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anajo16.11.2010 // München – Atomic Café

anajo: die augsburger deutschpop-gruppe der herzen, besonders geliebt von jenen, denen 'wir sind helden' schon zu oft im radio gelaufen sind und die sich mit ihren mittlerweile weltumspannenden texten nicht mehr identifizieren können. schon vor der jahrtausendwende gegründet, waren anajo immer verfechter des privaten und der kleinen problemchen (liebeskummer! siehe „wenn du nur wüsstest“) oder anwälte der biederen vornamen („monika tanzband“). die zwei zärtlichen, direkten und ehrlichen alben, die du gehört hast, wenn du abends zu deiner freundin gefahren bist, auf dem mofa über endlose feldwege, kann dir niemand wegnehmen. schließlich provozieren anajo in musik und haltung genau das gegenteil von großen gesten und durchbruch.

schauplatzwechsel, 2007: anajo plötzlich bei stefan raab, bundesvision song contest, darauf eine ausgedehnte tour zu großen teilen zusammen mit klee, die clubs werden größer. der vorläufige höhepunkt dann mitte november im atomic café zu münchen.

es ist noch kurz vor einlass, und schon bildet sich eine schlange, die von minute zu minute wächst. durch das gewusel hört man immer wieder die frage nach restkarten und manch einer hofft auf abendkasse, bis diese hoffnung zerschlagen wird: neben das tourplakat wird ein ausdruck geklebt. „restlos ausverkauft, keine abendkasse, kein betteln. nächstes konzert 26.3. im backstage“. unheimliche menschenmassen warten mittlerweile auf den einlass, sind anajo plötzlich der place to be?

im club arbeitet sich als support francesco wilking von tele an seiner gitarre ab, und um das nicht eintönig werden zu lassen, stellt er sie von zeit zu zeit beiseite und übt sich im poetry slam, indem er allerhand texte vorliest - was das zeug zum stimmungskiller hat. besondere freude wallt allerdings auf, als einer der fans sein handy auf die bühne reicht und wilking bittet, für seinen freund, der heute geburtstag hat, doch übers telefon ein ständchen zu singen, was natürlich nicht abgeschlagen wird. sympathisch, dieser wilking solo, aber nicht aufregend.

anajo betreteten zu viert die bühne, als aushilfe an den tasteninstrumenten ist ein zusätzlicher mann mit dabei. ohne große begrüßungen legt die band los, und was auf platte so niedlich klingt, ist live um einiges lauter und härter. das ganze konzert über wechseln sich altbekannte hits wie „vorhang auf“ oder „honigmelone“ mit neuen stücken von der im frühjahr 2011 kommenden platte ab. oliver gottwald, texter, sänger und gitarrist (in dieser reihenfolge) übt sich dabei unprätentios am charakteristischen wortwitz, während ingolf nössner am schlagzeug und michael schmidt am bass die tighte rhythmussektion geben. während die band sich desöfteren selbst auch etwas ironisch als tanzband bezeichnet, tritt live genau besagtes szenario ein. die in kontrast zur neuen single 'mädchenmusik' nicht vorwiegend weibliche menge springt wild umher und singt leidenschaftlich mit. wirklich erstaunlich, wie routiniert und perfekt die drei herren zusammenspielen. ein konzert für herz und tanzschlappen zugleich also. lediglich bei der großen anzahl unbekannter stücke reagiert die masse etwas verhaltener. zugleich fordern die neuen lieder weniger zum tanzen auf und sind nicht von den schnellen akkordwechseln der anfangszeit geprägt, sondern harmonisch elaborierter und beatbetonter. manchmal wähnt man sich sogar, hauptsächlich aufgrund der schlagzeugrhythmen, auf dem konzert einer britischen indie-combo. nur die eingangs erwähnte single wird schon beim ersten kontakt bereitwillig aufgenommen. gottwald arbeitet sich darin an dem vorwurf ab, anajo sein hauptsächlich für pubtertierende mädchen von belang: „mann ihr habt mumm! hier im club diese mädchenmusik!“ lässt er die menge mitskandieren, und erwidert gleich darauf den debatten um seine homosexuelle lebensweise „schwule sänger dieser welt, bleibt doch, wo es euch gefällt!“. in der mitte des konzerts wird nun auch mit der menge kommuniziert, schmidt fragt die leute an der bar, „wie denn das konzert in der seniorenecke“ sei, und bedauert die einführung der 0,3l bierflasche im atomic, was die menge zum johlen und demo-artigen parolen bringt.

während des ganzen konzerts hallen immer wieder 'monika tanzband“ rufe durch den raum, schmidt spricht sogar belustigt von einer „aggressiven zelle“, die vor ihm ständig das lied fordere. aber anajo wären nicht anajo, wenn sie sich dieses nicht bis kurz vor schluss aufgespart und die menge damit glücklich in die nacht entlassen hätten.

16.11.2010 // jakob
 

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