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Shearwater10.08.2010 // Hamburg – Uebel & Gefährlich

Es gibt gute Nachrichten, und zwar für alle. Jonathan Meiburg sieht jetzt auch aus wie die Lehrer- Ikone DEINER Grundschule, wenn er beim Soundcheck skeptisch über seine Brille lugt.

Drummer Thor Harris sieht immer noch genauso aus, wie er heißt.
Und vor allem: Shearwater sind nach wie vor eine ganz, ganz starke Live- Band.

Doch von Anfang an.
Der Anfang heißt Nils Frahm und sitzt mit seinem Klavier vor der Bühne. Nicht mitten im Raum, wie man es von anderen Städten raunen hörte, aber wohl, weil eh nirgendwo genug Platz für irgendwen ist. Außer am Klavier, da sitzen kurz vor Ende des Auftritts drei Männer nebeneinander und spielen im Namen der Freundschaft.
Mit Zugabe.
Beim Support. Gibt es nicht so oft, ist auch Nils Frahm selber noch nie passiert, sagt er zumindest.

Dann stehen auf einmal Shearwater im Fünfeck vor der Bühne herum und trauen sich nicht wirklich hinauf, eine kleine Clique. Buhen sich gegenseitig beim Soundcheck aus. Grinsen sich verhalten an. Wie auf Klassenfahrt. Dann aber doch noch mal der Ernst des Konzerts. Die Zuhörer rücken ein Stück näher an die Bühne heran, lassen aber interessanterweise den Punkt frei, an dem vorher noch Nils Frahms Klavier stand.

Die Setlist ist ein bisschen nach dem Schema Album-nach-Album, bleibt aber trotzdem spannend. Es kommen sogar ganz alte Schinken unters Rad, „Seventy- Four, Seventy- Five“ zum Beispiel, eine angenehme Überraschung. Zu „I Was A Cloud“ verdreht allein die Disco- Kugel den Menschen im Raum den Kopf. Von der Bühne haucht es „Let's be in this together.“ Na klaro! Nachher stellt Sänger Jonathan noch den Weltrekord für die meisten Äderchen auf der Handoberfläche ein und gewinnt den Photo Press Award für das großartigste Gesichtsprofil bei Konzerten. Ein Bild von den Göttern.

Mit den Zugaben ist es an diesem Abend so eine Sache. Die Band verabschiedet sich freudig nach zwei zusätzlichen Liedern mit „Snow Leopard“.
Geht.
Das Publikum bleibt.
Hundert klatschen.
Die Musik geht an.
Achtzig klatschen, zwanzig gehen.
Musik läuft, Band kommt nicht. Zehn gehen.
Siebzig klatschen. Und klatschen.
Dann fünfzig, vierzig, fünfzehn.
Das Klatschen lässt nicht nach, wird nicht leiser.

Dann, es sind ungelogen zehn Minuten vergangen, kommt Jonathan noch mal vor die Bühne und verbeugt sich. Eine Zugabe gibt es aber nicht, komischerweise stört das niemanden.
Komischerweise klatschen die verbleibenden zehn Menschen aber noch weiter.
Und weiter und weiter und weiter. Unglaublich. Unverwüstlich. Natürlich hat es irgendwann dann mal ein Ende, wenn sich das Gehirn wieder einschaltet. Aber neben dem magischen Doppelspiel am selbstgebauten Xylophon zu „Hidden Lakes“ bleibt diese Beharrlichkeit des Publikums mir noch für lange Zeit im Gedächtnis.

10.08.2010 // timm
 

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