the drums27.02.2010 // berlin – lido
Die Uhr schlägt zwölf Uhr nachts, die Lichter gehen im Lido aus, The Drums aus New York betreten die Bühne vor ausverkauften Haus und stellen sich den neugierigen Gesichtern. Auch zu so später Stunde ist nicht das leiseste Anzeichen von Müdigkeit zu sehen. Die Zuschauer wollen endlich zur Musik zappeln, die vier Akteure auf der Bühne sind bemüht ihnen genau den Anlass dafür zu geben. Gerade einen Tag vor ihrem Besuch in der Hauptstadt ist ihre erste EP erschienen und schon reissen sich die Menschen um Karten, um beim Live Debüt auf deutschem Boden dabei zu sein. Trotz des Rummels um die adretten New Yorker sind es ausnahmsweise mal nicht Scharen von Mädchen, die die Reihen füllen, sondern viele Herren, die besonders nahe der Bühne auf das kommende Musikschauspiel warten.
Ein herzlicher Applaus heisst die Band willkommen und gleich zu Beginn der Show wird ganz schnell deutlich, dass Stillstehen an diesem Samstag Abend nicht geduldet wird. Besonders nicht auf der Bühne, denn die Band wirft sich geradezu mit vollem Elan in ihre eigenen Songs. Tanzen, tanzen, tanzen lautet das Motto, das sich konsequent durch den Abend ziehen wird. Keine waghalsige Bewegung wird ausgelassen, unfreiwillige Berührungsängste mit den Instrumenten oder den Bandkollegen gibt es nicht und beinahe Zusammenstöße werden in Kauf genommen. Man möchte die Band fast in "The Dancers" umtaufen, so viel Beweglichkeit wird einem demonstriert. Jonathan Pierce bewahrt derweil stets Haltung, begleitet seinen Gesang mit zackigen Tanzeinlagen und kommt dabei ordentlich ins Schwitzen, wobei am liebsten jedes Wort mit ausladenden Handbewegungen visualisiert und in die Luft gemalt wird. Obwohl so viel Spaß in der Luft liegt, zeugen die Mienen der Bandmitglieder leider des öfteren von Langeweile und Gleichgültigkeit, dennoch wird sich höflich beim Publikum bedankt. Die Fans scheint es nicht zu stören und sie feiern die Band, in dem sie ausgelassen und freudig einen Song nach dem anderen durchtanzen.
Der erste Live Eindruck schwankt zwischen großem Unterhaltungswert und der Tatsache, dass so mancher Song der EP nicht ganz so schmissig und locker daher kam, wie auf dem Plattenteller. Daran änderte auch das inszenierte Aerobic-Programm auf der Bühne nicht viel. Auch stimmlich wirkte es mitunter, als ob die physische Belastung ihre Spuren hinterließ. Dennoch bewieß die Band von der ersten bis zur letzten Minute Entertainer-Qualitäten und gönnte der Zuschauerschar nur ganz vereinzelte Ruhephasen. Das spritzige "Let's Go Surfing" oder das temporeiche "Saddest Summer" bündelten die Energie im Raum in Bestform und mobilisierten alle Anwesenden. Auch Mitpfeif-Garanten wie "Make You Mine" durften nicht fehlen und sanftere Töne wie in "Don't Be A Jerk, Johnny" oder die erste Zugabe des Abends "Down By The Water" brachten mit Sicherheit die eine oder andere Person zum Schmachten. Viel von dem neuen, noch unveröffentlichten Material, welches das Set abrundete, knüpfte nahtlos an die meist sehr melodiöse und ins Ohr gehenden Gitarrenarbeit an, die bereits auf der EP zum Ausdruck kommt. Am Wochenende haben es The Drums geschafft mit ihrer unbeschwerten und sonnigen Musik das Thermometer auf gefühlte 25 Grad zu heben und uns daran zu erinnern, dass mit dem richtigen Schwung im Kniegelenk selbst thematisierte Beziehungsprobleme nicht mehr so drastisch erscheinen wie vorher und für Unterhaltung sorgen können.





















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