THE BEAKS / CUPCAKEInterview mit tom marsh und dean rosenzweig (12.10.2009)
tom marsh und dean rosenzweig sind zwei künstler, die niemals ruhen und ihrem unerschöpflichen drang kreativ zu sein in form von vielen verschiedenen projekten nachgeben. seit einigen jahren in berlin beheimatet, widmen sie sich unermüdlich ihrer leidenschaft, der musik, und brüten immer wieder neue ideen aus. wenn sie nicht gerade mit "iamx" auf tour sind und durch die welt reisen, vertreiben sie sich ihre verbliebene zeit damit in bands wie cupcake oder ihrem neuesten elektro trashdance projekt the beaks zu spielen. ob als duo oder als teil einer band, die beiden verstehen es, sich selbst und vor allem das publikum zu unterhalten. auch im gespräch mit rote raupe verbreiten die beiden viel gute laune. wir haben sie in ihrem gerade frisch bezogenen studio in berlin getroffen, um uns bezüglich ihres kreativen treibens auf den neuesten stand bringen lassen.
"the beaks" - wie seid ihr denn zu diesem namen gekommen?
tom: "the strokes" waren schon vergeben... nein, die wahrheit ist, dass wir einfach große nasen haben und deswegen sind wir zu diesem namen gekommen.
und "the noses" wäre keine gute wahl gewesen?
tom: nein, "the beaks" klingt viel cooler!
dean: ich glaube meine zuneigung zu enten spielt auch eine kleine rolle.
tom: das stimmt.
wie und wann hat denn alles mit "the beaks" angefangen?
tom: ich glaube alles hat damit angefangen, dass wir anfingen uns etwas zu langweilen, wenn wir zusammen mit iamx auf tour waren. wir waren einfach nicht sehr kreativ zu dieser zeit. wir haben ja noch bei cupcake gespielt, aber dann wollten wir noch etwas anderes machen, etwas härteres als das. es hat alles damit angefangen, dass dean eine stark verzerrte gitarre gespielt hat und ich auf die drums eingeschlagen habe. vor nicht allzu langer zeit fingen wir dann an etwas strukturierter an die sache heranzugehen und songs zu schreiben, sogar bevor wir uns wirklich ans proben gemacht haben. das schreiben und produzieren stand erst einmal im vordergrund. jetzt hat es sich zu einem kleinen "beaks gewerbe" entwickelt, mit dem studio und allem...
war es von anfang an der plan ein eigenes studio zu haben?
dean: ja, ich glaube schon. wir wollten von anfang an einen ort haben, wo wir spielen können. von dem punkt an, wo wir beschlossen uns ein studio zuzulegen, haben wir noch härter daran gearbeitet diesen wunsch zu verwirklichen. allein die möglichkeit zu haben jederzeit ins studio zu gehen und dort aufzunehmen und zu schreiben, hat uns voran getrieben...und the beaks richtig zum leben erweckt.
lange nasen bzw. "schnäbel" und zwei "männchen" in einer band - kommt es da manchmal zu futterneid oder hahnenkämpfen?
(lautes gelächter)
dean: vielleicht ein paar küsschen, wenn niemand hinschaut...
tom: wir sind ziemlich diplomatisch, was die band angeht und haben eine gute demokratie innerhalb unserer 2-mann-band. das funktioniert wirklich gut.
dean: es ist das erste mal, dass ich mit jemanden zusammen schreibe, der selbst so viel zu diesem prozess beiträgt. am anfang war ich nicht sicher, wir das alles schließlich ablaufen würde, aber dann haben wir es probiert, die richtigen ideen sind entstanden und es hat hingehauen. darauf aufbauend ist dann alles andere gefolgt.
the beaks ist also in jeder hinsicht ein durch und durch demokratisches projekt?
dean: ja, das ist es. wir haben beide einen, unserer meinung nach, recht guten musikgeschmack. wenn wir also etwas hören, das besser ist als die ausgangsidee, die wir hatten, dann ist sofort klar, dass wir uns dem annehmen müssen. anders herum ist es genauso. wenn etwas schlecht ist, dann können wir ebenso gut damit umgehen und sind uns schnell einig. wir vertrauen sehr auf das wort des anderen, wenn wir schreiben.
das klingt nach einem sehr harmonischen verhältnis, aber seid ihr nicht manchmal doch unterschiedlicher ansicht?
tom: wir haben generell sehr ähnliche geschmäcker, aber natürlich bedeutet das nicht, dass wir immer die gleichen vorstellungen haben. nur mal als beispiel, wenn es um den gesang geht, gehen unsere auffassungen etwas auseinander. dean mag es gerne viel hall auf seine stimme zu legen während ich lieber ohne hall arbeite. wenn unsere beiden stimmen zusammenkommen, passt das natürlich wiederum sehr gut zusammen. wir haben schon teitlweise unterschiedliche ansichten, was bestimmte stilfragen angeht, aber dennoch stehen sich beide seiten wohlwollend gegenüber und ergänzen sich gut anstatt an diesem gegensatz zu scheitern.
dean: das ist wie schokolade und erdnussbutter...das sind zwei verschiedene dinge, aber sie passen trotzdem unheimlich gut zusammen.
tom: eins ist salzig, das andere süß...
dean: bin ich schokolade und du erdnussbutter? nein, du bist schokolade und ich bin erdnussbutter (beide lachen).
wenn es aber doch mal eine unstimmigkeit geben sollte, wie würdet ihr diese lösen? einfach beide ideen umsetzen und hinterher entscheiden?
dean: bis jetzt ist das noch nicht vorgekommen, aber wenn ich mit meinem magischen gehirn in die zukunft gucken müsste, würde ich sagen, dass wir wahrscheinlich zwei verschiedene mixe machen würden. am ende hätten wir dann zwei versionen mit unterschiedlichen namen...
tom: das kann ich mir fast nicht vorstellen...das wäre wahrscheinlich ein extremes ergebnis (pause). wir machen einfach einen song mit der doppelten länge daraus! (beide lachen)
dean: oder wir veröffentlichen die original version gleich mit.
mal etwas ganz anderes - dean, du hast diese bereits erwähnte affinität zu enten. tom, fühlst du dich auch einer bestimmten vogelsorte verbunden?
tom: dean.
dean: du magst dean?
tom: hmm, ob ich mich einer vogelsorte verbunden fühle? vielleicht den englischen vögeln...nein, wenn ich so darüber nachdenke, dann sind es tauben. wahrscheinlich, weil ich sie am häufigsten sehe. weisst du was? ich rede mich da gerade in etwas hinein...ich fühle mich gar keiner vogelart verbunden (lacht).
dean: jetzt, wo du das so deutlich sagst, würde ich mir wünschen, ich hätte vorhin nicht erwähnt, dass mir enten so am herzen liegen (lautes gelächter)...
warum eigentlich gerade enten?
dean: als ich noch in den usa gelebt habe, hatte ich ein paar katzen, die mir ans herz gewachsen waren. die konnte ich bei meinem umzug nach berlin nicht mitnehmen und dann haben einige fans aus irgendeinem grund angefangen uns enten auf die bühne zu werfen. ich hatte mir auf tour eine kleine enten-puppe gekauft und sie mit auf die bühne genommen. das haben wohl einige fans gesehen und von da an habe ich bei shows öfter welche geschenkt bekommen. seitdem muss ich mir jedes mal eine ente kaufen, wenn ich irgendwo auf tour eine sehe...jetzt habe ich hundert in eine tasche gepackt. es wurden einfach zu viele und ich musste sie irgendwo verstauen. es ist geradezu lächerlich! ich habe einen ganzen schrank voller spielzeug enten...ich muss aufhören welche zu kaufen, die dinger übernehmen sonst irgendwann meine ganze wohnung. sie essen auch eine ganze menge, du wärst überrascht, wenn du wüsstest wie viel!
nun ist der optimale zeitpunkt gekommen, damit ihr euch auch künstlerisch betätigen könnt. nehmt doch bitte jeder ein stück papier und stift zur hand und malt euch gegenseitig als vogel, ganz egal was für einen. danach dürft ihr das ergebnis analysieren.
(gelächter)
tom: ich soll dean als vogel malen? oh nein...warum muss ich das machen? (lacht)(beide machen sich engagiert ans werk und zeichnen drauflos)
dean: mann, dein schnabel ist groß! wenn du das siehst, wirst du mich umbringen...das sieht leider ganz und gar nicht nach dir aus, sorry! (lacht in sich hinein)(beide konzentrieren sich auf stift und papier)
dean: ich glaube dein schnabel ist viel zu groß geraten...(tom versucht einen blick auf deans bild zu erhaschen...)
dean: ich sollte ein profil von dir zeichnen, so dass dein schnabel besser zur geltung kommt. ich muss dir noch ein wenig mehr haare dazu malen...prima, jetzt siehst du aus wie eine jüdische ente, weil du lockiges haar hast (lacht).
tom: oh, ich kann wirklich nicht gut zeichnen...
dean: ich will ihm noch ein paar drum sticks malen...
tom: oh das macht spaß! kannst du bitte jeden abend vorbeikommen und uns solche gewitzten aufgaben stellen?
dean: das sieht wirklich nicht nach dir aus, tom. ausser das hinterteil, das ist wirklich süß (lacht).(nach dreieinhalb minuten ist das werk vollbracht)
das habt ihr großartig gemacht. nun folgt die analyse...
(beide sehen das jeweils andere bild nun zum ersten mal und brechen in gelächter aus)
tom: ich sehe wie ein ofenfertiges hühnchen aus!
dean: ich finde er hat den nagel auf den kopf getroffen, das bild sieht aus wie ich! der schnabel, die haare, die flügel, die kurzen beine...aber was ist das hier?
tom: das ist deine riesige nase, mensch!
dean: die habe ich zuerst gar nicht gesehen...(lacht).
tom: "tom kann wirklich nicht malen..." (spöttisch)
dean: doch, das kann er!
tom: habe ich etwa fettige haare?!?
dean: nein, das ist nur extra lockig. ausserdem regnet es draussen. ich will das bild für immer behalten...es sei denn, du willst es haben.
nein, behaltet die bilder ruhig. ihr solltet sie einrahmen und hier in eurem studio aufhängen. ihr habt ja mittlerweile ein "the beaks" markenzeichen (daumen und zeigefinger bilden zusammen mit der nase einen schnabel). habt ihr euch diese typische pose mal mitten in der nacht ausgedacht?
tom: wohl eher ganz früh am morgen...
dean: wir sind bestimmt irgendwann mal in einem hotelzimmer darauf gekommen.
ist das eher ein bandinterner gruß oder wollt ihr vielleicht, dass eure fans das bei den konzerten aufgreifen und sich diese pose auf diese weise verbreitet?
tom: oh, du meinst wie bei jay-z? (lacht)
dean: als begrüßung bei shows wäre das echt keine schlechte idee. oder wenn wir von der bühne gehen...anstatt einer verbeugung geben wir den fans einfach das und sie können es erwidern.
tom: ja genau! die fans sollen nicht applaudieren, sondern einfach diesen gruß machen. das wäre ziemlich cool...
dean: ich würde das liebend gerne sehen. der ganze raum ist still und alle machen diese schnabel-pose...
tom: wir verbringen echt zu viel zeit miteinander...
dean: ja, genau aus diesem grund entstehen solche verrückten ideen. wir müssen uns ja irgendwie gegenseitig unterhalten.
tom: wir würden uns sonst zu tode langweilen. ich erzähle dir mal wie ein normaler tag so bei uns abläuft...wir springen in einen van, verbringen ungefähr neun stunden damit irgendwo hinzufahren während ich dean dabei zusehe, wie er verschiedene schlafpositionen ausprobiert und versucht es sich so gemütlich wie möglich zu machen. er liegt auf dem boden, den sitzen, kuschelt sich an eine kleine plüschente, schlägt mit seinem kopf gegen die autoscheibe und all das...
...und was machst du in dieser zeit?
dean: er macht schabel-posen!
tom: ja entweder das oder ich mache sachen am computer.
dean: ich kann während der fahrt nicht am computer arbeiten, sonst wird mir schlecht...
tom: jedenfalls kommen wir irgendwann am hotel an, gehen in unser zimmer, reden eine weile, verlassen das zimmer wieder, um zu abend zu essen, dann kommen wir wieder, gehen schlafen, stehen auf, essen frühstück zusammen...
dean: manchmal nehmen wir auch zusammen ein dampfbad (beide lachen laut)...
tom: danach steigen wir wieder in den van, fahren zum club, spielen ein konzert, packen hinterher wieder alles zusammen, gehen schlafen, stehen irgendwann auf, fahren für einige stunden zurück nach berlin, gehen schlafen, wachen auf und sitzen wieder hier im studio.
dean: wir verbringen wirklich eine menge zeit miteinander...
tom: vielleicht sollten wir anfangen andere leute zu sehen, dean?
dean: ich habe dir doch schon gesagt, dass ich einen schlechten tag habe, tom. und nun das...
tom: entschuldige, ich habe das nicht so gemeint. (beide unterdrücken ein lachen)
es ist offensichtlich, dass ihr zusammen viel spaß und insgesamt eine gute zeit zu haben scheint. bewahrt ihr euch diese gute laune auch während der arbeit oder geht es unter umständen doch mal ernster bei euch zu?
dean: wir versuchen schon so viel spaß wie möglich bei allem zu haben, wenn es denn geht. wenn das irgendwann mal nicht so wäre, dann wäre das ein schlechtes zeichen, denke ich.
tom: wir haben eine ganz gute arbeitsmoral wie ich finde. wenn wir arbeiten, dann tun wir das auch auf eine harte weise, selbst wenn es über eine lange zeit hinweg geht. dabei geht der spaß aber nicht abhanden. wenn wir den nicht mehr haben, dann hören wir für gewöhnlich auf an etwas zu arbeiten.
in einigen eurer band fotos hingegen fliegen aber schon die fetzen zwischen euch und ihr schreit euch an oder schmeisst euch sachen an den kopf...
tom: ja, aber das ist nur show. wenn es wirklich so bei uns zugehen würde, dann würden wir das mit sicherheit nicht auch noch auf bilder zeigen.
dean: ich kenne aber genügend bands, wo die chemie eben genau so aussieht, aber es am ende trotzdem funktioniert. für uns wäre das aber nichts. wir machen uns nur einen spaß daraus. wir nehmen uns generell gesehen nicht so ernst.
tom, du hast eben von einer "guten arbeitsmoral" gesprochen. wie äussert sich diese, wenn ihr zusammen im studio seid und an neuen songs arbeitet?
dean: wir beide brüten jeweils ideen aus und dann präsentieren wir uns gegenseitig unsere konzepte. tom kommt zum beispiel mit einer idee für einen gesangspart zu mir, ich nehme diese mit nach hause, arbeite daran und gebe sie ihm mit meinen vorschlägen zurück. wir machen das mit fast allem so und reichen unser material ständig hin und her.
tom: gegen ende des ganzen prozesses treffen wir uns dann irgendwo in der mitte und prüfen noch einmal alles zusammen. momentan ist alles, was wir vorrangig machen noch ans programmieren gebunden. das eigentliche aufnehmen kommt erst noch. da wir in erster linie mit synthesizern experimentieren, ist es nicht so einfach in dieser frühen phase allzu viel miteinander zu kollaborieren bevor wir nicht wirklich an die eigentlichen aufnahmen gehen und noch dabei sind ideen zusammen zu tragen. vieles davon geschieht in einem unmittelbaren "stream of consciousness" und du musst sofort daran arbeiten bevor du es mit jemanden teilen kannst. wenn es nicht so wäre, könnte es passieren, dass dich dein gegenüber eventuell in deinem ideenfluss bremst oder ähnliches.
dean: ich glaube deswegen haben wir auch so schnell so viele songs geschrieben. ich habe fünf song-ideen und wenn wir uns zusammen am tisch treffen, hat tom sechs stücke im kopf...und schon haben wir elf songs an denen wir zusammen arbeiten und wiederum dinge verändern können.
schreibt ihr ununterbrochen an neuer musik oder gibt es phasen, in denen ihr nicht unbedingt kreativ tätig seid?
dean: nein, eigentlich sind wir ständig am schreiben und uns schwirren ideen im kopf herum. ich brauche immer einen stift mit dem ich sachen notieren kann für den fall, dass mir etwas gutes einfällt. toms handy ist auch voller ideen für neue songs. "ich habe eine idee!"..."fang an zu singen!" (hält ein imaginäres handy in die luft und demonstriert den prozess)
gibt es denn trotz eures sehr ausbalancierten arbeitsverhältnisses etwas, dass ihr nur dem jeweils anderen überlasst?
dean: ja, also tom ist definitiv der drummer. mich werdet ihr niemals hinter den drums zu gesicht bekommen! (beide lachen) das coole ist ja, dass er bei "the beaks" eben nicht nur schlagzeug spielt, sondern auch keyboard spielt und singt...sollen wir mal etwas vorspielen, wo du singst?
tom: (leichtes zögern)
dean: komm schon...
tom: ok, ja das können wir machen.
dean: er hat mich wirklich als sänger überrascht. er hat vorher noch nie vor mir oder jemand anderem gesungen und er singt so viel besser als ich! hinterher habe ich gedacht, mein gott, ich muss besser singen...er singt so gut und vor allem nicht so falsch wie ich (lacht). wirklich, er hat über einige meiner sachen gesungen und ich bin zurück ins studio und habe meine parts noch einmal aufgenommen und versucht besser zu singen.
tom, du hast vorher also noch nie in einer band gesungen?
tom: ich habe für ein paar jahre gesangsunterricht gehabt als ich jünger war...
dean: ah, jetzt verstehe ich...(beide lachen)
tom: ich sollte mich mal auf etwas konzentrieren und vielleicht sogar sänger werden...auf jeden fall, bin ich zu dieser musikschule hin und es hat nicht einmal etwas gekostet, weil ich kein instrument brauchte. das habe ich also gemacht, als ich klein war...ich habe aber ausserhalb dieses rahmens nie vor irgendjemanden gesungen. ich hatte sozusagen nur die gesangsstunden.
und nun fühlst du dich wohler vor leuten zu singen und das sogar in einer band zu tun? liegt es daran, dass seitdem etwas zeit vergangen ist?
tom: ja, vielleicht ist es das. vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich so begeistert davon bin kreativ zu sein und so viele ideen in meinem kopf habe, dass es einfach dumm von mir wäre nicht zu singen und sie heraus zu lassen. wenn ich es jetzt nicht machen würde, dann wahrscheinlich nie. es fühlt sich eben richtig an.
ihr arbeitet ja nicht nur im studio als "the beaks" zusammen, sondern legt auch noch regelmäßig gemeinsam unter diesem namen auf. wie wählt ihr dafür die songs aus?
dean: ich denke, wir spielen einfach die sachen, die wir selbst gerne hören. das kann manchmal ein problem sein, da es unter umständen nicht die gängigste art von musik ist, aber letztendlich wollen wir auch auf diesem gebiet unseren spaß haben. ich tanze zu der art von musik, die ich auch selbst gerne auflege, so einfach ist das. ich bin zwar nicht der beste tänzer, aber...(lacht)
tom: mann, du bist ein großartiger tänzer. ein phänomenaler tänzer!
dean: naja, du hast recht. ich bin ein phänomenaler tänzer und alle wissen das (beide lachen). ich bin ein komischer tänzer. eigentlich ähnelt es eher stand-up comedy...wobei ich weniger herumstehe und vielmehr tanze.
wenn ihr mit euren bands unterwegs seid, könnt ihr euch hinter euren instrumenten "verstecken". fühlt ihr euch hinter den turntables genauso wohl wie mit einem instrument in der hand?
dean: ja, ich fühle mich bei beiden sachen wohl.
tom: ja, ich mich auch. es gibt beim auflegen so vieles, auf das man sich konzentrieren kann, das macht spaß. ich weiß nicht, ob ich beim herumtanzen auf der bühne genauso viel spaß hätte...daher lasse ich das lieber bleiben. beim auflegen gibt es eine ganz andere art von druck, der auf einem lastet, als wenn man als band spielt. wenn du ein konzert spielst und die leute deine musik nicht mögen, dann spielt das keine allzu große rolle, weil du dein eigenes ding machst. wenn du aber musik auflegst, dann gibt es einen viel größeren druck, weil du die leute zum tanzen bringen und es ihnen recht machen sollst. ich bin mir sicher, dass wir das nicht allzu oft tun, wenn wir auflegen...
und als band wollt ihr euer publikum auch zufriedenstellen?
tom: ja.
dean: auf jeden fall.
tom: als dj's auch, aber es klappt eben nicht immer...
dean: egal in welcher form du kreativ tätig bist, ich glaube, du willst deinem publikum immer irgendwo ein stück gefallen.
ihr habt gerade ein video zu eurer ersten single "world go round" veröffentlicht, was sehr unterhaltsam und lustig ist. wie wichtig ist euch humor?
dean: man muss ihn einfach haben.
tom: sehr wichtig!(schon lachen beide)
dean: jeden tag am besten. schon allein, um mit den dingen weiter zu machen, die dich beschäftigen...es motiviert mich zum beispiel, wenn ich lachen und spaß haben kann. dann ist der tag gut und es herrscht eine nette stimmung...das ist wichtig, um gute ideen zu bekommen und musik zu machen.
wir habt ihr das video zum song auf die beine gestellt?
dean: es läuft meistens so ab, dass wir uns andauernd diese dummen deadlines auferlegen...wir sagen zum beispiel "lass uns ein video machen!". dann verkünden wir überall die nachricht, dass ein video in arbeit ist und zwei tage bevor das ding fertig sein soll, fällt uns ein "mist, wir müssen das ding ja noch drehen!". (lacht) bei "world go round" war es genau das gleiche. ich habe abends vor dem spiegel getanzt und dann tom am nächsten tag erzählt, dass wir das als idee für das video nehmen sollten...er war dann so nett und hat ja gesagt. tja, und das ist dann dabei herausgekommen. wir haben das video gedreht, ich musste danach weg und als ich wiederkam, hatte tom das ding fertig.
du hast alles selber geschnitten etc?
tom: ja. das hat mir sehr großen spaß gemacht. es ist das, was es ist. offensichtlich keine aufwendige produktion oder sowas, aber wir hatten eine menge spaß mit der kamera. ich habe "final cut" vorher noch nie ausprobiert, aber bin dabei immer mehr darüber zu lernen. es fühlt sich schon noch etwas komisch an das ergebnis dann hinterher anderen leuten zu zeigen, weil es auf eine art und weise noch einen etwas unebenen charakter hat. daher waren wir froh, dass es allgemein so gut aufgenommen wurde. du hast eben gesagt, dass du es lustig findest, das war auch die eigentliche intention, die wir hatten. wir wollten die leute damit zum lachen bringen.
dean: wir nehmen zwar die musik, die wir machen, sehr ernst, aber nicht unbedingt uns als personen. ich glaube, das kommt in dem video auch so rüber.
habt ihr denn im vorfeld darüber nachgedacht euch hilfe von ausserhalb zu holen oder wolltet ihr von vornherein alles selber machen?
tom: der urprüngliche plan war, dass uns jemand dabei hilft...
dean: ja, wir wollten, dass jemand anderes das video macht, aber es gab letztendlich ein zeitproblem, darum hat es nicht geklappt. wir waren mit iamx auf tour und als wir zurück nach berlin kamen, war dieser jemand in japan unterwegs. wir hätten uns also gegenseitig hinterherjagen müssen, damit es funktioniert. dann war die deadline für das video fast erreicht und so mussten wir das ganze ding selbst drehen.
wie habt ihr das in so kurzer zeit hinbekommen?
tom: wir hatten nur vier stunden für das eigentliche drehen, weil ich irgendwo hingehen musste. was das bearbeiten angeht, ich glaube, ich habe noch nie so viel zeit damit verbracht an einer sache so konzentriert zu arbeiten und meine aufmerksamkeit darauf zu lenken. wahrscheinlich auch, weil das video einfach fertig werden musste.
ihr seid momentan fleissig am schreiben von songs. wieso ist "world go round" die richtige wahl für die erste single gewesen?
dean: (lacht) es war die erste songidee, die fertig war! wir wollten innerhalb eines monats eine single und ein video herausbringen und das haben wir auch geschafft. wir haben allerdings schon monate vorher an dem song gearbeitet und die single version wird auch nicht die endgültige version sein, die später auf das album kommt. wir wollen noch ein wenig am sound feilen, aber für die single ist er genau richtig und drückt aus, wie wir als "the beaks" klingen wollen.
laut eigener aussage werdet ihr bald auch eine ep veröffentlichen...
tom: ja, das stimmt.
dean: die ep wird sehr wahrscheinlich doch eher ein album werden...ich hoffe das zumindest. wir müssen uns einfach nur eine deadline setzen und dann klappt das schon (lacht).
tom: wir haben so viele ideen...so viele demos..."world go round" ist bei weitem kein demo mehr. sobald wir uns hinsetzen und an den songs arbeiten, vor allem den gesangsparts, dann nehmen die lieder sehr schnell gestalt an. manchmal entsteht ein song innerhalb von nur einer stunde. natürlich ist das nur die basis und man muss noch etwas mehr arbeit reinstecken, aber das grundgerüst ist schnell gebaut. momentan haben wir ungefähr neun songs, die sich auf diesem level befinden.
dean: bis dezember werden wir sehr wahrscheinlich um die fünfzehn bis zwanzig songs haben. dann können wir uns an die arbeit machen aus denen auszuwählen und entscheiden, welche stücke in die engere auswahl für das album kommen. ich sehe uns in zukunft aber eher als band, die sich nicht unbedingt auf das veröffentlichen von alben versteift, sondern nach der ersten platte vielmehr einzelne songs herausbringt. wenn wir einen guten song haben, können wir ihn auch gleich veröffentlichen und müssen nicht warten bis wir ein ganzes album fertig haben. jetzt, wo wir "swag swag berlin" haben, können wir die sachen einfach ins netz stellen, leute können sich die lieder anhören oder runterladen.
dean, kannst du uns etwas mehr über "swag swag berlin" erzählen?
dean: wir stehen damit noch am anfang, von dem, was wir hoffen einmal für bands im allgemeinen aufzubauen, aber grundsätzlich gesehen handelt es sich dabei um eine art plattform für unabhängige künstler, die wir unterstützen. ein paar unserer freunde sind auch involviert, aber im großen und ganzen kümmern sich tom und ich darum. es geht uns nicht darum krampfhaft ein neues label oder ein neues "facebook" bzw. "myspace" zu gründen, sondern darum, dass künstlern die möglichkeit gegeben wird ihre musik nach draussen zu tragen. als ich jünger war und songs schrieb, hatte ich keine gelegenheit meine musik irgendwo zu veröffentlichen und hätte mir gewünscht, dass es eine plattform gibt, auf der ich das tun kann. aus diesem grund haben wir "swag swag berlin" ins leben gerufen und wollen, dass künstler jeglicher art dort eine anlaufstelle bekommen.
wann kann man euch denn mal live zu gesicht bekommen und wie werden die shows aussehen? ich erinnere mich an ein konzert im berliner white trash, das allerdings schon eine weile zurück liegt...
dean: es wird ein verdammtes chaos werden! (lacht)
tom: es wird sich stark von dem unterscheiden, was wir noch vor einer weile gemacht haben...
dean: die anfangsidee war, dass wir einfach auf die bühne gehen, die sau rauslassen und dabei aggressiv und laut sind. mittlerweile geht die idee eher dahin coole, elektronische dance musik zu machen, die wir live auf der bühne mit unseren instrumenten erzeugen.
tom: das konzert im white trash war nicht so einfach für uns zu spielen. wir waren an dem abend vorher vielleicht für gerade einmal drei stunden im proberaum und haben dann das konzert gespielt. es war eher eine emotionale befreiung, als das wir damit ein gigantisches musikalisches statement setzen wollten.
dean: ja, das war wirklich eher ein persönliches anliegen von uns...
tom: das, was wir jetzt vorhaben, wird ganz anders. wir möchten die dinge, die wir aufgenommen haben live wiedergeben und obwohl uns der spaßfaktor wichtig ist, nehmen wir unsere musik und das, was wir machen, sehr ernst. wir werden auf der bühne viel zu tun haben, wenn wir spielen...wir sind ja nicht wie genesis...(beide lachen) am ende ist es eben doch sehr elektronisch und erfordert spezifische grooves.
dean: es wird sehr kontrolliert ablaufen. wir wollen natürlich als musiker ernst genommen werden, auch wenn wir im video die clowns spielen. wir werden live sehr hart arbeiten...tom wird percussions und keyboard spielen und dazu noch singen...wir werden auch gemeinsam singen...wir werden vorher viel proben und das wird man dann auch auf der bühne sehen.
tom: dazu kommen dann noch ein paar visuals und requisiten...
da ihr deadlines so mögt, gibt es schon eine für die geplante tour?
dean: die erste deadline für uns wird silvester sein, da wird an dem tag vorhaben ein konzert zu spielen. es ist alles noch unter vorbehalt, aber wir hoffen, dass an dem abend ein paar tolle bands aus berlin zusammen auftreten und eine silvester party schmeissen werden. im januar werden "the beaks" dann richtig in europa auf tour gehen...juhu!
ihr beide seid neben "the beaks" auch noch zusammen in eurer anderen band namens "cupcake" tätig. das ist wiederum eine ganz andere geschichte...
dean: "cupcake" war zunächst mehr so ein studio ding, wo freunde zusammenkamen, um musik machen. das hat sich mittlerweile auch gewandelt. unser erstes album ("the suckerpunch") ist gerade fertig geworden und nun erhältlich. wir werden dazu noch eine kleine record release party in berlin machen. nächstes jahr werden wir wohl noch mehr aufnahmen machen, aber eigentlich ist es momentan eher ein projekt, dass live stattfindet.
warum ist es nicht genug für euch in nur einer band zu spielen? man kann bei euren vielen projekten schon leicht den überblick verlieren...
dean: es gibt einfach so viele ideen, die wir haben und so viel verschiedene musik, die man spielen kann. ich könnte nicht in einer band sein, in der wir einen "cupcake" song spielen und plötzlich kommt ein "the beaks" song hinterher...das sind zwei ganz verschiedene sachen für uns. da ich den drang habe auf unterschiedlichen ebenen kreativ zu sein und musik zu machen, muss das auch in gänzlich verschiedenen bands und mit andersartigen stilen geschehen. ich höre ja auch viel verschiedene musik wie zum beispiel jazz oder härtere elektronische sachen...genau so ist es dann auch beim schreiben. es gibt eine größere vielfalt.
beim titel des "cupcake" albums "the suckerpunch"(zu dt.: jdm. einen unterwarteten schlag versetzen) stellt sich noch vor dem hören die frage: wer ist denn die zielscheibe?
dean: uhh, ich will ja keine bestimmten namen nennen...(beide lachen). das ist an ein paar menschen gerichtet. nicht menschen im allgemeinen, aber es gibt da ein paar persönlichkeiten...
...wird man schlauer, wenn man sich das album schließlich anhört?
dean: nein, das album erzählt diese geschichte nicht wirklich. das ist eher eine interne, persönliche sache...es ist aber nicht so, dass der titel unbedingt negativ gemeint ist. eher im gegenteil, denn als wir ihn gewählt haben, war es etwas positives. niemand hatte vorher von "cupcake" gehört und wusste, wer wir waren oder wir wir klangen...dann haben wir "the suckerpunch" veröffentlicht und wollten den leuten da draussen mit unserer musik "einen schlag versetzen". gerade als martin und margaret zu der band stießen und mit uns spielten und sagen, hat alles eine neue richtung bekommen. das war für "cupcake" als band so eine kleine geheimwaffe.
"cupcake" gibt es schon eine weile länger als "the beaks". wann sind denn die songs enstanden, die nun auf dem album gelandet sind?
dean: ich kann das nicht mal genau sagen, weil es "cupcake" schon so lange gibt...ich glaube die songs sind wahrscheinlich so richtig in den letzten zwei jahren entstanden, als wir als band komplett waren. tom und ich haben viele der songs gemeinsam geschrieben. am anfang dachte ich, dass es eher so eine art solo-projekt werden würde als ich "cupcake" gegründet habe, aber nun ist es zu einer wahren band herangewachsen. das ist schön.
das cover artwork zeigt ein rosafarbenes schweinchen und die worte "corrupt, corrupt, corrupt" - man könnte vermuten, dass die songs einen sozialkritischen charakter besitzen...
dean: nein, das ist nicht der fall...eigentlich fand ich nur das bild als solches gut und das hatte erst einmal nichts mit der musik zu tun. das kleine schwein ist so eine art maskottchen für "cupcake" und "swag swag berlin" geworden und teil eines bildes gewesen, dass ich cool fand. wir wollten damit kein großes statement setzen, sondern es einfach nur als cover benutzen, weil es uns gefällt. wie siehst du das, tom?(stille)
tom: muss ich darauf antworten?(gelächter)
nein, du kannst auch einfach dazu schweigen. wird es auch für "cupcake" solch schön in eigenregie entstandene videos geben?
dean: ich will tom noch davon überzeugen eins zu machen...
tom: ja, wer weiß...
dean: es ist ein definitives vielleicht.
was braucht es denn, um tom zu einem video zu überzeugen?
dean: (kurze pause) eine deadline! (alle lachen)
tom: viele äpfel und karotten!
dean: und jojos!
tom: zeit. mal ernsthaft, wir brauchen einfach nur zeit. dann werden wir das auch machen.
dean: genau das ist es. ich würde sehr gerne ein video machen. wir haben schon einige ideen und haben viel darüber gesprochen...oder vielleicht habe nur ich davon geredet (lacht).
tom: wir haben einfach immer viel um die ohren. das ist wie ein ständiger kampf und man muss aufpassen, dass nicht eine sache plötzlich darunter leidet, weil man wieder etwas neues anfängt.
bei all den projekten, an denen ihr arbeitet, wie schafft ihr es denn am ball zu bleiben?
dean: wir rennen wie verrückte durch die gegend.
tom: wir schlafen einfach nie lange genug.
dean: totaler schlafentzug, das ist es.
braucht ihr diese ständige beschäftigung, um euch kreativ ausleben zu können?
dean: ich glaube man nimmt nie eine wirkliche auszeit vom kreativ sein, so etwas wie urlaub zum beispiel. selbst wenn du mal wegfährst, schreibst du weiter.
tom: ich habe gerade letztens darüber nachgedacht...vielleicht wäre es gut sich mal einen tag richtig frei zu nehmen, damit wir nicht völlig ausbrennen. es ist manchmal schon schwierig. es ist ja nicht so, als ob hinter dir jemand mit einer peitsche knallt und dich zur arbeit antreibt. es kommt von uns selbst, egal ob wir nun zusammen oder inviduell arbeiten. wir wollen schließlich kreativ sein, weil es uns spaß macht. auf eine art und weise verfolgen wir damit unsere träume. man kann sich eben nicht so leicht bremsen, wenn man etwas so leidenschaftlich gerne macht.
auf der "cupcake" website sprecht ihr vom "berlin sound". habt ihr ihn schon gefunden und wenn ja, wie klingt er?
dean: wir haben das in einem kontext gesagt, der bedeutet, dass wir nun mal in berlin wohnen und musik machen und durch viele andere in berlin lebende musiker angeregt und inspiriert wurden. der ausdruck "berlin sound" ist aus dieser perspektive heraus entstanden. die tatsache, dass so viele verschiedene menschen am cupcake sound mitgewirkt haben, hat eine rolle für uns gespielt. der anfang der aufnahmen hat sich im vergleich zum ende stark gewandelt und man kann fast von zwei unterschiedlichen alben sprechen. viele kreative leute haben ihre zeit und energie investiert, damit das resultat genau so geworden ist, wie es jetzt vorliegt. wir haben nicht beabsichtigt uns selbst oder das was wir geschaffen haben als "berlin sound" zu betiteln. das war nicht unsere anliegen. es ging uns darum auszudrücken, welchen weg wir eingeschlagen haben und was auf diesem so alles passiert ist.
lasst uns doch noch ein wenig über euer neues studio sprechen, in dem wir uns gerade befinden...
dean: juhuuu!
tom: juhuuu!
was hat euch denn dazu bewegt, dass ihr euch ein eigenes studio eingerichtet habt?
tom: nun zu erst einmal hatten wir keine wirkliche möglichkeit woanders zu proben oder aufzunehmen.
dean: das war ein großes problem...
tom: ich hatte damit begonnen in meinem keller einen "drum room" einzurichten, der natürlich nicht so groß war...vielleicht war das sogar illegal, ich habe mir darüber keine gedanken gemacht. der raum war jedenfalls wirklich sehr, sehr klein. ich bin mir ziemlich sicher, dass es da drinnen auch keinen sauerstoff gab. man hat praktisch nur staub eingeatmet. wenn man einmal drinnen war, war es auch fast umöglich wieder heraus zu kommen. es hat ungefähr fünf bis zehn minuten gedauert bis man wieder draussen war, weil man ja über das drum set steigen und das ganze schalldichte material aus dem weg räumen musste, was übrigens hochentzündlich war! (beide lachen laut)
tom: es war so eine art papier...
dean: ...und ganz schön kratzig!
tom: darum habe ich die ganze idee am ende fallen gelassen...ausserdem haben dean und ich schon eine ganze zeit lang darüber gesprochen uns ein eigenes studio zu suchen. ich wollte mich ausserdem mehr mit analogem equipment auseinandersetzen und lernen damit zu arbeiten, weil dean selbst gerne damit aufnimmt. das macht sich in einem studio natürlich viel besser.
wie habt ihr dieses studio denn entdeckt?
dean: wir haben viel gesucht, mit leuten gesprochen und versucht auf diesem wege etwas passendes zu finden...wir bekamen eben tipps über freunde, wenn irgendwo etwas frei wurde und so hat sich das schließlich ergeben. das lustige ist, dass wir bei der ersten besichtigung der räume nur den vorderen raum hier sahen und davon ausgingen, dass das der einzige raum ist. wir dachten uns zwar "hey, er ist etwas klein, aber wir nehmen ihn trotzdem!". dann ging die besichtigung aber weiter und eine weitere tür wurde geöffnet und wir sahen den anderen, viel größeren raum! wir dachten, das kann doch nicht wahr sein...(beide lachen). wir dachten vorher schon, ach lass uns das studio nehmen, wir können noch etwas daraus machen und dann das! wir brauchten einfach einen ort, an dem wir unser equipment lagern konnten...ich habe meine nachbarn in den wahnsinn getrieben, wenn ich so laut musik gemacht habe. es war wirklich an der zeit einen eigenen raum dafür zu haben. wenn man fünfzehn stunden am tag musik macht, geht das nicht in der wohnung. auch wenn tom zu mir kam, um an ideen zu arbeiten, konnten wir nicht all das machen, was wir vorhatten, weil unsere ganzen sachen eben nicht dort waren. wir mussten da einfach verschwinden bevor jemand anfangen würde sich richtig zu beschweren...wir brauchten einen platz, an dem wir laut sein, tom auf die drums einschlagen und ich herumschreien konnte.
tom: ich hatte mein drum set vorher in meinem schlafzimmer und habe eine zeit lang trigger und kopfhörer benutzt, aber das geht einem irgendwann echt auf die nerven. das ist totaler mist! jetzt haben wir diese zwei großen räume hier und jeder von uns hat seinen eigenen bereich. dean arbeitet hier, ich habe meine sachen dort drüben und wir können die tür schließen und an ideen arbeiten. wenn wir bereit sind, kommen wir schließlich zusammen und können die sachen gleich live ausprobieren. wir haben nun genau das, was wir gebraucht haben.
was muss ein gutes studio eurer meinung nach unbedingt haben?
tom: eine gute atmosphäre.
dean: ja, da stimme ich dir vollkommen zu. ich bin froh, dass du das gesagt hast und genauso siehst. das ist wirklich das wichtigste von allem. es hat gleich gestimmt, als wir das studio zum ersten mal betreten haben. ich habe mir vorgestellt, dass ich hier sofort musik machen könnte. die chemie war gleich da...und als wir dann den zweiten raum gesehen haben, hat es sich sogar noch besser angefühlt (beide lachen).
tom: wir beide mussten uns sehr zusammenreissen nicht laut los zu lachen als die tür zu dem viel größeren raum geöffnet wurde (lacht). wir haben versucht cool zu wirken, aber waren total aufgeregt. innerlich haben wir gejubelt, aber nach aussen hin haben wir uns bedeckt gehalten und gesagt "hmm, ja vielleicht nehmen wir das studio..." (beide lachen)
dean: ich hatte den stift zum unterschreiben eigentlich schon in der hand!
was ist denn euer lieblingsstück im studio?
dean: hmm, das neue regiepult. wir haben das bei ebay ersteigert während wir mit iamx auf tour waren. es war so aufregend, weil wir bereits dafür geboten hatten bevor wir bei einem festival aufgetreten sind. wir haben ständig gesagt, dass wir unbedingt um ein uhr nachts zurück sein müssen, weil dann die auktion dann zu ende gehen würde...unsere deadline! (lacht)
tom: wir wollten es unbedingt haben und noch einmal bieten.
dean: wir waren also zunächst die höchstbietenden und es war so ein guter preis. und wir wollten das ding so gerne haben. natürlich kamen wir erst 2-3 stunden nach ende der auktion nach hause und tom sagte zu mir "mach deinen computer an und sehe nach, ob wir gewonnen haben". wir haben dann zusammen nachgeguckt und das regiepult wirklich für einen super preis bekommen. wir haben uns gefühlt, als ob wir im lotto gewonnen hätten! (beide lachen laut)
tom: wir haben gefeiert, in dem wir uns erst einmal schlafen gelegt haben (lacht).
dean: ja, aber erst nachdem wir zwei stunden damit verbracht haben uns darüber zu unterhalten, was wir alles damit anstellen würden, wenn wir es haben...und dann mussten wir nach köln fahren, um es schließlich abzuholen.
tom: oh mein gott...(denkt darüber nach)(pause)
dean: das ist noch einmal eine ganz andere geschichte...wir könnten eigentlich ein weiteres interview nur über die fahrt nach köln und wieder zurück machen...(beide lachen) das heben wir uns für einen anderen regnerischen tag auf.
soweit habt ihr ja schon eine menge arbeit in das studio gesteckt. was habt ihr denn noch so alles damit vor bis ihr zufrieden damit seid?
dean: wir sind auf einem guten weg, aber noch lange nicht fertig.
tom: es gibt noch so viel zu tun...
dean: es soll irgendwann einmal ein cooler ort zum aufnehmen und arbeiten in berlin sein, wo wir auch mit anderen leuten zusammenarbeiten können, die genauso hart arbeiten wie wir es tun.
tom: wir sind beide kleine ordnungsliebhaber. ok, momenten sieht es hier noch nicht danach aus, weil wir noch dabei sind alles fertig zu stellen, aber generell haben wir es gerne ordentlich und sauber. es gibt nicht gerade viele studios, die diesen vibe versprühen und wo man in dieser hinsicht gut arbeiten kann. das kann manchmal auch die atmosphäre etwas kaputt machen. das studio muss für uns ein ort sein, an dem wir gerne hinkommen, schließlich kommen wir ständig hierher und arbeiten. jeden tag, wenn man so will.
das wäre auch meine nächste frage gewesen. wie viel zeit verbringt ihr denn hier in eurem studio?
dean: jede freie minute, die wir haben. wenn wir nicht gerade draussen in woltersdorf sind und häuser putzen, verbringen wir hier unsere zeit (anmerkung: chris corner von iamx lebt und arbeitet dort.)
damit wären wir auch schon am ende des interviews angekommen. habt vielen dank für eure kostbare zeit.
dean: cool.
tom: danke (in deutsch)
dean: was für ein abruptes ende...das war's schon?
wenn ihr noch ein paar geschichten auf lager habt...
dean: ok, ich habe da noch einige geschichten (holt luft)...nein, ich mache nur spaß!
tom: nee, ich habe auch keine...(pause)
dean: dann knipse ich das licht mal wieder an...achtung, macht die augen zu! (alle sind geblendet) die beleuchtung hier drinnen ist echt schrecklich. wenn nur tom und ich hier sind, machen wir kerzen an. dann wird es ein bisschen romantisch, aber darüber möchte ich jetzt nicht reden (alle lachen).
Foto: hella wittenberg




























