Fanfarlo16.08.2010 // Erlangen – E-Werk
Wer wie Stephen Burch alias The Great Park in relativ kurzer Zeit zehn Alben mit Songs füllt, muss entweder eine sprudelnde Phantasie oder ein sehr aufregendes Leben haben. Der aus England stammende, nun in Berlin lebende Songwriter und Betreiber des Labels Woodland Recordings verfügt offenbar über beides. Seine oft tragikomischen, zur Akustikgitarre vorgetragenen Lieder erzählen nämlich sowohl vom Alltäglichen als auch vom Außergewöhnlichen. Da trifft es sich auch gut, dass er mit der Musikerin Fee Reega eine - wie er sagt - pyromanisch veranlagte Mitbewohnerin hat, für die er den “Song For Fee” geschrieben hat, den er als Zugabe spielt. “I love her to death, but she´s nuts” erklärt er vorher. Als wäre es ihm ein großes Bedürfnis, das einmal zu erwähnen.
Dass Fanfarlo ihre Geschichten eher in der Literatur und in verschiedenen Gebieten des abseitigen Nischenwissens (wer sonst kommt schon auf die Idee, einen Song über den völlig durchgedrehten UFO-Forscher Harold T. Wilkins zu schreiben?) als im Alltag finden, lässt schon der einer Novelle von Baudelaire entliehene Bandname erahnen. Dementsprechend sieht Sänger Simon Balthazar in der Regel aus wie ein liebenswert verschrobener Typ, der gerne in muffigen Antiquariaten nach vergilbten alten Büchern stöbert. In Erlangen allerdings schleichen sich einige - vielleicht dem stressigen Tourplan geschuldete - Nachlässigkeiten im Outfit des gebürtigen Schweden ein. Die obligatorische Fliege fehlt ebenso wie die Strickjacke, die etwas zu kurze Hose und die farbenfrohen Socken. Während Simon Balthazar nicht ganz auf der Höhe zu sein scheint, ist Cathy Lucas der Hingucker des Abends, was teilweise an der Kombination aus Hotpants und goldenem Oberteil liegt, vor allem jedoch an ihrer Fähigkeit, auch während eines Songs munter die Instrumente zu wechseln. Als großer Aktivposten der Band übernimmt sie die meisten Ansagen, die aber gerne einmal im Hall untergehen. Wie leider auch einige feinere Nuancen in den Stücken. Die Drums von Amos Memon sind oft so dominant im Vordergrund, dass sich ruhigere Klänge schlichtweg nicht durchsetzen können. Die Klarinette in “Luna” zum Beispiel verschwindet komplett und “Harold T. Wilkins” begeistert eher durch seinen druckvollen Vortrag als durch seine vielschichtigen Zwischentöne. Besser gelingt die Feinabstimmung beim ziemlich großartigen “The Walls Are Coming Down” und den beiden perfekten Zugaben “Drowning Men” und “Ghosts”.
Fanfarlo im E-Werk fühlen sich fast an wie ein geliebtes, altes T-Shirt - vertraut und angenehm wie eh und je. Die paar Löcher und losen Fäden hier und da fallen kaum auf.





















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