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Rue Royale12.09.2010 // Berlin – NBI

Das NBI mit seinen Sonntagen ist immer noch ein geheimer Rückzugsort im Berliner Nachtleben. Kurz bevor eine neue Seite im Terminkalender umgeschlagen werden muss, hat man in der Kulturbrauerei noch einmal die Gelegenheit, still der Alltäglichkeit für ein paar Stunden zu entkommen. Am ersten Abend nach dem Berlinfestival gilt das vielleicht sogar umso mehr.

So setzt sich dann das Ruhe bedürftige Publikum gleich zu Beginn auf den Boden um den Niederländern The Black Atlantic zuzuhören. Von der Bühne muss das gar so gemütlich anmuten, dass sich der Sänger noch ein Lagerfeuer im kleinen Club dazu wünscht. Auch ohne offenes Gemeinschaftsfeuer allerdings kommt es bei dieser Band während der Zugabe zu einer Sitzrunde zwischen den Zuschauern. Die Stücke davor sind in ihrer gefühlten Intensität kaum weniger schön: Zaghaftes Mandolinen- und Gitarrenspiel, ein fast noch vorsichtigeres Drücken der Keyboard-Tasten und dann ganz oft ein kleiner Chorgesang der vier Herren, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, die Augen geschlossen. Die Brücke von ihrer Musik zu Landschaftsbildern wird geschlagen, ein langer Blick auf die ozeane Nacht und die damit verknüpfte Sehnsucht... Auch draußen, vor dem Club, gab es noch eine Zugabe: Für die Berlin-Sessions nahm das Quartett zwei Stücke auf, die in Kürze auf YouTube angeschaut werden können.

Kurz nach dem Videodreh betreten dann auch das Ehepaar Dekker a.k.a. Rue Royale die Bühne. Mit ihrem schon bekannten charmanten Gestus verzücken die beiden, bisweilen vom Black Atlantic-Keyboarder Kim Jansen unterstützt, mit ruhigen Songwriterstücken und vor allem ihrer eigenen Bühnenpräsenz. Das „Ready, Darling?“ oder das Geschichten zu Ende erzählen, die der Andere angefangen hat. Eine Trennung von Zuhörern und Künstler wird durch schlichte Herzlichkeit auf ihr Minimum reduziert und so ist es nicht einmal schlimm, dass es kaum neue Stücke seit dem letzten Berliner Auftritt zu hören gibt. Manchmal ist man stattdessen wohl einfach froh, zwar einem Konzert, jedoch keinem Event beizuwohnen, sondern unbedrängt und lächelnd lieben Menschen zuschauen zu können. Danach fängt nämlich auch die Woche gleich ein bisschen besser (und übermüdeter) an.

12.09.2010 // sven
 

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