Beach House13.11.2010 // Hamburg – Uebel & Gefährlich
They say pyramids, I say tent
Hamburg ist immer eine Reise wert, weiß jeder, der mal die Alster überquert hat. An diesem Sonnabend sind viele Leute angereist. Fussball-Fans aus Leverkusen, um den FC Sankt Pauli knapp verlieren zu sehen, Touristen aus aller Welt, um die Alster anzugucken und weitere Häuser, denn mehr gibt es bald nicht mehr zu sehen in dieser Stadt, dieser reichen Stadt mit den flotten Häusern und kulturfeindlichen Regierenden. Alles soll dicht gemacht, privatisiert, verkauft, saniert oder einfach nur kaputt gemacht werden. Die Bestimmer kommen einem vor wie kleine Kinder, die mit Sand schmeissen und ihre Spielzeuge nach einem unbarmherzigen System ein- oder aussortieren.
Geld gibt’s für die Polizei, darum steht die ganze Holstenstraße von oben bis unten voll mit komplett gepanzerten Polizisten aus Hamburg und dem Umland. Panzerartige Wasserwerfer, Schneepflugähnliche Gefährte und andere Exoten aus dem Fuhrpark rollen die Straßen entlang und schüchtern alle kleinen ungepolsterten ein. Die Innenminister-Konferenz.
ist der Anlass, gegen die demonstriert wird. All diese Erlebnisse und Geschehnisse lassen einem Hamburg wie ein Kriegsgebiet erscheinen, in dem Kunst oder Kultur nicht viel gilt, wenn sie sich nicht kurzfristig und rein rechnerisch bezahlt macht. In dieser kulturell unwirtlichen Stadt steht das Uebel und Gefaehrlich am wahrscheinlich bedrohlichsten Platz, dem alten Hochbunker am Heiligengeistfeld. Die bedrohliche Fassade beherbergt den einzig sicheren Zufluchtsort für Sensibelchen, die gerne aus der Welt treten und den vollgequalmtesten Raucherraum dieses Universums aller Zeiten.
Hier spielen Beach House ihren Dream Pop, auf dieser Bühne standen am Samstag drei erleuchtete Pyramiden vor einem simulierten Sternenhimmel. Das coole Bühnenaccessoire kommt überhaupt nicht cool rüber sondern wie ein Kinderzeltlager. Maximal kitschig, aber nicht auf diese klebrige Art, die mancher mögen kann, von der alle schnell zu viel haben, sondern auf diese rührige Art, die gut mit der kühlen bis düsteren Pop-Interpretation von Beach House passt.
Victoria Legrands Stimme ist das tragende Element der Musik, ohne die Hauptrolle komplett zu übernehmen, denn ist man einmal über die Faszination dieser vielseitigen Verkörperung der freundlichen Melancholie hinweg, tauchen weitere wichtige Grundlagen des Duos auf. Das reduzierte Schlagzeug beispielsweise im perfekten Zusammenspiel mit der Gitarre, gespielt vom zweiten Teil der Band, Alex Scally. Die beiden Instrumente lösen sich gegenseitig ab, bestreiten einige Takte gemeinsam, bis eines der beiden dem anderen kurz die Bühne überlässt, vice versa. Und immer wieder die Orgel, von ihrem sakralen Staubmantel befreit, die eine ruhige, klare Stimmung verbreitet.
Das ist Dream-Pop von allen Stereotypen befreit. Und das war ein schönes Konzert. Können die machen, was sie wollen da draußen. Durch die dicken Wände kommt nichts hinein und bei einem Konzert wie von Beach House ist die olle Welt kurz im Offline-Modus. Für den Rest der Zeit gibt es immer noch Schnaps, gerade in Hamburg essentiell.





















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