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Haldern Pop Tour17.04.2009 // Erlangen – E-Werk

Zum Glück ist das hier nicht das “echte” Haldern Pop, denn ein Open-Air-Konzert wäre an diesem regnerischen und kühlen Aprilabend eine echte Zumutung. Dann schon lieber ab nach drinnen und trockenen Fußes ein paar Bands lauschen, die die umtriebigen Menschen vom Niederrhein in Skandinavien für uns entdeckt und - wie sich im Verlauf des Abends erweist - damit wieder einmal voll ins Schwarze getroffen haben.

Zunächst darf die Marching Band aus Schweden die Bühne des nur gut zur Hälfte gefüllten E-Werks entern. Der Bandname lässt ein wahres Heer an Musikern erwarten, aber der gut informierte Musikfreund weiß natürlich längst, dass man es hier keineswegs mit einer Marschkapelle im traditionellen Sinne zu tun hat, sondern mit einem gut gelaunten Pop-Duo. Erik Sundberg und Jacob Lind, zwei sympathische Typen im Erdkundelehrer-Outfit bzw. mit Genesis-Shirt (!), werden live von drei weiteren Musikern unterstützt, so dass doch eine halbwegs beeindruckende Kapellen-Stärke erreicht wird. Die hohen Erwartungen, die das kürzlich erschienene, sehr hörenswerte Debüt “Spark Large” geweckt hat, erfüllt die Marching Band dann schließlich auch. Locker schütteln die fünf Herren sonnigen, melodieverliebten Sing-Along-Pop aus dem Ärmel, der mal an die Shins und mal an Friska Viljor erinnert und sich auch gelegentlicher Reminiszenzen an die guten alten 80er Jahre nicht zu schämen braucht. Großen Spaß macht die Marching Band jedenfalls allemal.

Deutlich höher ist der künstlerische Anspruch bei Wildbirds & Peacedrums. Auch bei ihnen handelt es sich um ein Duo aus Schweden, das im Gegensatz zur Marching Band auch live als ein solches auftritt. Mariam Wallentin ist dabei neben dem Gesang für diverse ausgefallene Instrumente wie Zither und Steel-Drum zuständig und ihr Ehemann Andreas Werliin verleiht mit seinem fast virtuosen Schlagzeug-Spiel den Songs den letzten Schliff. Der daraus entstehende Avantgarde-Jazz-Folk spaltet das Erlanger Publikum jedoch in zwei Lager. Während die einen das Treiben auf der Bühne begeistert verfolgen, steht anderen deutlich ins Gesicht geschrieben, dass sie mit den eigenwilligen Stücken der Band nur wenig anzufangen wissen. Großartig sind Wildbirds & Peacedrums aber trotzdem - wenn man einen Zugang zu dieser Art von Musik hat.

Hjaltalín machen es dem Publikum dann wieder leichter. Alleine Frontmann Högni Egilsson, ein bärtiger Blondschopf mit Karohemd und grünen Schuhen, entspricht schon den allerschönsten Island-Klischees in unseren Köpfen. Seine verträumte Stimme, die ein wenig an Teitur erinnert, und die mitunter ausgefallene Instrumentierung der Band (wer sonst benutzt schon ein Fagott?) unterstreichen das Märchenhafte an Hjaltalín nur noch mehr. In den Songs der Isländer verschmelzen eingängiger Pop, skandinavische Folklore und Klassik (nicht umsonst wurde ein Stück auf dem großartigen Debütalbum “Sleepdrunk Seasons” nach dem französischen Impressionisten Claude Debussy benannt) zu einer einzigartigen und mitreißenden Mischung. Zwischen großer Dramatik, der Cover-Version eines isländischen Schlagers und den zwei veritablen Gassenhauern “Traffic Music” und “Goodbye July” entstehen bei Hjaltalín immer wieder ganz großartige Momente. Erlangen ist davon begeistert und dankt der Band, die hoffentlich irgendwann mal wieder in der Gegend Halt macht, mit viel Applaus.

17.04.2009 // christoph
 

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