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hundreds25.05.2010 // münchen – ampere

auf dieser seite entbrannte einmal eine diskussion, ob es liveauftritten deutscher bands an dramaturgie, also der inszenierung der eigenen musik mit beispielsweise visuellen mitteln fehle. ob diese bands, z.b. im rahmen der restgeräusch-sessions, nicht leidenschaftlich genug bei der sache wären. vielleicht geht der deutschen indieszene manchmal der hang ab, auch mit minimalen mitteln die bühne kreativ zu gestalten oder einem extrovertierten bühnengestus platz zu schaffen, die eigene musik also mit künstlerischem beiwerk an 'atmosphäre' zu bereichern. sollte es tatsächlich auch nur ein wenig so sein, dann stehen hundreds aus hamburg an der speerspitze der gegenbewegung.

natürlich ist die ausstattung einer liveshow immer eine geldfrage. kleine bands können sich vielleicht von befreundeten künstlern videos erstellen lassen, aber für jeden kleinsten club eine aufwändige lichtshow mit stroboskoplicht und lcd-bildschirmen heranzuschleppen liegt meist außerhalb der finanziellen möglichkeiten. wie viel solche ausstattung die atmosphäre bereichern und trotzdem nicht von der musik ablenken kann, bewiesen hundreds während ihrer deutschlandtour in münchen.

es ist völlig dunkel, auf der bühne steht zur linken ein hybrid aus klavier und keyboard, darauf ein ondes martenot (ein tasteninstrument, dessen schwebende klänge vor allem von radiohead populär gemacht wurden), und auf dem ondes martenot noch ein keyboard; neben diesem turm aus tastentechnik ein mikrofon, etwas weiter hinten rechts ein glockenspiel. ein minimaler aufbau, und doch zeigt er in seiner instrumentenwahl die experimentelle klangverliebtheit dieses geschwisterpaares. keine gitarre, kein bass, kein schlagzeug. philipp milner betritt die bühne, sitzt ganz im dunkeln, greift in die tasten, bedient parallel sein macbook, die beats hämmern viel eindringlicher auf das publikum ein als auf platte, und sofort ist man hineingezogen in diese abgrundtiefen klänge. seine schwester betritt die bühne, und man merkt sofort, dass jede diskussion um bühnenshows ins leere greift: worauf es ankommt, ist die bühnenpräsenz der protagonisten. eva milner hat diese offensichtlich im blut. im schwarzen kleid und weißen leggins steht sie auf der bühne, barfuß, und trägt zu beginn noch einen schwarz-weiß gestreiften, an ein gewisses tier erinnernden kapuzenpullover tief ins gesicht gezogen. damit gibt sie eine nicht zu greifende gestalt ab, wirkt so geheimnisvoll wie auch im video zur single 'i love my harbour', schwer zu erkennen im dunkel und gleichzeitig durch ihre kleidung entrückt wirkend. das publikum wartet gespannt auf die erste gesangseinlage. glockenklar hallt eine stimme durch den raum, fügt sich in das klangbild ein, bereichert es, aber zieht nicht die gesamte aufmerksamkeit ab vom werk ihres bruders. viele songs sind umarrangiert, der klang beatorientierter, und während der instrumentalen parts kommt man sich von zeit zu zeit so vor, als ob man einem dj-set beiwohne und nicht einem konzert. anstelle die drumloops nur abzuspielen, wird die komposition live am computer gemacht, philipp milner dreht an allerhand technischem gerät herum und manipuliert die klänge. während das publikum zu gebannt ist, um zu tanzen, lässt sich eva milner diese freude nicht nehmen und lächelt abwesend in sich hinein, zufrieden dem takt gehorchend. plötzlich drischt eine verzerrte bassdrum auf das publikum ein, rhythmisch zu den schlägen leuchtet stroboskoplicht von der bühne. im nächsten stück glimmen hinter der bühne platzierte neonröhren im takt. zu einer reinen klavier- und gesangsballade werden baumwipfel hinter die protagonisten projiziert, verwaschen und nur angedeutet. während eines stückes verlässt eva milner sogar den schauplatz, um sich von einem projektor von hinter der bühne auf den bühnenvorhang werfen zu lassen. wie schon erwähnt, die musik ist entrückt, genauso wie die, die sie schaffen, und berührt in ihrer geheimnisvollen intimität mit kunstvollem arrangement und emotion zugleich.

25.05.2010 // jakob
 

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