Billie The Vision & The Dancers und Cortney Tidwell
19.05.2009 · Nürnberg | MUZ-Club

Eine Frage bleibt auch am Ende dieses Abends weiter offen: Wer sind eigentlich Pablo und Lily, die in beinahe jedem zweiten Lied der schwedischen Power-Popper Billie The Vision & The Dancers vorkommen? Zwei junge Damen im Publikum haben sich die Frage sogar mit Edding auf T-Shirts geschrieben, aber auch dieser Einsatz wird nicht wirklich belohnt. Mehr als ein ausweichendes „Pablo and Lily are characters in our songs, but who they really are is a secret“ ist nicht herauszukriegen aus dem exzentrischen Sänger Lars Lindquist, der in Minirock und Träger-Top eine wirklich gute Figur macht. Aber egal – man kann die Songs des Septetts aus Malmö auch so genießen und Billie The Vision & The Dancers machen es einem mit ihrem unverschämt eingängigen und mitreißenden Folk-Pop auch wirklich denkbar leicht, sie zu lieben. Der Schwerpunkt des knapp einstündigen Sets liegt dabei auf Songs von den beiden Alben „The World According To Pablo“ (2005) und „Where The Ocean Meets My Hand“ (2007), während von der aktuellen – etwas schwächeren Platte – „I Used To Wander These Streets“ nur wenige Stücke wie etwa das wunderbar traurige „I Miss You“ zum Einsatz kommen. Auch wenn die wahre Identität von Pablo und Lily wohl für immer ungeklärt bleiben wird, nimmt man am Ende doch einiges mit: Billie The Vision & The Dancers sind eine phantastische Live-Band, überaus angenehme und sympathische Zeitgenossen und in „Vamos a Besarnos“ versteckt sich mit „Come kiss me and hug me / Come kiss me again / Come close and embrace me“ eine der wohl schönsten Refrainzeilen überhaupt.

Nach dem wirklich grandiosen Auftritt der Schweden ist dann beim Verfasser dieser Zeilen – und wohl auch bei vielen weiteren Zuschauern – ein wenig die Luft raus und es fällt schwer, sich noch auf Cortney Tidwell zu konzentrieren. Schade eigentlich, denn die Amerikanerin und ihre drei Mitmusiker liefern eine ziemlich beeindruckende und musikalisch anspruchsvolle Show ab. Cortney Tidwell stammt aus Nashville in Tennessee und wuchs dort in einer Familie auf, in der sich alles um Country-Music drehte. Wirklich an Country erinnert bei ihr allerdings kaum etwas, da ihre Welt eher der klug arrangierte Elektro-Pop ist, der von minimalistischem Gepluckere bis hin zu krachigem, fast orchestralem Big-Beat-Sound eine erstaunliche Bandbreite abdeckt. Nur manchmal greift Cortney Tidwell zur akustischen Gitarre und kündigt einen Country-Song an. Aber auch dann klingt sie eher nach Oslo oder Reykjavik als nach Nashville. Ende Juni erscheint „Boys“, das neue Album der Amerikanerin, und das Konzert im Nürnberger MUZ-Club macht definitiv Lust, es sich einmal ganz in Ruhe und ohne die noch im Kopf herumschwirrenden Ohrwürmer von Billie The Vision & The Dancers anzuhören.

weitere infos zum künstler: www.billiethevision.com

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