The Tallest Man On Earth15.08.2010 // Hamburg – Kampnagel
Draußen geht die Welt unter, Blitze schlagen ein, der Vorhof steht unter Wasser. Der Kampnagel ist wunderschön angeleuchtet, weil gerade Sommerfestival ist.
Und drinnen? Auf der Bühne steht ein Klavier.
Und das lässt die Herzen höher schlagen. Denn es gibt nur zwei Lieder, die man von Kristian Matsson, dem seine Gitarre ja eigentlich fast schon aus dem Arm wächst, kennt. „Like The Wheel“ und „Kids On The Run“, eine zauberhafte Abwechslung zu seiner One- Man- One Guitar- Show.
Und er spielt sie beide.
Überhaupt, er spielt beinahe jedes Lied, das auf seinen beiden Studioplatten und der neuen EP Ende des Jahres zu finden ist. Sozusagen als Schlusspunkt vor einem Urlaub in der Heimat. Urlaub bedeutet: Drei Tage frei, und dann weiter im Text. Aber wenn man ihn da auf der Bühne sieht, wie er keine halbe Minute still stehen kann, dann ist auch klar, dass er wohl bald wahnsinnig werden würde vom Nichtstun und wieder zurück auf Tour wollte.
Und so nimmt der Mann, von dem so viele sagen, er wäre ja nun wirklich klein, mit seiner Gitarre die riesige Bühne des Kampnagels komplett ein und saugt allen leeren Raum ein wie ein schwarzes Loch.
Am Beeindruckendsten ist der Kontakt mit dem Publikum. Während die meisten Sänger sich einen fixen Punkt hinten bei der Wand am Mischpult suchen, ist Matssons Fixpunkt das Publikum, und nur das Publikum. Mancher mag sich so vorgekommen sein, als wäre das Lied nur ihm gewidmet gewesen, so viele Minuten war der Blickkontakt.„This Wind“ für einen aus Frankfurt angereisten Fan. „A Lion's Heart“ für ein eng umschlungenes Pärchen in der ersten Reihe.
Aber kein Grund zur Eifersucht. Glücklicherweise habe ich selten so viele grinsende und glückliche Menschen auf einem Haufen gesehen. Man musste einfach nur auf die Bühne sehen, wenn sich der manchmal wohl wirklich größte Mann der Welt nach einem Lied bedankt und nur mühsam ein Lächeln verkneifen kann, sich für „Love Is All“ entschuldigt („It's a dirty love song, but I had to write it. Yeah, just had to.“), die Geschichte vom Cowgirl auf seiner Gitarre erzählt, oder seine Schuhe minutenlang nicht zugebunden kriegt.
Dabei gleicht er in seiner Livepräsenz nicht einmal unbedingt Bob Dylan, denn der wäre auf der Bühne keine zwanzig Kilometer gerannt und könnte sich auch nicht mit der Gitarre in der Hand so verbiegen wie Shakira in ihrem „Shewolf“- Video. Es waren wohl die kürzesten 90 Minuten, die man neben dem 4:0 gegen Argentinien bisher erlebt hat. The Tallest Man On Earth ist dem Publikum direkt ins Gesicht explodiert.





















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