Scott Matthew21.09.2009 // Nürnberg – K4
Es ist viel los in Nürnberg an diesem Abend. Vor den großen Kinos der Innenstadt drängen sich Trauben von Teenagern, Menschen in Business-Outfits genießen einen der letzten Spätsommertage in den teuren Cocktail-Bars und das Altstadtfest lockt mit Karussells, Zuckrigem und Schlagermusik, die ein mäßig talentierter Alleinunterhalter auf dem Hauptmarkt zum Besten gibt. Trotz aller Alternativen haben knapp 200 Zuschauer den Weg in den proppenvollen, diesmal bestuhlten Festsaal des K4 gefunden.
Es herrscht eine schummrig-schöne Atmosphäre zwischen Wohnzimmer und Off-Broadway-Theater, Vögel aus Papier hängen an Wäscheleinen von der Decke und Karo, die den Abend eröffnet, wirkt auf der großen, mit den Instrumenten von Scott Matthew voll gestellten Bühne fast ein wenig verloren. Nichtsdestotrotz liefert die junge Würzburgerin einmal mehr einen beeindruckend guten Auftritt ab. Ihre sympathischen Ansagen zwischen den Songs erreichen mittlerweile einen hohen Wert auf der nach oben offenen Bernd-Begemann-Skala und stehen damit in einem krassen Gegensatz zu den herzzerreißend traurigen Liedern, die Karo da singt. Das Publikum lauscht ergriffen und dankt am Ende mit großem Applaus.
Fast noch melancholischer als bei Karo geht es danach bei Scott Matthew zu. Der bärtige, etwas unbeholfen wirkende Schlacks aus Brooklyn hat zwischen zwei Konzerten in der Schweiz den Umweg nach Nürnberg auf sich genommen und macht seinem Ruf als größter Trauerkloß der Popwelt neben Antony Hegarty alle Ehre. Der geborene Entertainer ist der scheue, aus Australien stammende Scott Matthew zwar nicht, aber wenn er da an seinem Flügel sitzt, sein Innerstes nach Außen kehrt und fleht und zetert, jagt es einem wohlige Schauer über den Rücken. Andere stehen auf der Bühne, weil sie nach Ruhm und Bewunderung gieren, Scott Matthew steht da, weil er nicht anders kann. Als der Mann aus Brooklyn das begeisterte Publikum schließlich in die Nacht entlässt, ist in Nürnberg nicht mehr so viel los. Die Plätze vor den Kinos sind leer, die Geschäftsleute sind längst nach Hause gegangen und die Lichter der Karussells sind erloschen. Die Stadt ist ruhiger, gelassener und - sicher auch dank Scott Matthew und Karo - ein wenig schöner als noch ein paar Stunden zuvor.





















Kommentare müssen nach dem Absenden per E-Mail bestätigt und aktiviert werden. Achtet daher bitte auf die korrekte E-Mail-Adresse. Kommentare die in der Vergangenheit schon einmal aktiviert wurden, werden sofort veröffentlicht.