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Cats in Paris11.02.2010 // Berlin – Nbi

Wahrscheinlich macht Michael Watson es genau richtig. Der Kopf will sich nicht nur alleine zwischen den Schatten der Melancholie bewegen und in verzerrten Traumbildern wiederfinden; der Körper nicht nur muskelzuckend und von der Schnelligkeit der Töne ergriffen vor Trashleinwänden tanzen. So konnte man an diesem Abend sehen, wie zwei musikalisch wie gedanklich recht weit voneinander entfernte Konzepte von diesem Herren umgesetzt wurden als Sänger der reichlich ausgeflippten Cats in Paris und als Solokünstler unter dem Namen Sparkles.

Ein verzögertes Paar tanzt Walzer, zwei Boxer schlagen sich ohne Handschuhe die Sepiaköpfe ein, dann wieder legt sich ein Knäuel aus wirren Strichen über die Videoleinwand hinter den vor seinen Verzerr- und Loopgeräten Niederknieenden, hinter seinem Geigenspiel und hinter seinem Gesang, der albtraumhaft flüsternd in jeden David Lynch-Film passte. Die Stimmung ist klar wie die Violinenfläche, die sich mit ihren höchsten Tönen von der Mitte der Bühne ausbreitet. Ein zugefrorener See könnte von ihr beschrieben werden, dann wäre der Rest des Liedes die Beschreibung eines auf ihm Einbrechenden. Der Bericht eines Depressiven.

Wesentlich euphorischer und zu Unfug bereit zeigt sich die Musik nach der Pause. Zwei weitere Herren aus Manchester bedienen nun Schlagzeug und Bass, Michael Watson hat sich von seinen Stimmeffekten verabschiedet. Licht wurde angemacht und jedes Lied wird irgendwem oder -etwas gewidmet, Daniel Radcliffe und Walen, während pinke Katzen hypnotisierend sich im Kreis drehen. Nur die Leinwand ist die gleiche geblieben eigentlich, denkt man, bei jeder weiteren Verrücktheit lächelnd, das rechte Bein im sich ständig ändernden Takt schaukeln lassend. Laut und halsbrecherisch agieren nämlich nun die übereinander geschichteten Keyboardloops mit der turbulent und weitgestreiften Geige. Ein erheiternd hohes Krächzen oder Schreien singt dazu von der „Queen of the whole northwest“ und Sumpfschildkröten. Es macht Freude zuzusehen, es ist angenehm festzustellen, dass das Leben nicht nur traurig und nicht nur lustig ist.

11.02.2010 // sven
 

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