maxïmo parkinterview auf dem hurricane festival
habt ihr vor gründung maxïmo parks bereits in anderen bands gespielt?
paul smith: ja, ich habe in einer band namens "me & the twins" gespielt. es waren im grunde lediglich zwei eineiige zwillingsschwestern, rachel und laura, und ich. da wir damals nur instrumental musik spielten, hatte ich vor etwa drei jahren, zum zeitpunkt der gründung maxïmo parks, noch keine gesangserfahrungen. zuvor habe ich in der band nur gitarre gespielt, die mangels gesang fehlende expressionen versuchte ich durch meine gestik und mimik zu kompensieren. ich war mit meiner gitarre sehr demonstrativ. wahrscheinlich ein grund, weshalb die jungs schließlich auf den gedanken kamen, dass ich ein guter frontmann für ihre band wäre. (deutet auf lukas wooller) er hingegen war in vielen bands.
bands?
lukas wooller: (grinsend) nein, es waren keine namhaften bands. trotzdem kann man damals schon die anfänge unserer band sehen. wir waren alle studenten und lebten in newcastle. damals spielte ich in einer band, die sich in einer art rivalität mit der band von archis (tiku, heutiger bassist maxïmo parks) und duncan (lloyd, heutiger gitarrist maxïmo parks). während wir von ihnen dachten, dass sie eine truppe softer folk musiker seien, waren sie in der annahme wir seien ein haufen stupider rocker. als schließlich beide bands zerbrachen, beschlossen wir gemeinsam musik zu machen.
erst rivalität, dann eine gemeinsame band. ein langwieriger prozess?
lukas: das spielte sich alles über ein, zwei jahre ab, aber nichtsdestotrotz verfügten wir von anfang an über eine gemeinsame basis - die musik, die wir hörten. pavement war eine dieser bands, die tom (english, heute schlagzeuger maxïmo parks), archis, duncan und mich zusammenführte. sicher nicht die einzige, the fall, zum beispiel, sollte man auch erwähnen. wenn man keine band hat, befindet man sich ständig auf der suche nach einem weg, eine neue band zu gründen. glücklicherweise waren wir damals alle in dieser lage, wobei wir gleichzeitig auch alle innovative, neue musik schreiben wollten.
pavement, the fall, was sind weitere wurzeln eures schaffens?
paul: ich, für meine teil, mag ruhige musik, wie folk. da gibt es eine sammlung von harry smith mit dem namen "folk anthology". für diese sammlung zog er quer durch amerika, sammelte alle diese alten stücke zusammen ohne dabei an profit zu denken, sondern einfach aus dem antrieb diese melodien für die nachwelt zu konservieren. andererseits höre ich auch musik, wie die von arthur russell. ein musiker, der in den späten siebzigern, frühen achtzigern disco musik aufnahm. dazu bediente er auch cellos, echo maschinen und andere avantgardistische einflüsse. wobei das für mich auch folk musik ist, denn es kommt direkt aus dem geist der musiker. manchmal schaue ich mir diese traditionen an und wundere mich, wie ich meinen platz in diesem gefüge finde. joni mitchell, leonard cohen, ihre texte sind eine eigene kunstform, denn sie funktionieren sowohl mit, als auch ohne die musik. selbst sehe ich mich als lyriker, mein fokus sind die texte, was nicht heißen soll, dass ich die musik außer acht lasse. denn wenn sich diese nicht mit mir verbindet, finde ich auch keinen zugang zur musik. ansonsten ist es für mich eher schwer die musik zu mögen. sicher gibt es einige disco-, tanzstücke, welche auch ohne großen anspruch gut klingen. allerdings betrachte ich, wie gesagt, stücke mehr aus einer primären sicht als lyriker und suche dann die verbindung zur musik. life without buildings ist definitiv eine gruppe, die uns alle verband. als ich gerade neues mitglied der band geworden war, mochte ich und die anderen bereits längers diese band. wahrscheinlich klingen wir ihnen sogar ein wenig ähnlich - ein gute referenz. ihre texte sind wirklich außergewöhnlich, sie verdeutlichen die gefühlswelt eines menschen ohne dabei zu explizit zu werden. nicht dieses gewöhnliche "ich fühle mich so..", "du fühlst dich so..". das leben ist eine sehr komplizierte angelegenheit, das ständige wechselspiel zwischen emotionen und verstand. life without buildings versuchen das leben auch nicht gar nicht genauer zu erklären, sie sind einfach am leben. wahrscheinlich klinge ich gerade wie ein hippie. wenn die musik nicht durchdringt bis zu meinem herz, wenn ich diese verbindung nicht spüre, dann werde ich dazu auch keinen bezug finden. doch die musik, die bis zu mir durchdringt, kann aus den unterschiedlichsten genres kommen. zum beispiel habe ich mir letzte nacht wu-tang clan angehört, das ist großartige musik. die flows, die beats, sehr innovative musik.
euer langspieldebut gelang 2005 mit "a certain trigger" in die läden. wie gestalteten sich die arbeiten, aufnahmen daran?
lukas: die eigentliche band maxïmo park bestand aus vier musikern. schließlich gelangten wir an einem punkt, an dem wir eine handvoll eigene stücke und einige auftritte spielten, hatten aber gleichzeitig das stetige gefühl, dass wir uns nicht in die richtige richtung bewegten. damals schrieben wir stück die einerseits relativ kurz, und gleichzeitig von popmelodien durchzogen, waren. um dieses umzusetzen benötigten wir eine figur in dem puzzle, die wir schließlich ein paul fanden - einen frontman, der sich darauf konzentriert die verbindung zwischen band und publikum herzustellen. das schreiben der texte ist ein andere aspekt seiner arbeit. da es uns zuvor an dem selbstvertrauen fehlte, eine wirkliche performance zu liefern, war paul die perfekte ergänzung.
paul: als wir dann mit den aufnahmen zum album begannen, hatten wir bereits anderthalb jahre als band hinter uns. die stücke hatten ein stadium erreicht, in dem sie aufnahmereif waren. sicherlich kam auch das glück hinzu, das uns einen plattenvertrag einbrachte und somit das geld in einem studio aufzunehmen. vorher hatten wir stets zu hause aufgenommen. so auch unsere erste veröffentlichung, eine ep von der wir 300 stück anfertigten. rote vinyl schallplatten mit einem selbstgemalten bild auf der scheibenmitte. sicherlich, das ist lo-fi, aber für mich eine notwendigkeit. denn wenn du etwas tun willst, dann tu es einfach, denn das urteil für deine tat wirst du erst im nachhinein erfahren. der rough trade shop in london verkaufte alle kopien der vinyl, die wir im zukommen lassen hatte, dass war unglaublich. wir hatten damals nach einem günstigen weg gesucht, die vinyl pressen zu lassen, und fanden schließlich eine firma in tschechien. ein freund musste uns geld für den pressprozess leihen, denn wir besaßen damals bei weitem nicht genug. das war unsere erste wirkliche erfahrung in sachen aufnahmen und gleichzeitig der sprung, mit welchem wir schließlich in den aufnahmen zu unserem debut landeten. zu diesem zeitpunkt hatten wir bereits die dreizehn songs fertig ausgearbeitet, live gespielt und waren zufrieden mit ihnen. bei meiner textarbeit, entstehen meistens viele fragmente, manche bleiben über, bleiben fragmente. eines dieser fragmente war "limassol", ein wort, bei dem ich mir sofort dachte "wow, was für ein großartiger songtitel!". also konstruierte ich den rest des stücks um dieses wort herum. wobei das nächste album sich von "a certain trigger" sehr unterscheiden wird, denn unsere herangehensweise an die musik, an das schreiben der stücke ist stets einmalig.
lukas: während wir die stücke schrieben, dachten wir nicht primär daran, dass sie einmal auf einem album enden werden. wir setzten sie eher in den kontext der vielen live shows, die wir damals spielten. es ging uns vorrangig darum sie kompatibel für unsere konzerte zu machen. irgendwann überlegten wir uns eine reihenfolge, die letztendlich auch auf "a certain trigger" zu finden ist. die herangehensweise an das nächste album ist komplett anders. wir wissen bereits jetzt, dass es ein album werden soll und arbeiten unter diesem aspekt an den neuen stücken.
paul: es ist wirklich verrückt, denn ich beginne mir die stücke bereits jetzt in einer art reihenfolge vorzustellen, von track 1 bis track 13.
lukas: auf eine art und weise wird es ein gewisses konzept haben. allein schon dadurch, dass wir die stücke in einem rutsch schreiben.
paul: wir wissen dieses mal einfach, dass das material auf einem album enden wird, anstatt es nur als ansammlung von stücken zu betrachten. bei unserem letzten album hatten wir eben eine ansammlung von stücken, was dazu führte, dass wir uns alle songs angehört haben und darauf achteten, welche sich am besten hintereinander anhören würden. nun aber stellen wir uns die frage, wie wir den hörer durch das album begleiten können. von a nach b - vom anfang bis zum ende. natürlich wird es kein großartiges konzeptalbum sein. dennoch werden wir versuchen die stücke klanglich formen und gleichzeitig kleine flüsse durch die stücke laufen.
bevor "a certain trigger" in den läden stand, gelangten eine handvoll lo-fi mp3s ins internet. wie habt ihr euch damals gefühlt?
paul: ich fühlte mich leicht bloßgestellt, denn die stücke, die wir auf unserer ersten veröffentlichung, der roten vinyl, veröffentlicht haben, nahmen wir selbst zu hause auf. wir hatten es damals aufgenommen um es auf den konzerten zu verteilen, aber nie damit gerechnet, dass eine so große zahl menschen davon hört. das hat mir natürlich keine schlaflosen nächte beschert, aber dennoch hat es mich etwas betrübt. denn diese aufnahmen waren nur grobe skizzen, wenn jemand das fertige bild sehen will, ist unser album der ort, wo er nachsehen sollte. andererseits war ich als jugendlicher nicht anders. ich wollte zum beispiel, obwohl ich mir der schlechten soundqualität bewusst war, alle jeff buckley demos besitzen. denn sein erstes album hat mich wirklich sprachlos gemacht und von solch einem künstler willst du nun einmal alle songs besitzen. von daher verstehe ich dieses große interesse schon ein wenig.
eine gemeinsamkeit mit euren fans?
lukas: wir waren und sind auf jeden fall immer noch vernarrt in die musik. heutzutage haben die menschen dank der technologie die möglichkeit künstler kennen zu lernen, von denen sie sonst nie etwas gehört haben. auf eine andere art und weise haben wir einst auch musik entdeckt.
mp3 eher eine chance neue musik zu entdecken oder ein großer finanzieller verlust für die künstler?
paul: ohne zweifel verlieren die künstler geld, aber sie nehmen im endeffekt auch wieder geld ein. und zwar von den leuten, die schließlich das album kaufen und ohne diese möglichkeit nie von ihnen gehört hätten. persönlich denke ich, dass das internet die kraft einer globalen bewegung besitzt, denn menschen aus der ganzen welt vereinen sich, schaffen internetseiten und hören neue musik. so etwas gab es vorher einfach nicht, immer mehr menschen werden verschiedenste musik hören. wir spielten vor kurzem in wien und obwohl wir lediglich 1.000 alben in dem ganzen land verkauft hatten, konnten alle 1.000 zuschauer jedes wort mitsingen. uns ist bewusst das wir verluste erfahren, aber wir sind musiker und keine manager - es belastet uns nicht sonderlich.
wenn ihr eure musik veröffentlicht, denkt ihr sie ist frei oder ist sie immer noch euer eigentum?
paul: das ist lustig. denn man ist stolz auf seine musik, man möchte das leute es hören und wissen, wer sie geschaffen hat..
lukas: ..es ist kompliziert, denn menschen können deine musik für ihre eigenen belange auf eine kommerzielle art nutzen. jemand hat mir vor kurzem ein gerücht erzählt, ich weiß nicht ob es war ist, aber wenn du deine musik auf die myspace internetseiten lädst, musst du einen vertrag unterzeichen, der besagt, dass du nahezu alle rechte an den stücken an myspace abtrittst, so dass sie deine musik in ihrem eigenen interesse nutzen können.
paul: das ist definitiv möglich und so können sie eine menge um ihre rechte bringen. als künstler solltest du diese rechte behalten und das gesetz dich gleichzeitig beschützen.
lukas: denn nur weil du etwas erschaffst, ist es noch nicht besitz der öffentlichkeit oder für jemand anderes um es ohne probleme im eigenen interesse zu verwenden. sicherlich ist es auch interessant zu sehen, wie andere menschen damit umgehen, aber man sollte stets den künstler einbinden.
zeit für ein neues urheberrecht?
paul: ich kenne mich nicht wirklich mit gesetzen und recht aus, aber es ist ein bereich, der sich so schnell verändert und stetig angepasst sein muss. es wird ständig neue gesetze geben, aber die den missbrauch unterdrücken, ich weiß es nicht. solange wir unsere musik veröffentlichen und mit der welt teilen, profitieren alle davon. diese rechtlichen problematiken sollten erst dann wirklich in das bewusstsein der künstler rücken, wenn sich noch nicht einmal genug geld zum leben haben. wenn ich musik machen, genug essen und mädchen ins kino einladen kann, brauche ich nicht sonderlich viel mehr.
zurück zu eurem debut album. eine limitierte ausgabe des albums kam mit einer live in tokyo cd. was war der grund eben dieses konzert zu wählen?
paul: es war unser erstes konzert in japan, ein einfach unglaublicher ort. unsere erlebnisse und diese zeit wollten wir definitiv dokumentieren. wenn man ein album veröffentlicht will man den menschen so viel wie möglich geben, es aber gleichzeitig nicht übertreiben. daher schien es uns eine gute idee diese cd dem album beizulegen. sicherlich ist es ein beliebter marketing trick und unser label hätte eine special edition veröffentlicht, so oder so. aber auf diese weise konnten wir sicher gehen, dass die menschen etwas sinnvolles erhalten. vor kurzem haben wir auch unsere neue dvd veröffentlicht, einen schritt den wir gehen mussten um weiterhin unsere rechnungen bezahlen und alben machen zu können. unser plattenlabel ist ein sehr kleines geschäft, dass ist einerseits ein vorteil, andererseits müssen wir unser geld eben anders, als durch verträge mit dem label verdienen. wenn wir etwas veröffentlichen (müssen), gehen wir dennoch immer sicher, dass es etwas grandioses ist. denn wenn es nicht grandios ist, was ist dann der sinn hinter dieser veröffentlichung? dinge müssen eine bestimmung haben. vor allem pop musik. als ich fugazis instrument dvd bekam, dachte ich mir "das ist unglaublich!" und ich möchte das es unseren fans ähnlich geht. wir wohlen keine zweite option sein. wie wir bereits gesagt haben, sind wir eher eine live band, von daher erschien es uns sinnvoll eine live aufnahme zu veröffentlichen. denn das ist worum es in unserer band eigentlich geht.
ihr habt euer kleines plattenlabel warp schon kurz angesprochen, ist es eine ehre für euch auf diesem label gesignt zu sein?
lukas: auf jeden fall, als sie das erste mal mit uns kontakt aufnahmen, war es für uns beinahe sureal. denn für uns hatte warp zu der zeit eine komplett andere bedeutung, sie waren eher ein elektronik-label. aber als wir uns schließlich mit ihnen an einen tisch setzten, realisierten wir, dass sie, wie wir, auch nur musikfans sind. musik aus allen genres akzeptieren und lieben. warp ist bekannt dafür, dass sie genregrenzen verschmelzen lassen. aphex twin, definitiv das beste exempel. er spielt sowohl ambient, als auch techno, als auch elektronika. man kann ihn aber keinesfalls auf diese begriffe festnageln, er steht darüber - ein echter künstler. zu einem gewissen teil hat er den popmarkt verändet. eine menge künstler auf warp records sind für solche veränderungen verantwortlich. wenn dann ein label wie warp auf dich zukommt und sagt, dass sie möchten, dass du ein teil dieser bewegung wirst, ist das eine wahre ehre. gleichzeitig ein komfort, dass wir über menschen verfügen, die uns verstehen.
paul: wir wollen eben andere musik machen. denn würden wir wie gang of four klingen, würde ich zu den leuten sagen: "geht und kauft euch eine gang of four platte" oder wenn wir wie die beatles klingen würden, was eine menge bands tun, dann sollten die leute lieber sgt. peppers kaufen. wir wollen etwas anderes machen.
wir haben bereits über euer neues album geredet. wie weit seit ihr mit den arbeiten im moment?
lukas: wir haben inzwischen das komplette rohmaterial beisammen, werden damit hoffentlich im august das studio entern und dort die zwanzig stücke, die wir momentan haben, aufnehmen und in die endversion bringen.
werden bei euren konzerten einige der neuen stücke ihre premiere feiern dürfen?
lukas: ja, "a fortnights time" ist eines davon. wobei wir in letzter zeit öfter das stück "by the monument" gespielt haben, welches eher ein langsamer textbasiertes stück ist. dann gibt es noch ein stück, das "nose bleed" heißt. ein song eher ohne thematischen schwerpunkt, dafür vielmehr gefühlsgesteuert.
paul: das werden wir heute abend zum ersten mal spielen.





















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