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Helgi Hrafn Jónsson12.03.2010 // Erlangen - E-Werk

Obwohl die erste Künstlerin, die bei „insular“, der neuen Konzertreihe im E-Werk, die ab sofort in schöner Regelmäßigkeit Popmusik aus Island nach Erlangen bringt, eine Dänin ist, wird der Abend doch standesgemäß von einem Sohn des Inselstaates im Nordatlantik eröffnet. Helgi Hrafn Jónsson lässt es sich nämlich nicht nehmen, seine Freundin Marie Fisker, die ihn auf dieser Tour begleitet, höchstpersönlich als „weibliche Antwort auf Nick Cave“ anzukündigen.

Marie Fisker, eine sympathische, zierliche Frau aus Kopenhagen, stellt dann allerdings auch gleich klar, dass sie den Vergleich mit Nick Cave für etwas überzogen hält – und außerdem: Schnurrbart hat sie ja auch keinen. Dafür allerdings viele sehr überzeugende Songs (hauptsächlich von ihrem hierzulande nur digital erhältlichen Debüt-Album „Ghost Of Love“), die tatsächlich das ein oder andere Mal an den großen Australier erinnern. Zu sehr in Melancholie suhlt sich Marie Fisker allerdings zu keinem Zeitpunkt, sondern schafft stets den Spagat zwischen düsteren, manchmal noisigen Elementen und sonnigeren, stärker von Pop und Americana geprägten Passagen. Spätestens nach dem großartigen Johnny Cash-Cover „Cry, Cry, Cry“, mit dem Marie Fisker ihr Set beendet, ist jedenfalls klar, dass die junge Dänin eine echte Entdeckung ist, von der man hoffentlich demnächst etwas mehr zu hören bekommt.

Als Helgi Hrafn Jónsson gegen 22.15 Uhr zum zweiten Mal die Bühne betritt, bleibt er ein wenig länger. Bewaffnet mit einem Umhängekeyboard meldet der Schlaks aus Reykjavik gleich einmal höchste Ansprüche an: „I am God, please accept me“, heißt es schon im ersten Song. Ob das Erlanger Publikum den Isländer nun wirklich als Gott akzeptiert, darf mehr als bezweifelt werden, aber immerhin kann er sich während seines Konzerts über ungeteilte Aufmerksamkeit freuen. Im gut besuchten, bestuhlten E-Werk ist es während der auf Englisch und Isländisch vorgetragenen Songs mucksmäuschenstill; während der Ansagen zwischen den Stücken – vorzugsweise auf Wienerisch mit leichtem skandinavischen Akzent vorgetragen – blickt man dagegen in fröhliche, lächelnde Gesichter. Es ist einfach schlichtweg unmöglich, sich dem Charme von Helgi Hrafn Jónsson zu entziehen. Hier wird eine schnellere Nummer mit einem vorwarnenden „Schnallts euch an!“ angekündigt, dort hadert er mit seiner eigenen Verwirrtheit: „Machmal denke ich mir, Helgi, irgendwas stimmt nicht mit dir, Oida.“ So präsent und liebenswert ist der Isländer, dass die Songs gelegentlich fast ein wenig in den Hintergrund treten. Dabei sind die melancholischen, meist spärlich instrumentierten, von Helgi Hrafn Jónssons hoher Stimme getragenen Stücke doch mindestens äußerst bemerkenswert, wenn nicht – wie im Falle von „Dry Run“, „AM Radio Singnal“ oder „Digging Up A Tree“ – sogar herausragend gut.

Die Messlatte für die zukünftigen „insular“-Konzerte liegt nach diesem sehr gelungenen Auftakt ziemlich hoch. Im April ist es an Benni Hemm Hemm, die hohen Erwartungen, die der Abend mit Helgi Hrafn Jónsson und Marie Fisker geweckt hat, einzulösen.

weitere infos: www.myspace.com/helgijonsson

christoph
 

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