Well Done, Jackson Pollock03.10.2010 // Berlin – Heimathafen
Rainald Grebe ist heute in einem anderen Raum des Heimathafens in Neukölln zu Gast bei TV-Noir und wie man den netten Haudegen so kennt, überzieht er kräftig und das, obwohl er eigentlich erst Ende des Monats seine Auftrittsreihe beginnt...
Jedenfalls verzögert sich so alles und der Wochenausklang zieht sich noch eine Weile dahin, bis die ersten Töne von Touchy Mob zu hören sind. Der ausgesprochen nett, wenn auch etwas traurig aussehende junge Mann mit Rauschebart, der sich hinter dem Künstlernamen verbirgt, findet sich von seinem Laptop begleitet ein paar Akustikgitarrentöne und baut sich vorsichtig einige Loops zusammen. Noch während des Versuchs sich selbst zum Tanzen zu bringen, singt er mit klarer Stimme gefühlvolle Geschichten und Lieder über Zitrusfrüchte. Den Abschluss seines Konzertes bildet eine um das Pop-Appeal des Originals erleichterte Coverversion von „Lovesick Teenagers“ der New Yorker Bear In Heaven; das passt vor allem deshalb gut, weil einem von Touchy Mob tatsächlich nicht eine (wie es so häufig geschieht) einfach nur gewollt verschrobene Spielart von Anti-Folk, der in der Hudson-Metropole bekanntlich seinen Ursprung hatte, präsentiert wurde. Ein Besuch seiner Website sei stark ans Herz gelegt.
Der nette und späte Abend mit Sitzgelegenheit geht sogleich weiter. Eng gedrängt finden elf Leute zwischen ihren Instrumenten und den sieben für die Band beinahe obligatorischen Fernsehern Platz bzw. kuscheln sich, so gut es denn geht, zusammen. Leider hat, was nett anzuschauen ist, für den Klang eher schlechte Auswirkungen und der bei so vielen Mikrofonen allgegenwärtigen Gefahr der Übersteuerung ist auch nicht immer zu entgehen. Auch dürften die trotz allem relativ begeistert spielenden Musiker keine sonderlich hilfreichen Monitore vor sich gehabt haben, aus dem gleichen Grund, wie aus dem, der dafür sorgt, dass eine falsche Bewegung schon die Noten des Cellisten umwirft... Es ist unnötig zu erwähnen, dass solche Rahmenbedingungen den Stücken nicht gerade gut tun; doch das einmal berücksichtigt, hat das Konglomerat von Well Done, Jackson Pollock mit Gastmusikern seine stimmungsvollen und bildreichen Lieder, die doch „ähem, Mama, nur Kunst“ sind, in herzlicher Manier und charmant vorgetragen.
Trotzdem werden sie sich aber noch in Acht nehmen müssen, um der Beliebigkeitsgefahr zu trotzen, welche der unheimlichen Anzahl an Ambient- und Post Rock-Bands geschuldet ist. Ein Regisseur des kollektiv Unbewussten müsste her, um in den feineren band-demokratischen Problemen manchmal kompromissloser agieren zu können, denn eigentlich müsste man ihnen den Ratschlag geben, auf das eine oder andere Mitglied wegen des Klangs und der Abstimmung bei den Live-Auftritten zu verzichten, dann aber wäre die Idee der Berliner – höchstwahrscheinlich sind sie weit davon entfernt, dass nur eine Person aus der Band die Lieder schreibt – wohl nicht verstanden. Daher gebe man ihnen für das nächste Mal doch bitte den großen Saal, das wäre nur fair.





















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