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The Low AnthemInterview mit Ben Knox Miller

Ben Knox Miller von The Low Anthem kommuniziert am liebsten über seine Musik und im Prinzip spricht “Oh My God, Charlie Darwin”, das großartige neue Album des Trios aus Providence, bereits für sich. Deshalb fallen die Antworten des Amerikaners eher kurz aus und einige Fragen beantwortet er lieber gleich gar nicht. Aus Selbstschutz, wie er sagt: “Once you start talking too much about certain things, the magic can disappear before your eyes.”


Auf den ersten Blick wirkt ihr drei recht unterschiedlich (Anmerkung: Ben Knox Miller ist ein talentierter Maler, Jeffrey Prystowsky hatte auf dem College ein Baseball-Stipendium und war nebenbei Jazz-Bassist, Jocie Adams arbeitete früher als Technikerin bei der NASA). Wie kommt es, dass ihr zusammen in einer Band gelandet seid?
Wir sind in der Tat sehr unterschiedlich. Aber als wir mit The Low Anthem anfingen, gab es die jetzige Konstellation ja noch nicht. Jetzt sind wir eben die drei Personen, die in dieser Band spielen. Da steckt keine Magie dahinter.


Vordergründig geht es im Titelsong eures neuen Albums “Oh My God, Charlie Darwin” um Darwins Reise auf der Beagle. Allerdings könnte man den Song auch als eine Metapher für das Leben an sich begreifen, oder irre ich mich da? Mit Zeilen wie “Oh my God, the water´s all around us” kann man sich jedenfalls auch dann identifizieren, wenn man gerade nicht auf einem Schiff unterwegs ist.
Ich glaube, da bist du schon auf dem richtigen Weg…


Gibt es einen Song auf “Oh My God, Charlie Darwin“, der dir besonders gut gefällt beziehungsweise der dir besonders wichtig ist? Oder lässt sich das schwer sagen, weil es ja alles deine eigenen Lieder sind?
Ich mag “Ticket Taker” ganz besonders, weiß aber nicht, warum.


Was einem beim Hören der neuen Platte sofort auffällt, ist, dass sie unheimlich abwechslungsreich ausgefallen ist. Ist es wichtig für euch, immer ein möglichst breites Spektrum an verschiedenen Atmosphären und Stimmungen zu erzeugen?
Das ist auf jeden Fall einer der wichtigsten Aspekte von dem, was wir machen. Nachdem wir mit dem Schreiben der Songs fertig sind, stecken wir unsere ganze Energie in die Arrangements. Da arbeiten wir pausenlos dran. Wir probieren so lange herum, bis am Ende alles zusammenpasst und einfach zündet.


Ihr covert auf dem Album “Home I´ll Never Be”, einen Song von Tom Waits. Weißt du, ob Tom Waits den Song gehört hat und ob er ihm gefällt?
Ich weiß nicht, ob er ihn gehört hat, aber Tom Waits hat den Song ja selbst auch nur gecovert. Das Original ist von Jack Kerouac. Er nahm ihn auf, als er an der Audio-Version von “Unterwegs” arbeitete. Er sagt, er hätte letzte Nacht ein Lied geschrieben und dann singt er es ganz leise vor sich hin, komplett mit Melodie. Es ist also durch und durch Kerouacs Song.


Charles Darwin, Tom Waits, Jack Kerouac und natürlich Bob Dylan haben eure Musik stark geprägt. Wer oder was sonst inspiriert euch noch?
John Steinbeck, Ernest Hemingway, die Bibel, isländische Sagen, die Fabeln von Aesop, Woody Guthrie, Leonard Cohen, Cal Ripken Jr., James Wright, Monty Python - die alle hatten einen großen Einfluss auf uns.


Stilistisch bedient ihr euch vor allem an traditioneller amerikanischer Musik. Wie würdest du selbst euren Sound beschrieben? Viele Leute würden euch wahrscheinlich in die Americana-Schublade stecken. Passt das?
Unser Vorteil ist ja, dass wir selbst unsere Musik gar nicht großartig zu beschreiben brauchen. Wir machen sie halt einfach. Der Begriff Americana wird von verschiedenen Leuten in einer ganz unterschiedlichen Art und Weise verwendet. Manche benutzen den Begriff und meinen damit eher altmodische Musik mit Fiedeln und Banjos und so. Andere denken bei dem Wort Americana an Elvis, Autokinos und Straßenkreuzer. Und für wieder andere ist Americana gleichbedeutend mit Singer/Songwriter. Der Begriff ist so schwammig, dass es eigentlich schon fast ein Kunststück ist, nicht in diese Schublade zu passen. Andererseits sagt Americana aber auch nicht wirklich viel aus. Allerdings würde ich unsere Musik auch nicht als Folk bezeichnen, weil wir ja schließlich keine Volkslieder singen. Für Folk sind unsere Songs zu speziell und zu ausgefeilt. Trotzdem trifft es Folk wohl am besten. Auch wenn es nicht wirklich passt.


Eure Heimatstadt Providence in Rhode Island scheint ein ganz gutes Pflaster für hörenswerte Musik zu sein. Welche Bands und Solo-Künstler kannst du uns empfehlen?
Deer Tick, Death Vessel, Ben Pilgrim, Roz Raskin & The Rice Cakes, The ´Mericans, Chris Rosenquest. Das sind jetzt aber nur die, die mir spontan einfallen. Es gibt tatsächlich viel gute Musik in Providence.

09.09.2009 // christoph
 

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