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spex live12.05.2010 // Berlin – berghain

feiertage sind zum feiern da. wahlweise auch schon die tage, die genau an diese angrenzen. ob es glück oder zufall war, dass die neuerliche ausgabe von "spex live" sich eben auf so günstige weise in den kalender schmuggelte, ist unbekannt, aber dafür tummelten sich auf dem bombastischen line-up allerhand bekannte gesichter. ort des geschehens war wie im vorjahr das imposante und berüchtigte berliner berghain, von dessen geschichte als ehemaliges heizkraftwerk wenig zu spüren ist, abgesehen von der raumtemperatur, die mit fortschreitender stunde unaufhörlich ansteigt und einem den schweiss ins gesicht treibt. wäre die location nicht veranstaltungsort eines grandiosen konzertabends, so würde man angesichts der vielen dunklen ecken und großzügigen räumlichkeiten abschweifen und auf endlose entdeckungstour gehen. so wurde man jedoch immer pünktlich zum jeweiligen showbeginn vor die bühne oder die dj-pults gezogen.

wer früh genug antanzte, der konnte auf einem der drei floors max dax höchstpersönlich dabei zusehen, wie er gewissenhaft einen song nach dem anderen auflegte. kein konzert ohne abweichungen oder verzögerungen und so fielen am besagten abend leider die villagers aus, wurden aber durch norman palm ersetzt, der die noch sehr überschaubare zuschaueranzahl mit seiner akustik-gitarre und einer weiteren begleitung am keyboard beherzt und poppig auf den folgenden abend einstimmte. high places aus los angeles machten sich anschließend ebenso im doppelpack auf die bühne für sich einzunehmen und das angewachsene publikum und dessen noch etwas steife beimmuskulatur in schwung zu bekommen. in der mitte der bühne zusammengedrängt und etwas schüchtern dreinblickend zauberten mary pearson und robert barber dann ohne klangliche scheu einen song nach dem anderen aus ihren hübsch verzierten gitarren. überhaupt müssen die darauf abgestimmten outfits der beiden erwähnung finden. was die show musikalisch für's ohr war, wurde auf optischer ebene ebenso ansprechend wieder aufgegriffen. auch wenn das bild hier und da durch kleine soundprobleme gestört wurde, tat das der stimmung keinen abbruch.

je später der abend, umso mehr wumms und umso elektronischer wurde das geschehen auf der bühne und als es an der zeit war die bühne für robyn freizugeben, passten allerhöchstens noch streichhölzer zwischen die körper der feierlustigen menge. auf dem boden herrschte hochbetrieb, nur die 18 meter hohe clubdecke versprach genügend freiraum für die in die höhe gestreckten arme, die robyn mit tosendem applaus empfingen. "sweden's pint-sized atom bomb" machte ihrem namen alle ehre und explodierte förmlich mit jeder sekunde ihres sets erneut. eine kettenreaktion, die sich durch das gesamte konzert ziehen sollte und nicht nur klanglich, sondern mindestens ebenso beeindruckend war, was ihre motorischen fähigkeiten anging. robyn hatte sich in einen knappen grauen wollfummel geschmissen, der viel haut freigab, aber das schwedische energiebündel keineswegs einzuschränken schien. es gab kaum einen beat, der nicht danach rief von ihr mit vollstem körperlichen einsatz nachgetanzt zu werden und so ließ robyn ungehemmt und mit sichtlich spaß die hüften kreisen, machte jedem turnverein gnadenlos konkurrenz und schüttelte ihre blondes, wildes haar so sehr, dass es bereits nach minuten in alle richtungen abstand.

mit einem von drei geplanten mini-alben fast zur veröffentlichung bereit, bot ihr auftritt die passende möglichkeit gleich eine ganze reihe von neuen songs zu präsentieren. beginnend mit "fembot", das die sehr textsichere fangemeinde ohne sich zu verhaspeln unterstützend und aus voller kehle mitsang, eröffnete robyn ihren auftritt, der noch fünf weitere neue songs des kommenden "body talk pt. 1" beinhalten sollte. gestalten sich die danach erscheinenden pt.2 und pt.3 alben auch nur halb so mitreissend, muss man sich bezüglich ausgelassener tanzmomente und fetter beats absolut keine sorgen machen. "dancing on my own", die erste single, bratzte trotz des leicht betrübten textes ohne mit der wimper zu zucken aus den lautsprechern, während die bässe von "none of dem" unweigerlich dazu führten, dass niemand im raum mehr stillstand. die dominanz der neuen songs bedeutete in diesem fall nicht, dass vom publikum eine verhaltene reaktion zu erwarten war. im gegenteil, denn es wurde ebenso beschwingt gefeiert wie bei älteren stücken wie "cobrastyle", einer sehr beatlastigen version von "be mine" oder "konichiwa bitches". das fulminante ende wurde dann mit "with every heartbeat" besiegelt, aber hätte gut und gerne noch ein paar runden weitergehen können.

auch der letzte live act des abends, elektro guzzi, berauschte das publikum, wenn auch in verhaltenerer form, und hielt dieses in ständiger bewegung bevor die zahlreichen dj sets in der panoramabar oder im lab.oratory die oberhand gewannen und bis in die frühen morgenstunden viele gründe lieferten sich nicht in die federn zu legen, sondern die nacht zum tag werden zu lassen. im berghain ist das sowieso noch nie ein problem gewesen, bietet es doch jedes mal wieder auf's neue gelegenheiten das wort schlaf zumindest für eine weile aus dem wortschatz zu verbannen. "spex live" hat auch dieses jahr wieder einmal hochkarätige bands und dj's an land gezogen, nach deren hörgenuss man sich bereits auf das nächste jahr freut, wenn hoffentlich ein weiteres mal die türen zum berghain spät aufgehen und am besten bis weit nach morgengrauen nicht schließen.

12.05.2010 // annett
 

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