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deichkind

Bei Deickind darf man mit vielem rechnen. Hinsichtlich der anstehenden Shows gaben sie uns sogar ein e-Mail-Interview.

Deichkind auf der Bühne kennt man ja nur allzu gut, aber wie darf man sich die Arbeit von Euch im Studio vorstellen? Großes Chaos oder doch eher klassische Abläufe und Ordnung?
Ich würde sagen bei uns im Studio herrscht lethargischer Ehrgeiz. Keiner hat Bock, aber wenn einer anfängt, kommt der Stein ins rollen. Das Handwerk haben wir gut drauf, wenn wir wollen, das etwas genau so und so klingt, ist das kein Zufallsprodukt mehr, sondern kann abgeliefert werden.

Nach den ersten zwei Deichkind Platten „Bitte ziehen Sie durch“ und „Noch fünf Minuten, Mutti!“ habt Ihr begonnen eine andere Richtung einzuschlagen. Habt Ihr oder waren die Grenzen des „normalen Sprechgesangs“ erreicht?
Ich würde eher sagen das Ende war erreicht. Die Band sollte eigentlich an die Wand gefahren werden. Mit dem neuen Sound und mit ein paar Parties fuck-off-mässig begraben werden. Dann ist der ganze Kahn durch die Wand durchgefahren und hat uns mitgerissen.

Apropos Grenzen. Gibt es bei Euch überhaupt Grenzen und wenn ja, wo wären diese zu verorten?
Die Frage ist schwierig: Ja, aber eigentlich auch Nein. Hmmm, vielleicht solltest du dir unseren Metall Song anhören, welcher bald als Vinyl-Single released wird. Vielleicht haben wir keine Grenzen, weil wir uns um sie keine Gedanken machen? Ist das zu einfach gedacht? Die Frage bringt mich an meine Grenzen, eyy. Aaargh!!!

Wer das Vergnügen hatte, Euch live gesehen zu haben, der wird dieses Erlebnis mindestens für eine Zeit, vielleicht sogar für immer, nicht mehr vergessen. Sei es das ekstatische Publikum oder aber die „Deichkind-Spezialeffekte“ wie „Bierdusche,“ „Wodka-Zitze“ oder „Schlauchboot,“ um nur einen Ausschnitt zu nennen. Ist Euer Hauptanliegen eine Liveshow, die bei möglichst jedem einzelnen Besucher einen langen Eindruck hinterlässt? Vielleicht sogar auf Kosten der Musik und zu Gunsten von Spektakel?
Das ganze TAMTAM hat sich über die Jahre aufgebauscht, weil wir uns immer selber Kicken müssen. Wenn der Besucher nachhaltig beeindruckt ist, ist das toll. Bei uns lässt das schnell nach. Deswegen basteln wir immer an neuen Sachen, die schnell auf die Bühne kommen müssen. Wenn wir das nicht mehr schaffen, werden wir aufhören. Auf keinen Fall wirst du uns in irgendner Autowerbung sehen, um vorne dabei zu sein. Musik und Spektakel harmonieren zusammen, wenn die Musik nicht abliefert, ist die Show auch nix wert. Stell dir ma vor einer surft im Schlauchboot und dazu zupft einer n Geigensolo. Obwohl?

Ist es nicht enttäuschend für Musiker, wenn sie nur auf die Liveshows bzw. den Entertainmentfaktor „reduziert“ werden?
Ist das so bei Deichkind? Komm, so schlecht ist unsere Musik nun auch nicht.

Wenn über Deichkind berichtet wird, werden gerne auch musikalische Vergleiche zu der Mediengruppe Telekommander gezogen. Wie steht Ihr dazu bzw. wie steht ihr generell zu solchen Vergleichen?
Ich will gerne deine Fragen alle ausführlich beantworten, aber ich muss dir sagen, dass wir uns um so was wirklich keine Gedanken machen, aber Mediengruppe Telekommander ist ne super Band und kein schnöder Vergleich.

Welche Künstler inspirieren Euch bzw. wo liegen Eure Inspirationsquellen?
Ich hör viel Blues und Krautrock (Muddy Waters, Can,Vanilla Fudge aber auch Empire of the Sunoder Slipknot bis Ravi Shankar. Was das angeht, haben wir wirklich keine Grenzen. Da sind aber alle unterschiedlich in der Band. DJ Phono liebt Depeche Mode. Bei denen regt sich bei mir Null Komma gar nix.

Gibt es aktuell ein Album, das innerhalb der Band diskutiert wird?
Wenn es ein Album gibt, das wirklich Wellen geschlagen hat bei uns, dann ist das "Prog is not a four Letter word". Gibts bei iTunes. Hammer.

Die Texte von Deichkind sucht man eher in der Schublade mit der Aufschrift „Party.“ Liegt das an Eurem Publikum, welches sich bei Euren Live-Auftritten lieber „keinen Kopf“ über große Lyrik macht und eigentlich eher auf eine ausgelassene Feier aus ist? Oder sind die Gründe ausschließlich in Eurer Musik zu finden?
Ich find gar nicht, dass das alles so partymäßig ist. Komisch wie sehr sich die Wahrnehmungen unterscheiden zwischen Bühne und Crowd. Aber mal ehrlich, wie viele Gedanken macht man sich bei Musik um die Texte? Es ist doch eher so ein Gefühl, das man hat oder? Deichkind ist so ein Gefühl. Die Leude wolln, dass was passiert. Die Leude wolln das Bass massiert. Mal sehen, was das nächste Album bringt, ist ja auch viel passiert im letzten Jahr.

25.10.2009 // thomas
 

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