. Suede verstanden es den Abend mit einer ausgewogenen Mischung an Songs mitreissend für das Publikum zu gestalten. Überhaupt verstärkte sich der Eindruck zunehmend, dass die teilweise in die Jahre gekommenen Fans dank der Musik und inklusive solcher Hits wie "Beautiful Ones" oder "Trash" noch einmal die besten Momente ihrer Jugend Revue passieren lassen konnten. So viel Glückseeligkeit ging natürlich auch nicht auf den Hauptakteuren auf der Bühne vorbei und so bedankte sich Brett Anderson gegen Ende der Show aufrichtig bei den Berlinern, die ihm schon in der Vergangenheit des öfteren einen ähnlich liebevollen Empfang bereitet haben. Ob solche Abende wie dieser die Band dazu bewegen sich auch mit neuem Songmaterial erneut auf Tour zu begeben, wird sich noch zeigen. Falls nicht, haben sie es zumindest geschafft an vergangene Zeiten anzuknüpfen und können, ebenso wie ihre Fans, zufrieden auf ihre Leistung auf der Bühne zurückblicken.

03.12.2010 // annett
 

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