+/- {PLUS/MINUS}
20.01.2009 · Nürnberg | K4

Große Leistungen brauchen meist akribische Vorbereitungen. Deswegen wechselt Karl Lundin, bevor er die Bühne betritt, zunächst das Schuhwerk und befestigt ein elastisches Band an seiner Nerd-Brille, damit ihm die Sehhilfe während des Konzerts nicht unversehens vom Kopf fliegt. So ausgerüstet, kann dem Herrn, der passend zu den tagesaktuellen Ereignissen ein Obama-Shirt trägt, eigentlich nichts mehr passieren. Karl Lundin bildet zusammen mit Chris Deaner das aufregende Duo Loudest Boom Bah Yea, das laut eigener Auskunft „popmusic for two drum-kits“ spielt, dabei aber eher Electronic Beats mit ganz wenig Elektronik zaubert. Viel brauchen die beiden virtuosen Drummer dazu eigentlich gar nicht: Zwei gegenüber voneinander platzierte Schlagzeuge, ein Laptop und ein wenig Kleinkram reichen schon aus für eine wahrhaft beeindruckende, sehr unterhaltsame und einzigartige Show. Grandiose Songtitel wie „Tap Not, Lest Ye Be Tapped“, der vor jedem Stück aufs Neue lauthals skandierte Bandname und Chris Deaners eigenwillige Human-Beatbox-Qualitäten setzen nur noch weitere Akzente. „Das ist ganz weit draußen“, raunt ein übers ganze Gesicht grinsender Zuschauer irgendwann seinem Nachbarn zu. Ein treffenderes und schöneres Kompliment kann man Loudest Boom Bah Yea wohl kaum machen.

Schon eine knappe Viertelstunde nach dem Auftritt mit Loudest Boom Bah Yea sitzt Chris Deaner schon wieder hinter dem Schlagzeug und treibt die Songs von +/- {PLUS/MINUS} weit nach vorne. Anfangs herrschen bei der Band aus New York noch ein paar Abstimmungsschwierigkeiten – immerhin mussten die beiden vorangegangenen Konzerte aus Krankheitsgründen abgesagt werden – was aber letzten Endes nicht weiter ins Gewicht fällt, da James Baluyut und seine Kollegen dennoch alles bestens im Griff haben und im Vergleich zu ihren LPs noch einen Tick kraftvoller und energiegeladener agieren. Wenn die Pausen zwischen den Songs dann doch einmal etwas zu lang ausfallen, weist Karl Lundin die Band vom Merchandise-Tisch aus mit „Come on! Rooooock“-Rufen zurecht. Das scheint zu helfen, denn gegen Ende des äußerst kurzweiligen, knapp einstündigen Sets häufen sich die Glanzlichter, wenn auf „Snowblind“ das großartige „Steal The Blueprints“, „Trapped Under Ice Floes“ in einer exzellenten ausgedehnten Version und (als Auftakt der Zugabe) das nicht minder famose „Unsung“ folgen. Spätestens dann dürfte auch dem letzten Zweifler klar sein, dass er hier gerade eine ganz große Band vor sich hat.

Den Auftakt der Deutschland-Tour nach ihrer kleinen Zwangspause haben +/- {PLUS/MINUS} mehr als ordentlich gemeistert – die folgenden Konzerte bei bestem Gesundheitszustand dürften also richtig großartig werden.

weitere infos zum künstler: www.plusmin.us

Kommentare

 

I hope so!

 
ANgela · 22.01.2009
 

puuuh, und ich hab mich wirklich auf dieses konzert gefreut. aber das was die gestern hier in berlin abgeliefert haben war mit das schlechteste, was ich je gesehen hab. vielleicht lags am berliner publikum, oder dem schlechten sound, oder doch an der band (die ich eigentlich wirklich mag) oder der mix? man, ich bin enttäuscht!

 
angela · 30.01.2009
 

bist du sicher, dass du bei +/- warst, angela? ich war auch im SO36 und fand es ganz groß. zwei mal wurde die band für zugaben rausgeklatscht. das publikum war doch richtig gut drauf (vor allem für berliner verhältnisse;-). sound fand ich auch fett. das so36 hat ja schon 'ne amtlich pa und bei den bands die da sonst spielen, ist die ja auch von nöten.
was ich nicht verstehe, wenn man die band echt mag, dann kannst du dieses konzert doch nicht mies gefunden haben.hmh - ich war jedenfalls happy nach der show und hab mich noch mit 'nem hübschen +/- pig-shirt eingedeckt.

 
sim · 03.02.2009

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