Royal Bangs
25.11.2009 · Nürnberg | MUZ-Club
In der Flut von hörenswerten neuen Bands aus Skandinavien sind Bored Man Overboard trotz ihres auffällig großartigen Namens bisher ein wenig untergegangen. Womöglich liegt das auch daran, dass die sieben noch sehr jungen Musiker aus Stockholm nicht unbedingt so klingen, wie man es gemeinhin von einer Band aus dem hohen Norden erwarten würde. Wer nichts von der Herkunft von Bored Man Overboard weiß, würde das Septett höchstwahrscheinlich irgendwo in den USA verorten. In Portland, Oregon vielleicht oder eventuell sogar in Omaha, Nebraska. Die Parallelen zu diversen Saddle-Creek-Bands von Bright Eyes bis hin zu Cursive sowie anderen US-Lieblingen wie Okkervil River und Midlake sind nämlich kaum zu überhören. "Unberechenbar" ist dabei das eine Wort, das einem während des Konzerts immer wieder durch den Kopf geht. Mitten in sphärische, von Trompete und Violine getragene Soundlandschaften brechen wie aus dem Nichts erstaunlich lärmige Passagen, völlig unerwartet schließen sich an folkige Melodien fast schon hymnische, mehrstimmige Refrains an, die entfernt an den jungen Bruce Springsteen mit viel Wut im Bauch erinnern, und “Sinner Song” (der Titelsong der neuen, dritten EP der Band), das letzte und beste Stück des Sets, endet völlig abrupt. Das zweite Wort, das einem nach dem Auftritt von Bored Man Overboard durch den Kopf geistert, ist “großartig”.
Royal Bangs, wohl die Band der Stunde schlechthin, beherzigen im Anschluss eine alte Konzertregel, die besagt, dass schon das erste Stück eines Auftritts ordentlich krachen muss, um sich so die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums zu sichern. Deswegen legen die Amerikaner nach einem scheuen “Hi, we are Royal Bangs” mit dem überragenden “Poison Control” gleich einmal ein ordentliches Pfund vor. Frontmann Ryan Schaefer springt ständig wie aufgezogen zwischen Mikrofon und seinen fiependen Keyboards hin und her und sieht dementsprechend früh sehr abgekämpft aus. Für den nicht minder energiegeladenen Henry Gibson wird die kleine Bühne des MUZ-Clubs schon nach zwei Minuten zu eng, weshalb er seinen Bass wegstellt, sich ein Tamburin schnappt und eine Runde durchs Publikum dreht, wobei er die zahlreichen Zuschauer als Slalomstangen benutzt. Eine Minute später ist er rechtzeitig zum Finale des Songs wieder bei seinen Kollegen. Nach diesem perfekten Auftakt hauen Royal Bangs dann mit “My Car Is Haunted” gleich noch einen der großen Hits ihres aktuellen Albums “Let It Beep” raus. Live klingt das sogar noch wesentlich druckvoller und zwingender als auf der Platte, was vor allem am wahnsinnig drängenden Schlagzeugspiel von Chris Rusk liegt. Mit “War Bells” folgt ein weiteres Highlight früh im Set und spätestens danach befindet sich das Publikum in einem Zustand zwischen Begeisterung und Ekstase. Dabei fällt es gar nicht mehr wirklich auf, dass nicht alle Stücke des Quintetts aus Knoxville so großartig wie “Poison Control”, “My Car Is Haunted” und Co. sind. Was manchmal an Ideen fehlt, wird einfach mit einer Extraportion Einsatz und Leidenschaft mehr als wettgemacht. Viele andere in Blogs gehypte Bands halten live nicht das, was sie von Konserve versprechen. Bei Royal Bangs ist das anders. Die sind wirklich so gut. Ein Wahnsinn!
weitere infos zum künstler: www.myspace.com/royalbangs
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