on3 Festival 201027.11.2010 // München – BR-Funkhaus
mittlerweile ist das on3-festival ein klassiker der bayerischen konzertlandschaft. und klassiker haben es so an sich, dass sie sehr begehrt sind, gewohnte freude und freunde bieten und eben auch ein bisschen überschätzt werden. denn was sich mal eingespielt hat, muss meist keine steigerung mehr erfahren und beweisen. begehrt, da es in zwei tagen restlos ausverkauft war und überschätzt, weil sich die qualität zwar verdichtet hat, aber sich nach oben und unten keine ausreiser erlaubt.
fangen wir also an der basis an: die on3-startrampe ist dieses mal wieder im studio 2 angesiedelt und lässt den schlechten eindruck vom letzten jahr vergessen. die bayerischen bands, die sich hier präsentieren, müssen sich hinsichtlich produktion und bühnenpräsenz wahrlich nicht verstecken, auch wenn die vorbilder deutlich zu hören und zu sehen sind, so sind doch alle in der lage in jeweils kurzen 25 minuten nachhaltig zu überraschen. boshi san aus münchen schwimmen mit dem sich langsam wieder selbstbeatmenden deutschen hip hop und schaffen es die hälfte des publikums bereits am frühen abend zum bouncen zu animieren. das hippie-barfuß-mädchen-duo tuó aus wolfratshausen zeigt, wie auch das alpenvorland schönen weichen verträumten folk hervorbringen kann. wenn sie noch ihren gymnasiastinnen-geruch und ihren nervigen manager loswerden, könnte ihnen großes bevorstehen. zum abschluß bieten "panda people" und sizarr elektronischen pop auf hohem niveau. so darf man gespannt sein, wo diese bands in ein paar jahren stehen, verfolgen sollte man sie allemal.
nebenan im studio 1 haben die jungen schwedinnen von those dancing days das festival als erste band eröffnet und führen mit ihrem indiepop die besucher in die beginnende festivalnacht. mimmi evrell am bass und rebecka rolfart an der gitarre träumen sich durch ihre haarvorhänge und cissi efraimsson am schlagzeug ist der ruhepol im hintergrund. die sängerin linnea jönsson breitet beschwöhrend die arme aus und versucht vergeblich lisa pyk an der hammond-orgel in sachen abrocken zu überbieten. telekensis folgen als einzige amerikanische band des festivals auf die fünf damen aus stockholm und ziehen den rock'n'roll-faktor nochmal ordentlich nach oben. aus der one-man-band wird auf der bühne ein trio, welches den songs von michael benjamin lerner aus seattle zur leichtigkeit ein stück gitarrendruck hinzufügt. das publikum nimmt es gerne an und zum ersten mal an diesem abend kommt bewegung in die masse der zuschauer. diese nehmen born ruffians aus toronto gerne auf und treiben sie zum highlight des festivals. es sei dahin gestellt, ob "the strokes", "talking heads", "jonathan richman", "violent femmes" oder sonstige der jungen kanadischen band die inspiration geben, aber das quartett schafft es mit unglaublicher sicherheit zwischen spannung, reduktion und treibenden flächen hin und her zu wechseln. mal gibt der bass den grundbeat an, mal steht nur die bassdrum des schlagzeugs als treibendes element im raum. darüber legt der smarte luke lalonde seine stimme und seine akkordbeats gepaart mit den verrückten bassspielereien von mitch "jack black" derosier. das macht so unglaublich viel spaß und eröffnet immer wieder neue welten des hörens und der rhytmusfolge, dass man mit offenem mund bis zum ende bleiben will und muss. den nächsten schritt der indie-musik gab es hier zu hören und zu beobachten und spätestens in zwei jahren ist der name "born ruffians" hoffentlich in aller munde.
viel zu reden gibt es auch über das nicht geöffnete studio 3 und dem im gegenzug frei gegebenen chorprobenraum. da der zugang zu diesem raum über den innenhof, anschließend durch ein treppenhaus führt und auch von der größe nicht den erwartungen entspricht, wenn darin bands wie little scream, mit und console spielen, gibt es großes gedränge, warteschlangen und doch einige frustrierte besucher. sollte der raum nur gewählt worden sein um die beeindruckenden visuals von quirin empl & martin mayer zu platzieren, hätte zumindest die bandauswahl anders ausfallen können. trotzdem war es einen versuch wert, auch wenn es den glücklichen und geduldigen vorenthalten bleibt "little scream" mit dem special guest scott matthew zu erleben. "mit" und "console" bilden dort den rein-elektronischen part auf dem on3-festival, wobei console hier zum ersten mal live das am tags zuvor erschienen neue album "herself" präsentiert. die neuen tracks "cutting time" und "bit for bit" beginnen die auserwählten besucher langsam in die nacht zu führen, während unten im studio 2 die crystal fighters mgmt-mäßig gekleidet mit dem thematisch passenden song "at home" und einem lautem "no no no no no no no....yeah! yeah!" die jungen begeisterten nach draußen kehren. zu beginn des finales im studio 1 ist kele ein bisschen verwöhnt von der bloc party-stimmungswelle und fordert noch mehr begeisterung, die er nach dem ersten bloc party-song auch bekommen soll. mit dem song "tenderoni" schließt er das on3-festival auf höchstem stimmungslevel ab und lässt sich abschließend noch einmal auf den händen des publikums über die menge tragen.
bleibt fürs nächste jahr zu hoffen, dass das festival in zukunft auch wieder, wie im vergangenen jahr, überraschungen wie "young fathers" und "fm belfast" bietet. in dieser hinsicht wurde in diesem jahr zu wenig mut bewiesen. die band-anzahl wurde reduziert, der erhoffte überraschungsgast sagte leider kurzfristig ab und der besucheransturm war größer als in den jahren zuvor. kein ausreißer nach oben. kein unnötiger skandal nach unten. viel schönes durfte man trotzdem wieder erleben und mit highlights im erlebnisgepäck möchte man schon mal gen 2011 blicken. nächstes jahr dann wieder mit dem studio 3, mit 20 bands auf 4 bühnen, weil gute klassiker bedeuten auch immer mehr vielfalt und große variationsmöglichkeiten.





















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