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Hans Unstern01.07.2010 // Hamburg - Haus III

Nehmen wir mal ein Bild von William Fitzsimmons zur Hand.
Nehmen wir mal den Bart weg.
Die Brille.
Die Mütze.

Es wäre nicht schmeichelhaft für William. Es gibt diese Fotos auch im Internet, man mag sie sich besser nicht anschauen.
Und da liegt schon der mindeste Unterschied zu Hans Unstern. Nicht nur der Bart ist unendlich schöner. Auch das, was unter den Haaren zu erahnen bleibt. Gespenstisch.

Aber auch so haben die beiden Herren nicht viel gemeinsam. Hans Unstern liebt nicht die ganze Welt und nicht jedes Konzert ist das Schönste und er muss auch nicht sagen, wie ihn die Liebe der Menschen berührt und die Unterstützung und WELTFRIEDEN.
Nein, bei Hans Unstern kommt die Liebe auf Umwegen.

Wischen wir mal ein Bild von William Fitzsimmons von der Hand und malen ein paar neue von Hans Unstern. Komisch dabei: Es können nur Kopfbilder sein, denn natürlich geht genau an diesem Abend mein Objektiv kaputt.

Das erste Bild des Abends: Hans_Unstern_umarmt_die_Xylophonistin.jpg.
Schwarz- weiß- Foto mit ein bisschen Weichzeichner, fürs Familienalbum.

Das zweite Bild ist ungefähr herzensgroß (24MB, TIF- Format):
Hans Unstern steht vor einem Vorhang auf einer Bühne, die nicht mal so breit ist wie seine Gitarre und nicht halb so lang wie die Sitzreihe, die rechts irgendwo in der Schwärze verschwindet wie ein Zuggleis ohne Licht am Ende. Er hat kein Mikrofon und sagt „Ich bin Hans Unstern“, und er bringt das Publikum ins Grab, tief unter die Elbe. Es ist sehr warm an diesem Tag, es wird sehr kalt in diesem irrsinnigen Moment. Hans Unstern würde jeden Nudelsalat in zwei Stunden zum Schimmeln bringen, so sehr kann er mit den Temperaturen des Publikums spielen.

Dann wird Hans Unstern geladen. Über seiner Schulter erscheint verkehrt herum ein Ladebalken vor blauem Bildschirm und man denkt noch: Wie peinlich, lieber Herr Techniker.
Dann ist der Scanner hochgefahren und der zarte Mensch kniet nieder, die Nase neben dem Mikrofon auf das Glas gepresst.
3.jpg
4.jpg
5.jpg auf den Vorhang hinter ihm gescannt, der kurz darauf fällt. Man möchte sich das alles einrahmen, der Blickwinkel so schräg, das sieht man nicht oft.

Die Band kommt dazu, und mit ihr der Lärm. Natürlich, künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit und Protest und noch mal künstlerische Freiheit. Trotzdem: Von manchen der Menschen auf der Bühne bekommt man da unnötiges Gehabe zu spüren, und das kriegt tatsächlich diese schöne Musik auch ein bisschen kaputt. Das Publikum sitzt konsterniert da, manche nicken mit dem Kopf, ohne dass es einen Takt gäbe, viele halten sich die Ohren zu und versuchen noch zu lächeln. Aber es ist eben einfach nur laut. Kubismus à la bonheur, der gern aus dem Rahmen fallen möchte, aber leider einen Sprung ins Glas macht. Dort wütet
Festgehalten sei, dass Hans Unstern sich seine Band in großen Stücken leider sparen könnte.

Trotzdem. Da ist immer noch genug Liebe, zum Beispiel für Paris und das Dazwischen, das Interlude. Und für jedes Lied, dass es nur gibt von ihm, und das sind leider nicht so viele.

Mit_dem_Ventilator_Gitarre_spielen(1).jpg
Lichtflecken_und_Leuchtfeuer.jpg

Die ISO muss man für die Bilder das Konzert über ein bisschen hochregeln, denn Licht ist der Band nicht so wichtig, sie steht auch gern mal im Halbdunkeln und verlässt sich auf intuitives Spielen. Das sieht schön aus mit den schummernden Glühbirnen von der Decke, und grieselt auf dem Abzug auch nur ein bisschen. Hans Unstern ist auf den Bildern aber wohl kaum zu erkennen, er trägt schwarz und singt auch mal die Wand an. Oder in den Vorhang hinein. Oder auf dem Boden herum. Ein Lichtflüchtiger. Vielleicht wirken seine Augen deshalb so tiefschwarz.

Dann MGMT! Aber das Publikum möchte das Konzert noch nicht beendet sehen und klatscht einfach endlos, endlos weiter. Und passenderweise kommt Hans Unstern zurück und spielt sein Lied „Endlos, Endlos“ auch endlos weiter. Wie zynisch. Er muss ein bisschen lachen, denn er weiß, dass er keine Wahl hat. Da gibt es kein anderes Lied. Keinen Plan B. Wirklich nicht? Wo ist die Improvisation? Kein Cover. Keine versteckte B-aber-eigentlich-doch-Lieblingsseite. Also sich selbst remixen.
In der Welt dieses Klabautermanns stehen die Wände noch sehr eng. So viele Menschen passen da nicht rein.

„Möchten Sie `diesen Abend` in den Papierkorb verschieben?“

< > (Ja.)
< x > Nein, aber mancher hätte gern mehr Bilder von Hans Unstern als dem Räuber, der zwischenzeitlich so nah am Publikum sitzt, dass sich seine Knie fast mit dem Mädchen vor ihm berühren. Beinahe hätte er ihr mit dem Pinsel einen Bart aufgemalt, sie wollte scheinbar schon gern.

Das letzte Bild ist eingefroren.

weitere infos: www.hansunstern.net

timm
 

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