Phoenix06.11.2010 // Berlin – Station
ist irgendwo in der hauptstadt ein phoenix-konzert, dann ist hellmuth karasek nicht weit. der literaturkritiker drängelt sich wenig alterskonform auch gern mal in die ersten reihen vor. schließlich ist phoenix-sänger thomas mars sein neffe. was karasek und die anderen zuschauer in der station zu sehen bekamen, war eine demonstration der ausnahmestellung, die phoenix in der popmusik einnehmen. sie kamen aus versailles, um den thron der französischen popmusik, der seit serge gainsbourgs tod leer stand, einzunehmen. mittlerweile haben sie es sich darauf ziemlich bequem gemacht.

die qualitäten von phoenix als liveband sind überwältigend. was einerseits an einer phänomenalen setlist liegt. andererseits an der musikalischen umsetzung. Und nicht zuletzt am fehlen jeglicher allüren. thomas mars sucht bei jedem konzert trotz eigener zarter physis die physische nähe des publikums, was herzlich, nie bemüht daherkommt. man beneidet seine freundin sofia coppola ein wenig. ihr Video "lisztomania" drehten phoenix in der fränkischen provinz und versahen bayreuth nonchalant mit einer popkulturellen prägung jenseits von wagner.

die setlist in der station ist phänomenal gut und phänomenal lang: als opener kickt immer noch "lisztomania" am besten. außerdem "long distance call", "rome", "fences", "lasso", "armicstice", "run run run", "if i ever feel better", "rallye", "funky squaredance" und so geht es munter weiter. als abschluss dann "1901".

bevor ich nach dem konzert in die berliner nacht verschwinde, drückt mir ein mädchen einen zettel in die hand. er zeigt ein schloss, davor einen swimmingpool mit azurblauem wasser und palmen, der himmel darüber strahlt märchenhaft blau. zwei Menschen ruhen am rande des pools in liegestühlen. eine kulisse, die einem traum entsprungen zu sein scheint. es ist das plakat von sofia coppolas film "somewhere". die unbestimmtheit und die vollkommenheit dieses bildes, der schwebezustand zwischen euphorie und melancholie - all das sind die dinge, die phoenix ausmachen.





















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