Bratze19.10.2010 // Nürnberg – K4
Bratze betreten zur Zeit ständig Neuland. Zum einen sind da die im Dezember stattfindenden Konzerte in Russland, zum anderen die Auftritte als musikalischer Gast bei der on3-Lesereihe. Lesung und Bratze - auf den ersten Blick mag das so gar nicht zusammenpassen. Die ruhige, konzentrierte Stimmung einer Literaturveranstaltung und der lautstarke Elektropunk der beiden Hamburger scheinen einfach unvereinbar. Andererseits legen Kevin Hamann und Norman Kolodziej bei aller Feierwut schon seit jeher großen Wert auf vielschichtige, intelligente Texte.
Literatur und Bratze - das geht eben doch zusammen, wie das Duo im Anschluss an die drei Wettbewerbsbeiträge des Abends eindrucksvoll beweist. Dass es sich natürlich nicht um ein Bratze-Konzert im “klassischen” Sinne handelt, stellt Norman Kolodziej mit Blick auf das größtenteils auf Stühlen sitzende Publikum im proppenvollen K4 Zentralcafé gleich einmal klar: "Ich hoffe, ihr habt Verständnis, dass wir hier nicht das Techno-Brett auspacken. Wir freuen uns, jetzt ein paar Songs zu spielen, die bei den Techno-Kids normalerweise nicht so ankommen."
Was folgt, ist zunächst eine großartige, abgespeckte Version von “Die auswendigen Muster”, dominiert von akustischer Gitarre und auf einer Schreibmaschine erzeugten Beats. Die Hamburger haben sich in der Tat viel einfallen lassen für ihre vier Auftritte bei der on3-Lesereihe. Auch die folgenden Stücke “Das einfache Fluten” und “Der Atem des Phoenix” beeindrucken mit ungewöhnlicher Instrumentierung (u.a. einem Verstärker für alte Analog-Telefone) und sind dank der ruhigeren Vortragsweise ziemlich nah am Sound von Clickclickdecker. Das alles ist jedenfalls so gut, dass das Publikum unbedingt noch eine Zugabe haben will und diese dann in Form eines Metallica-Mash-Ups (!) bekommt.
Texte vorlesen müssen Norman Kolodziej (der von einem völlig in die Hose gegangenen, weil menschenleeren Techno-Festival in Thüringen berichtet) und Kevin Hamann (der von Luftbe- und Luftentfeuchtern, schlecht isolierten Wohnungen und seltsamen Nachbarn erzählt) übrigens auch. Dafür gilt ebenso wie für die gespielten Songs: Absolut grandios!





















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