My Sister Grenadine Fürth, Babylon-Kino

von Christoph Walter · 14.09.2010

Es gibt sicher nicht viele Bands, die innerhalb von nur drei Monaten einen Zuschauerzuwachs von 2500% verzeichnen können. Als My Sister Grenadine nämlich im Juni an anderer Stelle in Fürth auftraten, verirrte sich gerade einmal ein zahlender Gast zum Konzert der Berliner - diesmal geht es mit 25 Zuschauern zwar immer noch sehr überschaubar zu, aber das kleine Wohnzimmer unter dem Babylon-Kino sieht dennoch recht gut gefüllt aus.

Überhaupt sind My Sister Grenadine trotz gelegentlicher - nicht ganz ernst gemeinter - Anflüge von Größenwahn (der stetig wachsende Berg an Taschentüchern auf der Bühne etwa wird mit einem “auch Stars haben Schnupfen” erklärt) eine Band für den kleineren Rahmen. Die nach den Regeln der Statistik fälligen mehr als 600 Zuhörer werden Vincenz Kokot und Co. beim nächsten Gastspiel in Fürth also eher nicht anziehen. Schlimm ist das allerdings nicht. Im Gegenteil: My Sister Grenadine sind nämlich so außergewöhnlich gut, dass man die Band ganz gerne als Geheimtipp mit sich herumträgt. Die Dreierbesetzung mit Vincenz Kokot, Felix Koch und Angelina Kartsaki, die abwechselnd Ukulele, Glockenspiel, Geige und Trompete spielen, mag an sich recht unspektakulär wirken, aber die Art und Weise, wie sich diese überschaubare Instrumentierung in Kombination mit Gesang und liebenswerten Spielereien wie Fahrradhupe, Klingel, Besen und Miniradio (aus dem “Feel” von Robbie Williams ertönt) zu einer Einheit verbindet, hat es in sich. Gerade Felix Koch tut sich dabei immer wieder als großes Improvisationstalent hervor, wenn er ganz im Stile eines Method Actors den gesamten Raum zur Klangerzeugung benutzt - herumstehende Stühle werden geräuschvoll verrückt oder aus dem hintersten Winkel des Kellerraums wird laut geschrien.

Dass My Sister Grenadine erst seit den Aufnahmen zum aktuellen, exzellenten Doppelalbum “Subtitles & Paper Planes” als Trio zusammenspielen, macht sich dabei zu keinem Zeitpunkt bemerkbar, zumal die Songs ohnehin eher von der Spielfreude und Kreativität der drei Musiker als von am Reißbrett entworfener Perfektion leben. Allerdings geht das einstudierte Material der neu zusammengestellten Band schneller zur Neige als die Neugierde des Publikums, was zur Folge hat, dass als Zugabe neben einem von Felix Koch allein vorgetragenen, von Hans-Eckardt Wenzel vertonten Gedicht des Lyrikers Theodor Kramer eben einfach geheime Hits wie “Fireworks” noch ein zweites Mal gespielt werden.

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