Get Well Soon08.07.2010 // Nürnberg – St. Katharina
Ein vor allem an lauen Sommerabenden malerischer Ort wie die Katharinenruine in der Nürnberger Innenstadt erscheint geradezu prädestiniert für ganz große Emotionen. Also wie gemacht für Get Well Soon. Vor deren Opulenz gibt es zwischen efeuumrankten Mauern und Flammkuchen-Stand ein ruhiges Kontrastprogramm mit Paper Industry. Der junge Herr mit der akustischen Gitarre ist oft zur Stelle, wenn es in Nürnberg und Umgebung gilt, den Abend für prominente Bands und Solokünstler (u.a. John Vanderslice und The Miserable Rich) zu eröffnen. Ein wenig Bob Dylan schwingt in den smarten Songs von Paper Industry ebenso mit wie (mehr als nur) ein Hauch von Conor Oberst und Rocky Votolato. Das ist so gut, dass man sich nach dem knapp halbstündigen Set nur zu gerne mit Tonträgern eindecken möchte - dummerweise gibt es da aber noch nichts. Hoffentlich ändert sich das bald…
Nach dem gelungenen Vorprogramm und einer kurzen Umbaupause betreten Get Well Soon - diesmal als Sextett - um Punkt 21 Uhr und rechtzeitig zur langsam einsetzenden Dämmerung zu den Klängen des Intros “Nausea” die Bühne. Konstantin Gropper im schwarzen Anzug wirkt angesichts der alten Gemäuer mehr denn je wie eine Figur aus einem uralten Film von Fritz Lang. Einzig Schlagzeuger Paul Kenny, der ein Deutschland-Trikot trägt, erinnert einen daran, dass das Konzert tatsächlich im Hier und Jetzt stattfindet. Mit “You/Aurora/You/Seaside” und dem großartigen “Seneca´s Silence” eröffnen gleich zwei Highlights das 75-minütige Set, das keinen erkennbaren Schwerpunkt auf eines der beiden Alben legt, sondern munter zwischen “Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon” und “Vexations” hin- und herwechselt. Daran, dass Get Well Soon an diesem Abend in Nürnberg in Bestform sind, besteht zu keiner Sekunde auch nur der Hauch eines Zweifels. Jeder Song sitzt, sogar das ganz und gar nicht zur Jahreszeit passende “Christmas In Adventure Parks” wirkt nicht fehl am Platz, und Stücke wie “If This Hat Is Missing I Have Gone Huntig” oder das Underworld-Cover “Born Slippy Nuxx” werden dermaßen zwingend und druckvoll über die Bühne gebracht, dass man schier nicht rauskommt aus dem Staunen. Spät im Programm, als es schon dunkel ist und die Klosterruine in vollem Glanz erstrahlt, folgen eine wunderschöne Version von “Tick Tack! Goes My Automatic Heart”, bei der rechtzeitig zur Zeile “On the tree above sings a yellow bird of things from far away” Vogelgezwitscher eingespielt wird, und das wuchtige “Angry Young Man”. Zur Zugabe covert Konstantin Gropper noch das im Original von Romy Schneider gesungene “La Chanson d'Hélène", bevor Get Well Soon das Publikum mit dem grandiosen “We Are Ghosts” in eine der schönsten Sommernächte des Jahres entlassen.





















Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.