fox machineInterview mit Sebastian Barusta Gäbel
Seit der Trennung von Gods of Blitz hat man lange nichts mehr von Dir gehört. Du bist nach Schweden ausgewandert und hast dort gleich die neue Band „Fox Machine“ gegründet. Erzähl mal...
Ich habe mich in Göteborg sehr bald mit Olle Hagberg, dem Pianisten der Whyte Seeds, angefreundet. Wir haben uns für eine Reihe von Abenden bei ihm zuhause getroffen und einfach Lieder gespielt und gesungen, er am Piano, ich mit einer akustischen Gitarre – es war sehr charmant. Eine totale Offenbarung. Wir haben zusammen Songs fertig komponiert, die bei beiden lange in der Pipeline gelegen hatten, und einige neue Songs geschrieben. Wir waren sofort musikalisch und persönlich d´accord. Wir tauchten immer tiefer in die Sache ein und nach ein paar Wochen war klar, daß wir eine Band gründen würden.
Ricard Harryson, der Drummer, wurde mir von einem gemeinsamen Freund vorgestellt. Er ist die Sorte Mann, die man sofort in sein Herz schließt. Der Bassist, Henke Lindén, spielte auch bei den Whyte Seeds und ist ein lieber alter Freund von Olle. Auch er ein feiner Songwriter. Es war naheliegend, ihn zu fragen. Ich war völlig begeistert von ihm. Er hat wie Ricard Countrywurzeln und eine ganz selbstverständliche, authentische Art, Folk und Rhythm’n’Blues zu spielen. Klare Sache.
Und wieso hat es dich gerade nach Schweden verschlagen? Haben dich die schönen blonden Mädels angelockt oder was war der ausschlaggebende Grund?
Zum einen wollte ich mehr mit meiner Frau zusammen sein – sie ist Schwedin. Wir sind zwei Jahre zwischen Berlin und Göteborg gependelt, bevor ich 2007 endgültig emigrierte. Das letzte Jahr mit den Gods lebte ich bereits permanent in Schweden und kam nur noch für Konzerte nach Deutschland.
Zum anderen war die künstlerische Atmosphäre in Göteborg enorm inspirierend, ich fühlte mich da sofort heimisch und hatte mit Fox Machine von Anfang an eine gute Band am Start. Ich bin dankbar.
Man sagt Schweden eine sehr kreative und innovative Musikszene nach. Kannst Du das durch deinen Aufenthalt schon bestätigen? Woran mag das liegen?
Positivität. In Schweden geht man von der Machbarkeit der Dinge aus. Man hadert nicht mit den Gegebenheiten, sondern konzentriert sich auf die Möglichkeiten, die man hat. Künstler sind daran gewöhnt, selbst alle Verantwortung zu tragen, und versuchen immer, so produktiv wie möglich zu sein.
Ich habe auch das Gefühl, daß hier andersartiger Musik mehr Respekt entgegengebracht wird. Es ist cool, avantgardistisch aus dem Rahmen zu fallen oder auch ganz traditionell zu sein, wenn es einem gefällt. Als Künstler hat man schließlich das oft übersehene Privileg, vollkommen frei bestimmen zu können, in welche Bahnen man seine Kreativität lenkt.
Dann gibt es natürlich die ganzen anderen Bands und Künstler, die man trifft und die international erfolgreich sind. Und wenn die es sind, kannst Du selbst es auch sein. Das spornt an.
Bei so viel Potential „auf dem Markt“, muss es doch ziemlich schwer sein, als Band aufzufallen und sich von der Masse abzuheben? Was ist euer Rezept?
Wir haben uns nie in Konkurrenz zu anderen Künstlern gesehen. Gute Musik wird immer ihren Weg zu den Menschen finden, es ist unausweichlich. Ich glaube nicht, daß es jemals eine Sättigung an guter Musik geben wird. Sie ist ein Grundbedürfnis.
Wir spielen nur, worauf alle in der Band Lust haben und was uns leicht von der Hand oder über die Lippen geht, alles sehr natürlich. Ich nehme an, wir haben allein dadurch schon einen individuellen Sound. Ich habe mich gefreut, als man uns neulich als „letzte unzerstörte Band der Welt“ angekündigt hat.
Die bisherigen Songs auf MySpace hören sind „folkiger“ und nicht mehr so „riffig“, wie die Songs deiner damaligen Band. Wolltest du mit „Fox Machine“ eine komplett neue Richtung einschlagen? Keine Lust mehr auf Posing und „geriffe“?
Es ist eher so, daß ich mit Fox Machine die Musik spiele, die mir immer schon nahe war und die in mir die größten Gefühle ausgelöst hat. Seit ich in den Staaten gelebt habe, mit 16–17 Jahren, und „Sticky Fingers“ von den Stones und „Harvest“ von Neil Young gehört habe. Vielleicht begann das alles noch früher, seit ich als Kind „Abbey Road“ von den Beatles gehört habe. Meinem Empfinden nach ist es einfach Rock’n’Roll, und der ist traditionell mit Folk verbunden. Eigentlich spiele ich diese Musik schon seit Jahren, stundenlang, wo immer eine Gitarre rumliegt. So neu war die Richtung für mich persönlich also nicht. Bei den Gods lag der Schwerpunkt woanders. Das hat sich zwar als kommerziell erfolgreich erwiesen, lag aber zunehmend außerhalb dessen, was ich im Leben vorhatte.
Bald seid ihr zusammen mit „The Soundtrack of our Lives“ auf Deutschlandtour. Ist ja schon mal ein gelungener Start! Wie kam es dazu?
Das ist eine vielschichtige persönliche Verbindung, es gibt viele gemeinsame Freunde. Olle hat schon mehrfach als Pianist bei Soundtracks–Konzerten ausgeholfen, wenn Martin Hederos verhindert war. Ebbot Lundberg hat die erste Platte meiner Frau produziert, die beiden sind seit langem befreundet. Ian Persson kommt manchmal zu unseren Konzerten, wenn er nicht gerade selbst auf Tour ist. Kalle Gustafsson war auf meiner Hochzeit. Wir sind froh und stolz, dabei zu sein.
Was steht nach der Tour an? Ist das Studio schon gebucht und werden die Aufnahmen für das erste Album beginnen?
Die haben schon begonnen. Wir gehen immer wieder für einen Tag oder zwei in ein Studio oder in eines der schönen alten Landhäuser hier an der Westküste und nehmen auf. Sehr unkompliziert, gerne vor einem Kamin mit einer Flasche Cognac. Unsere erste Single „When I Was Young“ erscheint bald bei Dolores Recordings. Wer danach eine EP oder LP rausbringt, wissen wir noch nicht. Wir haben jedenfalls genug Songs für ein Doppelalbum. Ansonsten ist nach der Tour immer vor der nächsten Tour.
Apropos Album. „Gods of Blitz“ haben vor kurzem ihr drittes Album veröffentlicht. Hast du es dir schon angehört?
Ich habe die vier Songs auf Myspace gehört.
Was ist es für ein Gefühl?
Ich habe mich für die Jungs gefreut. Sie sind alle seit Jahren hart arbeitende Musiker und haben es verdient, daß es weitergeht. Ich nehme an, daß es die Fans auch freut.
Was war der Grund bei „Gods of Blitz“ auszusteigen? War nach zwei großartigen Alben einfach alles erreicht oder gab es andere Gründe?
Es war an der Zeit. Der Gedanke, mit den Gods noch weitere zwei Jahre zusammen zu arbeiten, erschien mir nicht sinnvoll. Es herrschte Uneinigkeit. In Göteborg hatte ich dagegen neue Möglichkeiten, von Anfang an auf hohem künstlerischen Niveau. Ich war inspiriert, schrieb Songs und identifizierte mich mit den Künstlern, die ich kennenlernte – ich war glücklich. Außerdem genoß ich es, mit meiner Familie sein zu können. Ich gebe zu, daß die Sache mit dem Absprung mir nicht leicht fiel, aber ich war zuversichtlich und vertraute meinem Instinkt. Ich wußte, was ich kann.
Habt ihr noch Kontakt? Oder anders gefragt: Stehen Deine Ex-Kollegen auf der Gästeliste beim kommenden „Fox Machine“ Konzert in Berlin?
Freude (Anm d. Red.: Jens Freudenberg, Gitarrist bei Gods of Blitz) und ich haben kürzlich zusammen in unserer alten Stammkneipe in Kreuzberg Bremen gegen Hannover geschaut. Er ist 96er, ich bin Werder–Fan. Es war Sonntag. War schön, ihm zu sehen. No hard feelings.





















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