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element of crimeInterview mit sven regener

Die seit 1985 aktive Berliner Band Element of Crime veröffentlicht ihr nunmehr zwölftes Album. Bandmitbegründer, Sänger, Gitarrist, Schriftsteller und Drehbuchautor Sven Regener beantwortete uns vorab ein paar Fragen im e-Mail-Interview zum neuen Album „Immer da wo du bist bin ich nie“:

„Immer da wo du bist bin ich nie“ heißt Euer neues Album. Ein Titel der nach einer Flucht klingt. Mit was für einer Platte haben wir es hier zu tun?
Ich hatte dabei mehr an eine Suche gedacht, auch an ein Hinterherrennen vielleicht, wobei das natürlich auch einen Flüchtenden einschließt, so gesehen... Aber ich verrenne mich. Als Platte: Für mich ist es eine Platte mit 11 schönen Songs drauf. Im Stil von Element of Crime. Aber das erste dieser beiden Statements ist natürlich immer auch Geschmacksache.

Hat sich „Musikmachen“ eigentlich im Vergleich zu früher verändert? Euch gibt es mittlerweile seit über 20 Jahren, was für viel Erfahrung spricht. Wie ist Euer Eindruck? Ist es heute z.B. schwerer ein Publikum anzusprechen, Platten aufzunehmen, Konzerte zu geben? Haben sich Verhältnisse spürbar verändert?
Nun, ich kann das nur für uns sagen, und für uns ist es leichter geworden: Die Band hat heute viel mehr Erfolg als früher und dadurch verbessern sich natürlich alle Bedingungen. Daraus kann man aber keine allgemeinen Aussagen ableiten.

Eure Musik wird von vielen Menschen eher als bekümmert oder schwermütig empfunden. Das passt ja zu der gegenwärtigen Zeit, oder? Spürt Ihr die „Krise,“ von der soviel die Rede ist, eigentlich? Ist sie in Eurer Arbeit oder im täglichen Leben überhaupt spürbar?
Wir sehen unsere Musik als schön an und sie zu spielen ist uns ein großer Spaß. Die Krisen kommen und gehen, aber die Musik bleibt. Mit der Krise haben wir bis jetzt persönlich noch nicht viel zu tun gehabt. Sie hat gewissermaßen noch nicht vorbeigeschaut. Man kann ja nur hoffen, dass das so bleibt...!

Die Musik von Element of Crime steht grundsätzlich eher für verschachtelte, kluge, melancholische Texte. Sie fordert den Hörer heraus. Oftmals hat man den Eindruck, dass Musik für den schnellen Erfolg nach einem Rezept kreiert wird, nicht aber inhaltlich operieren muss. Euer Anspruch ist da augenfällig ein anderer. Wie schätzt Ihr die Entwicklung der deutschen Musiklandschaft ein? Wen bewundert Ihr? Wer beeinflusst Euch gegenwärtig? Verändern sich Einflüsse eigentlich (mit der Zeit) grundsätzlich? Welches Album wurde von Euch zuletzt innerhalb der Band stark thematisiert?
Wir sprechen in der Band eigentlich nie über die Musik der anderen. Aber der Tod von Bo Diddley hat uns sehr berührt, wir mochten ihn alle sehr und man kann sicher sagen, dass er einen gewissen Einfluss auf unser Songwriting hatte. Was nun die Entwicklung der Musiklandschaft betrifft, so gibt es auch da innerhalb der Band keine gemeinsame Meinung. Die Geschmäcker sind auch sehr verschieden. Ich persönlich möchte dies sagen: Ich glaube, das gibt viel tolle Musik, so wie es immer viel tolle Musik gab, und ich freue mich immer, wenn ich die Zeit finde, auf ein Konzert zu gehen. Ich gehe allerdings nur noch auf unbestuhlte Konzerte. Ich mag bestuhlte Konzerte nicht.

Hat die Arbeit von Dir als Schriftsteller einen Einfluss auf die Musik von Element of Crime oder die Wahrnehmung der Öffentlichkeit auf Euch genommen?
Auf die Musik: nein. Auf die Wahrnehmung der Öffentlichkeit: vielleicht. Aber sowas ist immer schwer zu sagen, das können andere vielleicht besser beurteilen.

Welche Themen interessieren Euch für Eure Arbeit? Was inspiriert Euch, was treibt Euch an?
Wir lieben Musik, wir lieben diese Art von Songs, wir lieben den Rock'n'Roll. Das ist Ansporn und Inspiration zuhauf.

In der ZEIT wurde die argentinisch-stämmige Schriftstellerin Maria Cecilia Barbetta aufgrund ihres experimentierfreudigen Deutsch gefragt, ob die deutsche Sprache eine Hausfrau sei. Ist die deutsche Sprache eine Hausfrau?
Nein. Das ist so ziemlich der dämlichste Vergleich, den ich je gehört habe.

weitere infos: www.element-of-crime.de

11.09.2009 // thomas
 
 
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