Vampire Weekend18.11.2010 // Berlin – Astra
Dieselbe Band, derselbe Ort, ein anderes Datum. Vor gut einem Jahr schaute das New Yorker Quartett bereits im Berliner Astra vorbei, um das mittlerweile nicht mehr ganz so junge Album "Contra" vorzustellen. Jetzt kehrte die Band zurück und die spielfreudigen Wiederholungstäter verwandelten den Ort des Geschehens erneut in Sekundenschnelle in eine Spielwiese, bei dem die Zuschauer willig nach ihrer Pfeife tanzten und die Band augenscheinlich den Takt vorgab und von Dramatik bis zu Tempo das bunte Treiben zu bestimmen schien. War das Publikum beim Support von Jenny Lewis und Johnathan Rice noch verhalten gestimmt und konnte dem Singer-Songwriter-Treiben im Doppelpack mit verschwindend geringer Anteilnahme etwas abgewinnen, wendete sich das Blatt beim Hauptact um gefühlte 360° und zeigte beim Stimmungsbarometer auf Spaß pur.
Mit dickem, Bass-lastigem Intro begrüßten Vampire Weekend die aufgedrehte Menge und starteten in ein Set, das kaum Ecken und Kanten aufzeigte, dafür aber konstant die gute Laune zum Überkochen brachte und alle festgefrorenen Zehen in Windeseile auftauen ließ. Schließlich war bloßes Rumstehen verpönt und jeder wurde entweder seitens der Band oder vom Nachbarn zum Mitmachen animiert. Da fiel die Wahl entweder auf jauchzendes Armwackeln, regsames durch die Gegend Hüpfen oder inbrünstiges Mitsingen, wobei die Fans eine beinahe erschreckende Synchronität der jeweiligen Aktivitäten vollführten. Ganz dem Motto "What You Give, Is What You Get" ließen es sich auch Vampire Weekend nicht nehmen im Einklang ihren Teil zur aufgeheizten Stimmung beizutragen, indem sie gesanglich und spielerisch sehr sicher von einem Song zum nächsten die Ausgelassenheit vorlebten und sich nur sehr kurze Pausen gönnten, um durchzuatmen.
Gute Laune am fließenden Band, hochgezogene Mundwinkel und eine beinahe unverschämte Ladung an geballten Hits schleuderte das Quartett seinem ergebenen Publikum entgegen und wirkte ganz so, als ob diese Ordnung durch kein Ereignis der Welt aus dem Gleichgewicht gebracht werden könnte. All diejenigen, die schon letztes Jahr an selber Stelle in den Genuss gekommen waren die New Yorker live zu erleben, die mussten sich automatisch etwas in die Vergangenheit zurückversetzt gefühlt haben. Kritische Stimmen könnten bemängeln, dass sich, was die Show angeht, seit diesem Zeitpunkt wenig geändert hat, dennoch muss auf anderer Seite die Konstanz gelobt werden mit der Vampire Weekend seither ihren musikalischen Weg gleichbleibend gut beschreiten.
Die Zuschauer schien es jedenfalls nicht im Geringsten zu stören und so feierten sie die Band, den Abend und sich selbst kräftig und ausdauernd. Angesichts dem sicheren Händchen für gute Melodien hatten Vampire Weekend keine Sekunde lang Probleme sich musikalisch zu behaupten und spielten sich beschwingt durch ein Set, das bewusst darauf abzielte bei den Fans die nötige Portion an Glückshormonen freizusetzen. Somit mussten dann aber leider erneut Songs wie "I Think Ur A Contra" unter den Tisch fallen und die Band verpasste die Chance auch auf komplett anderer Ebene, nämlich mit Ernsthaftigkeit und beschaulicheren Arrangements zu punkten. Wer jedoch den ausnahmslosen Spaß suchte, der war genau richtig und dem jagten Vampire Weekend das Adrenalin zuhauf durch die Adern.





















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