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The Drums21.11.2010 // Berlin – Maria am Ostbahnhof

Wenn The Drums so weitermachen, dann können sie sich bald eine Wohnung in Berlin zulegen. Wer in nur einem Jahr so oft in der Hauptstadt spielt, der darf ernsthaft über eine kleine Immobilie nachdenken. Zum dritten Mal gastierte die Band aus New York in Berlin und lernte dabei den dritten Club von innen kennen. Auch wenn die Auswahl der Spielstätten erheblich variierte, sind die feinen Eigenheiten der Bühnenpräsenz der Band geblieben. Die Auftritte von The Drums erinnern zuweilen an wilde Tanzstunden, bei denen der Zuschauer herzlich eingeladen ist mitzumachen. Wenn nötig, darf aber auch einfach nur gestaunt werden, was die jungen Herren für eine flotte Sohle auf's Parkett legen. Genügend Anschauungsmaterial liefert die Band während ihres Sets ohne Frage und verausgabt sich bei zum Teil fast schon amüsanten Tänzeleien, wenn die Musik es zulässt. Der Unterhaltungsfaktor wurde auch in der Maria wie gewohnt groß geschrieben und so durfte das geübte Zuschauerauge die Band beim schweißtreibenden Ausdruckstanz beobachten oder selbst aktiv werden.

Wer jedoch in den Genuss der Live-Aktivitäten der New Yorker kommen wollte, der musste geduldig ausharren, denn die Band rückte gleich mit zwei Support Acts an und ließ im Anschluss tüchtig den Zeiger der Uhr nach vorne rücken bis die Warterei ein Ende hatte. Kaum nahmen The Drums die Bühne jedoch erst einmal in Beschlag, war das leicht aufkommende Grummeln auch schon wieder verschwunden und dem Publikum blieb angesichts der schmissigen Setlist kaum eine andere Wahl als sich vergnügt ins Geschehen zu werfen. Dass so eine enthusiastische Darbietung nicht ohne Folgen bleiben konnte, bewies der hochrote Kopf samt Schweiß gebadeter Haare von Sänger Jonathan Pierce, der alsbald auch die wärmende College-Jacke abstreifen musste und vor lauter Überschwenglichkeit auch schon mal das Gleichgewicht am Bühnenrand verlor, was ihn kurzzeitig zu einem Lacher mitten beim Singen veranlasste.

Der für die Band ungemein wichtig erscheinende Kontakt zu den Fans wurde auch beim dritten Zwischenstopp der Band in Berlin an oberste Stelle gesetzt und so geizte vor allem Jonathan Pierce nicht damit die unmittelbare Nähe der Zuschauer zu suchen und musste damit rechnen bei der erstbesten Gelegenheit von einem entzückten Fan am Bein angefasst zu werden. Insgesamt bot die Show der New Yorker viel Gutes an Unterhaltung, doch musste sie qualitätiv gesehen etwas einbüßen, was den Gesang angeht. Bei so viel Bühnenpräsenz und sportlichen Aktivitäten rutschte die Stimme doch das eine oder andere Mal einen Ton abseits der Norm. Angesichts der stimmigen Setlist und der guten Atmosphäre war dies aber zu verzeihen.

Eine Band die dieses Jahr so sehr im Rampenlicht stand wie kaum eine andere, setzte bei der Beleuchtung auf spärliches Licht und viel Rauch aus der Nebelmaschine, der mitunter nur noch Silhouetten der Herrschaften deutlich werden ließ. The Drums hielten ihre Ansagen wie so oft kurz und knapp, brachten ihre Freude über die Wiederkehr nach Berlin aber mit aller Herzlichkeit zum Ausdruck - "You stole our hears, Berlin!". Ein wenig mürrischer, hingegen, anvancierte die Ankündigung zu "Don't Be A Jerk, Johnny", bei der Jonathan Pierce verlauten ließ "This Is For A Girl I Hate Sooo Much!". Da musste die erste Reihe sich auch schon mal in Acht nehmen, damit das Mikrofonkabel nicht aus Versehen zu nah beim Gesicht landete. Vielleicht galt der besondere Dank an die erste Reihe daher denen, die sich der Gefahr auszusetzen vermochten. Ungewiss ist, ob man The Drums in Zukunft auch einmal länger als eine Stunde auf der Bühne erleben wird, dieses Mal sollte es jedoch bei einem vergleichsweise kurzen Schauspiel bleiben, bei dem die Band nach dem Ausstieg von Adam Kessler und dem überwundenen Schock trotzdem eine gute Figur machte.

21.11.2010 // annett
 

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