We Have Band28.10.2010 // München – Atomic Café
we have band – drei ehemalige plattenlabel-angestellte, verfechter der urlaut-kommunikation ('oh! oh! oh!'), freunde aller hipster, tanzflächenfüller. nach veritablen hits (oh!, honeytrap, you came out) immer noch der zweifel: hat das substanz? oder sind we have band einfach nur stylisch, klingen nach den omnipräsenten 80ern, liefern den hype ab und sonst nichts? der gegenbeweis - ein lustspiel in zwei akten; in den hauptrollen: darren und das ehepaar thomas und dede.
erster akt: das album. erstaunlich kreativ, exstase trifft zahlreiche ruheinseln, mut zum experiment. nichts klingt abgedroschen, vieles sehr frisch, viele synthesizer, viele perkussion, drei vokalisten, britisch-nüchtern vs. soulig warm vs. sexy frauenstimme mit delikatem akzent, was dem ganzen noch mehr sexyness verleiht. 'whb', so der nüchterne name des debuts, ist wunderbar am stück durchzuhören. kritische voreingenommenheit erstmal beseitigt.
zweiter akt: der zweifel. wie wird das ganze live klingen? wie werden die vielen samples umgesetzt? handelt es sich doch bei we have band nicht um eine klassische rockband mit drums, gitarre, und bass, sondern um ein laptop-projekt, das von thomas ausging, der in der folgezeit seine frau und einen kumpel mit ins boot nahm. ein projekt, das noch nicht mal einen drummer an bord hat. fragezeichen.
dann, donnerstag abend im atomic, die zerschlagung aller vorurteile: we habe band betreten gegen 22 uhr die bühne, auf der ein bass und eine gitarre mit einem gemeinsamen verstärker stehen, thomas' arbeitsplatz, den er auch nicht verlassen wird. auf der gegenseite darren bancroft, hauptsächlich am mikrofon möchte man meinen, aber dann steht da noch ein halbes schlagzeug, auf das er später ordentlich eindreschen wird, und ein sampler. in der mitte. dede, püppchenhaft wie es püppchenhafter nicht mehr geht, aber sehr in ihrer rolle und damit überzeugend charakterecht; sie steht an einem sampler, den sie aber kaum benützen wird, dafür aber das tamburine, die triangel der modernen rockband.
los geht es mit 'piano', das auch den reigen des debuts eröffnet. andächtig, fast majestätisch, aber wunderschön. das publikum nickt im takt, herr bancroft gibt mit leidenschaftlichstem gesang eine perfekte performance ab und bedient dabei noch allerhand drehknöpfe und spielt damit synthesizer und andere soundtechnische spielereien ein. die rhythmussektion wird von einem live-schlagzeuger mit ordentlich groove gefüttert; backingtracks, also playback-theater mit choreographie: fehlanzeige. hier wird, auch wenn mit dem instrumentarium einer electroband, richtig musiziert.
we have band spielen zunächst eine reihe ihrer ruhigeren stücke, die psychedelischen ('buffet') und die neo disco-lastigen ('how to make friends'). während ihre drei männlichen mitstreiter konzentriert agieren, inszeniert sich dede in der mitte der bühne als besessene nymphomanin und zieht allerhand männliche augenpaare auf sich. blickt im kurzen glitzerkleidchen abwesend in eine nicht auszumachende leere, hebt die arme priestergleich in die höhe und versprüht ihren charme, der drohend und anziehend zugleich wirkt. nach bisher eher mitnickenden köpfen folgt mit 'you came out' der höhepunkt ihrer bühnenpräsenz, die vocals sind vollkommen ihr überlassen und schamanengleich animiert sie das publikum zum tanzen. wohl bewusst aufgespart, folgt nun ein hit nach dem anderen: 'honeytrap' bringt gegen ende des sets das publikum endlich zum ausrasten, da verlässt die band auch schon die bühne. es wird nach zugaben gejohlt, gleichsam jeder weiß: es fehlt noch das paradestück des debuts, nämlich eingangs erwähntes 'oh!'. die band kommt zurück auf die bühne, liefert eben jenes ab und hinterlässt nach einer hypnosephase des anfangs und der exstase der schlussstücke eine menge, die genau weiß: von diesen drei londonern wird noch viel zu hören sein.





















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