The Whale Watching Tour15.08.2010 // Berlin – Admiralspalast
Knapp vier Monate nachdem die Aschewolke den Luftraum über Europa beherrschte, hat nun die Bedroom-Community aus Reykjavik ihren Auftritt in Berlin nachholen können. Unterstützt von einer Violinistin sowie einem Kontrabassisten haben sich die vier Künstler, die unter dem Namen The Whale Watching Tour in diesem Jahr zusammen Konzerte geben, eine beeindruckende Klanglandschaft im Studio des Admiralspalastes geschaffen.
Das Kerngerüst des Labels Bedroom-Community sind der Produzent u.a. Bonnie 'Prince' Billys oder CocoRosies, Valgeir Sigurðsson, wie der australische Elektronik-Experimenteur Ben Frost und der klassische amerikanische Komponist Nico Muhly, der auch als Arrangeur von Antony Hegarty oder Rufus Wainwright bekannt geworden ist. Kurz nach der Gründung im Jahre 2006 stieß außerdem noch der Folk-Songwriter Sam Amidon dazu und vergrößerte damit noch die ohnehin schon gewaltige Stilvielfalt der wenigen Künstler, deren Musik sich auch heute Abend höchstens unter dem wenig bildhaften Begriff des Experimentellen zusammenfassen lässt. In Vorbereitung der Tour arbeiteten die Vier mit dem gewaltigen Material, das jeder einzelne aus seinem Œuvre, zu dem Projekt beisteuern konnte und bauten die Stücke mit ihren verschiedenen Mitteln zu gewaltigen Kulissen aus. Wie Ben Frost den einzigartigen Charakter einer solchen Arbeit im Trailer zur Tour hervorhebt: „Wenn man die Noten auf dem Papier sieht, dann sollte es eigentlich nicht funktionieren, dass man zusammenspielt. Aber [seltsamerweise] tut es das doch.“
So ist es ein kleines Wunder, dem man live beiwohnen kann, wenn sich das radikale Rauschen Frost's, das sich manchmal aus der Imitation eines Wolfgeheuls heraushebt und den ganzen Raum einnimmt, mit unglaublicher Gewalt über die feinsinnig gesponnenen Klavier-Melodien von Nico Muhly legt und dann auch noch die anderen an ihren Instrumenten einsetzen. Oder wenn Sam Amidon mit verspielt-starker Stimme ein paar traditionelle, phantastische „Murder Stories“ vertont, in denen eifersüchtige Töchter nach dem Sturz in einen Bach vom Müller in Violinen verwandelt werden; eine Geschichte, die auch gut veranschaulicht, wie verschlungen und traumhaft die Wege der Melodien bisweilen sind. Es ist ein ständiger Aufbruch in den sehr langen Stücken, die fernab von den Regeln der Popmusik durch die Halle oszillieren. Weder Refrain, noch Ausbrüche im Sinne von Post-Rock sind zugelassen, stattdessen ein ständiger Wandel in den anspruchsvollen Kompositionen, die dadurch, dass sich die Komponisten pausenlos abwechseln zu einem aufregenden, an Facettenreichtum tatsächlich kaum zu überbietendem Set zusammengesetzt werden. Die Perfektion, mit der die einzelnen Episoden vorgetragen werden, ist dabei wahrscheinlich genauso ungewöhnlich wie das Verbeugen der Musiker untereinander nach jedem der Stücke. Eine kolloborative Freude, eine Faszination! - und ein beeindruckendes und lange nachwirkendes Hörerlebnis, dass einen am Ende ohrwurmlos in die Berliner Nacht entlässt.





















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