muse
07.09.2009 · berlin | Admiralspalast

die hauptstadtkinder haben wieder die nase vorn. muse stehen kurz davor ihr neues album "the resistance" auf den markt zu werfen und wohin zieht es die herren aus dem englischen teignmouth, um ordentlich die werbetrommel dafür zu rühren? nach berlin natürlich. nachdem die band bereits zum anfang ihrer karriere mindestens zwei mal im jahr die stadt beehrte, durfte schon bei ankündigung eines exklusiven konzerts gemunkelt werden, dass dieses in berlin stattfinden würde. bevor sie im herbst aber die unendlich großen arenen in ganz deutschland füllen werden, konnte man sich am montag abend auf eine viel intimere show im admiralspalast freuen. dass die karten für das konzert bereits nach wenigen minuten ausverkauft waren, verwunderte ebenso wenig wie die tatsache, dass muse sich auch bei dem als promo gig angesetzen live spektakel nicht lumpen lassen würden, was die länge oder die gewählte setlist anging.

als das erwartungsvolle publikum sich endlich vollzählig im großen saal des admiralspalastes eingefunden hatte, die roten sitze auf den rängen belegt und die zuschauer im stehplatzraum auch von einem fuß auf den anderen trippelten, ging das licht des imposanten kronleuchters an der decke aus, die goldenen verzierungen an den wänden wurden in dunkelheit getaucht und man hätte sich fast einen vorhang für das nun kommende spektakel gewünscht. eben wie im theater so üblich. zumindest an dramatik fehlte es der show nicht im geringsten. muse, die nun teilweise zusammen mit einem vierten mann auf der bühne agierten, zeigten sich bei den neuen sowie älteren stücken gewohnt enthusiastisch an den instrumenten und matthew bellamy dehnte seine stimmbänder gerne im einklang mit ihnen. nach dem obglitatorischen begrüßungsapplaus wurden die freudig aufgespannten ohren gleich mit einem neuen song und gleichzeitig der ersten single-auskopplung "uprising" beglückt. trotz massiv schwingender bass-saiten und einigen begeisterten gesichtern fiel die reaktion des publikums aber zunächst recht verhalten aus. erst bei "supermassive black hole", das wie erwartet gnadenlos und mit vollgas in den zuschauerraum bretterte, schienen die fans in die aufwärmphase zu kommen. generell wurde bekannteres material und vor allem singles wie "hysteria", "new born" oder "time is running out" frenetisch gefeiert. dass so manche herrschaften auf den rängen es aber vorzogen doch lieber bequem auf ihren sitzen zu kleben und sich nicht zu bewegen, konnte die stimmung dennoch nicht trüben.

während muse shows in den letzten jahren doch sehr stark dazu tendierten ordentlich für unterhaltung zu sorgen und dabei ebenso wenig der einsatz von pyrotechnik, immensen leinwänden oder überdimensionalen luftballons gescheut wurde, bekam man im admiralpalast eine sehr abgespeckte variante davon zu gesicht und fühlte sich schon fast ein wenig an die anfangstage der band zurück erinnert, wo die konzerte auch ohne hilfsmittel überzeugten. mal ehrlich, wenn muse live loslegen, dann erzeugen sie so viel druck und setzen energien frei, wer braucht da noch großartig showeinlagen drum herum? auch der kleine rahmen, in dem das konzert stattfand, trug dazu bei, dass man sich teilweise schon fast angenehm vom sound überrollt fühlte. mit insgesamt gleich fünf brandneuen songs im set bekam man erstmals einen kleinen vorgeschmack auf das neue album und der präsentierte sich facettenreich, aber dennoch muse typisch zugleich. während "united states of eurasia" mit schönem piano-intro, aber stark an queen erinnernden passagen aufwartete, bestach vor allem das ungemein groovende und mit streichern versehende "undisclosed desires" an diesem abend.

sichtlich erfreut wieder in berlin zu sein, kommentierte matthew das auftreten vor dem berliner und zugereistem publikum sogar auf deutsch und selbst dominic schnappte sich gleich mehrmals das mikro hinter den drums und sprach den fans seinen dank aus. besonders hörenswert gestaltete sich die piano-version von "cave", der sogleich das gershon kingsley cover "popcorn" folgte. nachdem der saal bei "starlight" in einen künstlichen sternenhimmel getaucht wurde und man sich etwas später in eine kleine pause verabschiedete, dauerte es nicht lange bis muse das zugaben bonbon aus und die fans endgültig um den finger wickelten. die ansage war eindeutig, denn mit dem davon preschenden "plug in baby" oder "knights of cydonia" durfte sich nochmal anständig verausgabt werden. wer dabei unbedingt lieber das wilde geschehen filmen musste, anstatt sich mal selbst zu bewegen, war selbst schuld. dass der admiralspalast sogar mal crowdsurfer unter seinem dach begrüßen durfte und mit abstand das wohl lauteste konzert seiner geschichte veranstaltet hat, ja wer hätte sich das träumen lassen? der putz klebt nach der fulminanten sause zum glück noch an der decke, aber vielleicht ist der letzte rauch der riesigen wind-kanonen, die sich bei schlussakkord von "knights of cydonia" in himmelsrichtung entluden noch nicht ganz verpufft. es hätte auch verwundert, wenn muse sich so ganz ohne tamtam verabschiedet hätten, wobei das konzert auch ohne diesen abschluss nicht minder sehenswert oder mitreissend gewesen wäre. man kann sich zu diesem zeitpunkt nur dezent ausmalen, was sie bei der richtigen tour im herbst noch so alles für uns bereithalten werden.

weitere infos zum künstler: www.muse.mu

Kommentare

 

schade dass österreich nicht besucht wird :(

 
guggi · 23.09.2009

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