Agnes Obél25.11.2010 // Berlin – Admiralspalast
In den Lichtkegeln die klassisch gekleideten Damen, davor die unsichtbaren und weiten Publikumsreihen an einem Donnerstagabend, an einem der bisher noch raren Auftritte von Agnes Obél. Mit der nicht nur am Cello sicheren Live-Unterstützung von Anne Ostsee stellt die Dänin ihr Debüt „Philharmonics“ vor, nachdem sie schon im Februar und Mai des Jahres Auftritte im gleichen Saal zum Kennenlernen sozusagen spielte, was sicher die vielen Gäste erklärt, vielleicht auch die Stille einer genießerischen Erwartungshaltung.
Nicht vieler Worte Aufhebens machen die Damen, stattdessen geht es einfach fehllos von Komposition zu Komposition. Cello und Keyboard harmonieren fast zu durchgängig, haben in der Dichte der Klanges, die sie erzeugen, beinahe schon etwas einlullendes in der Weise, dass sich die hervorstechende Eigenständigkeit der Stücke auf Länge des Albums live nicht ganz so souverän entfaltet. Aber auch wenn man sagen würde, dass nur das letzte Stück vor der Zugabe, welches mit seinen Loops den Klang der beiden zum Orchester anschwellt, wirklich herausstach, sollte man es trotzdem nicht vergessen, das künstlerische Niveau auch der Stücke davor anzuerkennen. Eventuell wünschte man sich etwas weniger der Perfektion, vernachlässigte dann aber, dass sich Agnes Obél nun einmal, wie es scheint, für den klassischeren und nicht alternativen Weg entschieden hat, für ein etwas gesetzteres Publikum und gegen die etwas weniger chícen Bühnen. Ihre Musik lässt in ihrer Wirkung ähnlich der von Anna Ternheim oder Nina Kinert – von den physiognomischen Ähnlichkeiten sei noch ganz abgesehen, so weit es eben geht, dann natürlich liegt auch darin ein Wert der grazilen, blonden Skandinavierinnen – auf jeden Fall beides zu.
So muss natürlich die Frage nach dem Besonderen an Agnes Obél gestellt werden, das sich in den herrlichen animalischen Pressefotos sicher noch nicht erschöpft hat, sondern schlechterdings mit ihrer Stimme beantwortet werden muss, wenn man über das Label „schöne Frau am Klavier“ hinaus will. Mit ihrer Stimme kann man es: Sie ist zaghaft unterdrückt, weckt einen melancholischen Eindruck, wenn sie sich scheinbar zurückhält, sie ist liebreizend in den tonhohen Passagen, keusch verraucht in den dunklen, sie schmeichelt, aber entzieht sich. Wem solche Art der Erhabenheit genügt, kann sich bei der Dänin für einige Zeit verlieren.





















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