Chris Garneau01.12.2009 // berlin – nbi
Ein letztes Mal noch durchwühle ich meine Haare, nicht unschlüssig, wie es weitergehen wird, aber in gewisser Weise doch gelangweilt das zu ahnende Ende in seiner Anbahnung über eine Stunde des Konzertes zu ertragen. Es ist nicht selbstverständlich, dass das Publikum klatscht, aber solange ich meine Lieder nur spiele, ist es das doch. Wenn die Erwartung so einfach zu erfüllen ist, fast, als müsste ich nur da sein, findet sie dann nicht weit jenseits meiner Anstrengung statt? Ich würde mich verstecken, mich noch kleiner machen, wenn es nur ginge, noch durchwühle ich meine Haare; Klaviertasten müssen gedrückt werden, in welcher Geschwindigkeit, das spielt kaum eine Rolle, sobald meine Geschwindigkeit sich von der meiner Zuschauer erst einmal unterscheidet. Einen weiteren Schluck Whiskey. Eine kleine Höhle nur, zum Zurückziehen, um nicht beobachtet werden, von den Spiegelaugen.
It's amazing that you are here, thank you so much, thanking you twice, thanking you a third time.
Chris Garneau hämmert und tänzelt mit seinen Fingern auf dem kleinen brüchigen Klavier. Ein kindliches „You're not nice“ wird bei ihm zur schlimmen Anklage, seine Augen blinzeln oder starren, dann sind sie lange wieder verschlossen, weil sie sich verschließen wollen. Noch einen Schluck Whiskey und noch eine Entschleunigung in den kurzen Stücken, bei denen er sich an diesem Abend von einer Cellistin begleiten lässt. Das Publikum sitzt auf dem ein wenig dreckigen NBI-Boden, schaut in eine dreckige Seele, auf ein stark pochendes Herz. Noch ein Lied mehr, noch einen Schmerz mehr.
Ein Kommentar
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hau rrruck am 17.12.2009 um 00:39 UHR
das mit dem starren kann ich sehr gut nachvollziehen.
ich finde deinen text zum konzert sehr gut. weil sprachlich so präzise.