These New Puritans06.12.2010 // Berlin – Hebbel Am Ufer
these new puritans samt 20-köpfigen orchester und kinderchor gemeinsam auf einer bühne? für so manch einen im publikum des berliner hebbel am ufer sah der vorweihnachtliche gabentisch wohl genau so aus. die bühne mit den vielfältigsten instrumenten geschmückt, geweitete pupillen und ein anflug von spannung in den gesichtern der zuschauer sowie ein hauch von exklusivität lag in der luft, denn these new puritans hatten berlin auserkoren, um ihr letztes album "hidden" mit unterstützung des stargaze ensembles und dem kinderchor des arndt-gymnasiums unter der leitung von andré de ridder gemeinsam aufzuführen.
im frühjahr begaben sich these new puritans noch ohne eine so tatkräftige und zahlreiche unterstützung auf tour, nun waren sie mit großem anhang in die hauptstadt zurückgekehrt, um das live-bild von "hidden" noch ein paar stufen höher anzusiedeln und den bereits auf platte ausgetüftelten arrangements auch auf der bühne leben einzuhauchen. schon nach den jeweils ersten takten konnten sich die ohren aller anwesenden davon überzeugen, dass das wesen der songs in seiner ursprünglich gedachten form aus den instrumenten heraus gekitzelt wurde. die verschiedenen elemente tauchten ineinander ein, berauschten sich in ihrer gegenwart und trugen zur bereicherung in sachen klangerlebnis bei. auch wenn die frühjahrs-tour des englischen quartetts bereits einen gelungenen einblick in die live-qualitäten der band ermöglicht hatte, wurden diese durch die begleitung des orchesters nur noch unterstrichen und auf positive weise betont.
die ehemals auf dem notenpapier festgehaltenden gedanken wandelten sich in der theaterkulisse und vor dichter zuschauermenge zu reizvollen und eindrucksvollen klangerlebnissen, die in ihrer realisierung ihre intensive wirkung noch zu steigern wussten. dabei wirkte das große musikalische ganze gut aufeinander abgestimmt, nur durchbrach die grelle beleuchtung zuweilen die atmosphäre, riss das publikum aus der zur abwechslung sehr passenden dunkelheit und umhüllte es mit lichtblitzen, die mitunter etwas störten. das hinterließ jedoch in musikalischer hinsicht keine spuren. das songmaterial auf "hidden" blühte in dieser konstellation spürbar auf und jagte den hörern wohlige schauer über die haut.
einzig allein der gesang von jack barnett konnte stellenweise nicht mit den aufgetürmten klangwellen mithalten und wurde etwas in den hintergrund gespült bzw. wirkte neben den tief brummenden bläsern, dem dumpfen trommeln auf den schlagzeugfellen oder den einschneidenden ketten, die die stille entzwei sägten, ein wenig zu dünn und zaghaft. bei "hologram", hingegen, wandte sich das blatt und die behutsame piano-melodie ließ jack barnetts stimme den nötigen raum zur entfaltung. wer am besagten abend zeuge dieses schauspiels war, der musste sich wahrscheinlich die aufgestellten häärchen an den armen auf dem heimweg einzeln wieder platt drücken, denn these new puritans haben mit "hidden live" die nerven auf schaurig schöne weise in aufregung versetzt und die gemüter besänftigt, die so lange nach der passenden umsetzung für das so ambitionierte letzte album gerufen haben.
nur älteres songmaterial musste draussen beim schnee vor der tür bleiben, denn der abend war einzig und allein dem genuss von "hidden" gegönnt. angesichts der gelungenen interpretation eigentlich fast schon schade, denn das prinzip hätte unter umständen auch gut beim restlichen repertoire angewendet werden können. so musste sich das berliner publikum nach einer runden, gefühlt sehr kurzen knappen stunde bereits von these new puritans verabschieden und dem einmaligen erlebnis mit der hoffnung auf ähnlich spannende projekte in der zukunft gute nacht sagen.





















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