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Shearwater28.02.2010 // Berlin - Magnet

Was folgt, ist eine Enttäuschung.

Shearwater, ursprünglich von den beiden Okkervil River-Mitgliedern Will Sheff, der inzwischen nicht mehr dabei ist und Jonathan Meiburg gegründet um leisere Stücke aufzunehmen, sind neun Jahre später weit von diesem Plan abgerückt. Es zeigte sich in einer Entwicklung, dass die Stücke, in denen gegen ein dramatisches Unheil mit dem geschrienen Gesang Meiburgs angekämpft wird, zunehmen, leider aber wirkt es wie eine Farce, wenn schlichtweg nichts Anderes mehr unternommen wird, als solche intensiven und impulsiven Höhepunkte aneinander zu reihen.

Auf dem Album Palo Santo wurde 2006 den ausdrucksstarken Stücken noch ihr Raum eingeräumt und „Every Hook, Every Eye“ sowie „Seventy-Four, Seventy-Five“ wirkten gerade dadurch lautstark noch nach, dass sie in ein Gesamtwerk aus zum Teil ganz fragilen, zauberhaften Stücken verwoben wurden. Ähnlich funktioniert es auch zwei Jahre später noch, auch wenn der Anteil dieser geliebten, weil intensiven und expressiven Stücke wesentlich zugenommen hat. „Rooks“, „Leviathan, Bound“ und „The Snow Leopard“ setzen sich aber trotzdem noch ganz spürbar ab, sind eine mächtige Geste der Abwehr im ansonsten eher melancholischen Weltbild, das die Texaner kreierten. Nun, wiederum zwei Jahre später ist von Abwehr auf dem Album nur noch wenig erhalten, auf dem Konzert im Berliner Magnet gar nichts mehr zu erkennen. Indem sich Shearwater dafür entschieden, auf Ruhe überhaupt und ihre Zerbrechlichkeit zu verzichten wird das Geschrei Meiburgs zur Einheitsbrüllerei. Darüber hinaus scheinen die neuen Lieder einen wesentlich von früheren Stücken unterschiedenen Entstehungsprozess zu besitzen. Zumindest entstand bei jedem der genannten früheren enthusiastischen Stücke an diesem Abend der Eindruck viel größerer Energie, die sich im Zusammenspiel der fünf Musiker aufgebaut hat, als es überhaupt möglich gewesen wäre, sie bei einem der neueren Stücke zu erzeugen.

Und trotzdem, wer Shearwater an diesem Abend das erste Mal gesehen hat, wird trotzdem seine Freude am Charme des witzig-niedlichen Schlagzeugers Thor Harris gehabt haben, der hinter seiner einem Bären ähnelnden Fassade ein zärtliches Glocken spielendes Wesen verbirgt, dessen Aufdeckung auf jedem der Konzerte den Besuchern Entzückung entlockt; und man wird dann auch staunen und sich wundern, ob Kontrabassistin Kimberly Burke nicht doch noch einmal eine Miene verziehen wird, und vielleicht täuscht das dann auch über den gelangweilt-uninspirierten Eindruck hinweg, der bleibt, wenn man sieht, dass sich Thor Harris jedes Mal auf die gleiche Weise gebärdet, ja, sogar die Vorstellung der Bandmitglieder das absolut gleiche umständliche Prozedere ist, wie schon zwei Jahren zuvor und Kimberly Burke außerdem auch wirklich nicht aufhören wird zu lächeln, fast so, als hätte sie jegliche Melancholie irgendwann einmal für immer abgelegt, fast so als wäre ihr Gesicht in der Unbalanciertheit der Stimmung und Eindimensionalität des Ausdrucks das perfekte Bild um Shearwater – leider – für diesen Abend zu beschreiben.

weitere infos: www.myspace.com/shearwater

sven
 

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